Barbara Schöneberger moderiert Primetime-Shows, wie hier den Ersatz-ESC 2020. Doch sonst gibt es in der ARD kaum Show-Moderatorinnen.
Barbara Schöneberger moderiert Primetime-Shows, wie hier den Ersatz-ESC 2020. Doch sonst gibt es in der ARD kaum Show-Moderatorinnen. bild: screenshot ard

ARD-Programmdirektor in Kritik für Frauen-Aussage – was der Sender sagt

09.06.2020, 17:0609.06.2020, 20:15

ARD-Programmdirektor Volker Herres steht für eine Aussage über Frauen als Moderatorinnen von Unterhaltungsshows in der Kritik. Eva Schulz, die selbst Moderatorin eines ARD-Formats ist, geht Herres auf Twitter scharf an. Sie sei "entsetzt" über Aussagen, die Herres in der "Bild am Sonntag" getroffen hatte.

In einem Interview mit der "Bams" hatte Herres erklärt, ihm falle kein weibliches Pendant zu beispielsweise Kai Pflaume ein. Dieser begeistere mit seiner "Empathie und Zugewandtheit" große Mehrheiten für sich. "In der Showunterhaltung trifft man nicht viele Frauen an", sagte Herres und bedauerte dies. Falls er jemanden übersehen habe, dürfe man sich aber gerne bei ihm melden, fügte er hinzu.

ARD-Programmdirektor Volker Herres steht für Aussagen zu weiblichen Moderatoren in der Kritik.
ARD-Programmdirektor Volker Herres steht für Aussagen zu weiblichen Moderatoren in der Kritik.Bild: www.imago-images.de / Malte Ossowski/SVEN SIMON

Dazu twitterte Schulz: "Unter den Kolleginnen gibt es so viel 'empathische und zugewandte' Frauen. Wie kann es sein, dass Sie uns nicht wahrnehmen?"

Weiter erklärte sie, es sei Herres' Aufgabe, diesen Moderatorinnen die "großen Mehrheiten" überhaupt zu ermöglichen, "indem sie ihnen die Sendeplätze und Budgets verschaffen".

Auch aus der Ecke der Privatsender kam deutliche Kritik am ARD-Programmdirektor. ProSieben-Moderatorin Jeannine Michaelsen etwa sprach in einem Tweet von einer "kollektiven Ohrfeige", die Herres "den vielen (!) Frauen in der deutschen Fernsehunterhaltung" verpasst habe.

Schulz nennt Beispiele

Schulz zählte in ihrem Tweet eine ganze Reihe von Frauen auf, denen sie es offenbar durchaus zutraut, eine große Unterhaltungssendung zu moderieren. Darunter sind Namen wie Caroline Kebekus, Katrin Bauerfeind, Dunja Hayali, Palina Rojinski oder Anke Engelke.

Moderatorin Dunja Hayali sprang Schulz direkt zur Seite. "Offensichtlich können (in den Augen mancher) Frauen 'nur' Talk, Männer alles", twittert sie. Auch andere von Schulz erwähnte Frauen drückten ihre Zustimmung aus.

Das sagt die ARD-Programmdirektion

Die ARD weist die Kritik zurück. Ein Sprecher der Programmdirektion, also jenem Bereich, den Herres verantwortet, teilte watson mit:

"Herr Herres nimmt die genannten Frauen nicht nur wahr, sondern schätzt auch ausnahmslos ihre Arbeit."

Carolin Kebekus zum Beispiel habe mit "Pussy Terror TV" ein eigenes Comedy-Format im Ersten, betonte der Sprecher des Senders.

Tatsächlich gibt es "Pussy Terror TV" seit Kurzem nicht mehr, stattdessen moderiert Kebekus nun "Die Carolin Kebekus Show" in der ARD. Die erste Folge lief am Donnerstag, 21. Mai um 23.30 Uhr.

"Selbstverständlich hält Herr Herres Frauen für geeignet, Unterhaltungsshows zu präsentieren", teilte der Sender weiter mit. Herres wünsche sich ausdrücklich eine Moderatorin am Samstagabend. "Voraussetzung ist, dass Sendeplatz, Format und Moderation perfekt zusammenpassen."

Bleibt nur die Frage: Wenn Herres Frauen für geeignet hält, Unterhaltungsshows zu präsentieren und auch die von Eva Schulz genannten Moderatorinnen schätzt – warum moderiert denn dann keine dieser Frauen eine Show am Samstagabend? Kai Pflaumes Quiz-Show "Klein gegen Groß" etwa könnte ja künftig eine Frau leiten.

Auf unsere Nachfrage verwies die ARD nochmal auf die Voraussetzung, dass Sendeplatz, Format und Moderation perfekt zusammenpassen müssten: "Bei Kai Pflaume und 'Klein gegen Groß' ist das der Fall, sodass sich niemand über eine andere Moderation Gedanken macht."

Welche der von Funk-Moderatorin Schulz genannten Frauen Herres' Ansicht nach geeignet wären, eine Unterhaltungsshow zu moderieren, blieb offen.

"Nichts gelernt": Bauer sucht Frau"-Kandidat vergrault die Nächste – Ex-Kandidaten sind enttäuscht

Das mit der großen Liebe hat für Schafbauer Dirk bei "Bauer sucht Frau" nicht geklappt. Zwei Frauen nahm der Kandidat der diesjährigen Staffel mit auf seinen Hof in Schleswig-Holstein – erst Saskia, dann Sophie – doch beide packten bald die Koffer und gingen. Beide Teilnehmerinnen hat Bauer Dirk mit ähnlichen Sprüchen vergrault – und immer ging es dabei um andere Frauen. Bei ehemaligen Kandidaten sorgte er damit für Kopfschütteln, wie eine "Promiflash"-Umfrage ergab.

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