Unterhaltung
Veronika Ilieva aus Heimerdingen versucht die Jury (v.l.) Michael Wendler, Mike Singer, Maite Kelly und Dieter Bohlen von sich zu überzeugen.

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Michael Wendler wird bei "DSDS" bald nicht mehr zu sehen sein. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Analyse

Nach KZ-Aussage: RTL schneidet Michael Wendler jetzt doch aus allen "DSDS"-Folgen – Antisemitismus-Beauftragter mahnt: Sender müssen "frühe und klare Grenzen" ziehen

Radikaler Schritt bei RTL: Der Sender schneidet alle Szenen mit Michael Wendler aus der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" heraus. Das kündigte der Sender am Mittwoch in Köln an. Man werde Wendler "sofort aus dem Programm" nehmen. Auslöser ist eine KZ-Äußerung des Schlager-Schwurblers.

Was war passiert? Gerade erst war die neue Staffel von "DSDS" bei RTL angelaufen – mit Wendler, obwohl der Schlagersänger letztes Jahr vorzeitig aus der Jury der Show ausschied. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 13 Folgen abgedreht.

In der ersten Episode der aktuellen Staffel machte sich der Sender nun bei fast jeder Gelegenheit über den Verschwörungstheoretiker lustig.

Wendler hatte von "KZ Deutschland" gesprochen

Was einigen Zuschauern jedoch fehlte, war eine klare Einordnung der Person Michael Wendler, was seine fragwürdigen Aktivitäten der letzten Monate auf Telegram oder auch sein Zerwürfnis mit RTL betrifft.

Dazu kam: Wendler kommentierte vor einigen Stunden die verschärften Corona-Maßnahmen in Deutschland wie folgt auf Telegram: "KZ Deutschland??? Es ist einfach nur noch dreist, was sich diese Regierung erlaubt." Später ließ er seine Follower wissen, "KZ" habe er als Abkürzung für "Krisen Zentrum" verwendet.

"DSDS" ab jetzt ohne Michael Wendler

Nun will der Sender radikal einlenken. Bereits in der kommenden Folge von "DSDS" soll die Schere angesetzt werden.

Michael Wendler wird "aus allen bereits fertig produzierten Folgen der Castingshow DSDS geschnitten", teilte der Sender mit.

"Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste. In Zeiten, in denen es darum geht, durch gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gemeinsam eine schwere Krise zu bewältigen, wird RTL mit einer Unterhaltungsshow nicht die Bühne für Menschen sein, die ihrerseits Spaltung und Verharmlosung propagieren", teilt Jörg Graf, Geschäftsführer des Senders RTL, mit.

RTL hatte Ausstrahlung noch am Vormittag verteidigt

Es ist eine spektakuläre Kehrtwende. Seit Monaten war klar, dass der Wendler ins Lager der Verschwörungserzähler übergewechselt ist. Doch RTL hatte immer darauf beharrt, die bereits abgedrehten Folgen mit dem Wendler noch auszustrahlen.

Noch am Mittwochvormittag verteidigte der Sender sein Vorgehen gegenüber watson:

"Die Castingfolgen mit Michael Wendler waren bereits abgedreht, bevor er seinen Ausstieg in dem befremdlichen Instagram-Video kundtat. Bis zu diesem denkwürdigen Abschied aus der 'DSDS'-Jury war Michael Wendler vollwertiges und geschätztes Jurymitglied der diesjährigen Staffel. Seine später geäußerten Ansichten zur Pandemie (und über RTL) waren uns nicht bekannt und spielten bei der musikalischen und künstlerischen Bewertung der Kandidaten keine Rolle. Insofern werden die Zuschauer in den Castingfolgen der kommenden 'DSDS' Staffel die komplette Jury bei der Arbeit erleben, inklusive Michael Wendler! Allein aus Fairness den Kandidaten gegenüber können wir ihn nicht rausschneiden. Aufgrund seiner Juryentscheide sind Leute nicht weiter bzw. in den Recall gekommen."

Michael Blume warnt TV-Sender: "Frühe und klare Grenzen" ziehen

Michael Blume, Religionswissenschaftler und Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus, ist der Meinung, dass RTL den Wendler schon früher hätte herausstreichen sollen. Er warnt die Sender vor einer Zusammenarbeit mit Verschwörungsideologen. Schließlich hatte RTL auch mit Xavier Naidoo, der schon zuvor mit problematischen Thesen aufgefallen war, noch zusammengearbeitet.

"Immer wieder habe ich davor gewarnt, dass sich Verschwörungsgläubige auch gegen die Parteien wenden, durch die sie hofiert wurden. Das Gleiche gilt leider auch für Medienunternehmen wie Facebook, FoxNews oder RTL: Verschwörungsgläubige wie der Trump-Unterstützer Michael Wendler oder Xavier Naidoo können für vergangene Unterstützung nicht dankbar sein, sondern beschuldigen auch frühere Partner der Verschwörung", so Blume. "Deswegen kann ich allen Medienunternehmen nur raten, es nicht mit Beschwichtigung zu versuchen, sondern gegenüber Verschwörungsmythen von sogenannten ‚Stars‘ frühe und klare Grenzen zu ziehen."

Antisemitismusbeauftragter lobt RTL-Entscheidung

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, spricht sich gegenüber watson klar für die Entscheidung von RTL aus:

"Ich begrüße die Entscheidung von RTL ausdrücklich. RTL zeigt damit Verantwortung für die Wahrung der demokratischen Grundwerte unserer Gesellschaft. Jemand, der Deutschland als Konzentrationslager bezeichnet und den Holocaust auf abscheuliche Art und Weise relativiert, ist nicht geeignet, in der herausgehobenen Position eines Jurors vor einem Millionenpublikum über die Qualifikation anderer Menschen zu urteilen – auch, wenn sich dabei um eine Unterhaltungssendung handelt."

(ju/hau)

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