Unterhaltung
Markus-lanz-08-12-2020

Physikerin Viola Priesemann hat gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern die Empfehlung der Leopoldina unterschrieben. Bild: screenshot zdf

"Absurder Vorwurf": Physikerin bei Lanz kritisiert

Am Mittag richtete Angela Merkel bei der Generaldebatte im Bundestag noch einen dramatischen Appell an die Bevölkerung und plädierte für strengere Corona-Maßnahmen vor und nach Weihnachten. Am Mittwochabend wurde bei "Markus Lanz" emotional und hitzig über die Corona-Krise debattiert. Ein Gast stand dabei besonders in der Kritik: Physikerin Dr. Viola Priesemann. Nahezu von allen Seiten zog Sie den Unmut auf sich.

Als Physikerin bewertet Viola Priesemann die Statistiken und Infektionsmodelle in der Corona-Krise. An diesem Abend war sie die wissenschaftliche Expertin in der Runde und erntete Unverständnis aus Richtung Schulmanagement und Einzelhandel. Doch besonders kriegte sie sich mit Journalist Robin Alexander in die Haare.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 09. Dezember 2020:

Markus Söder will härteren Corona-Lockdown

Passend zu der emotionalen Rhetorik des Abends war auch der Auftritt Markus Söders in der "Markus Lanz"-Sendung. Der CSU-Ministerpräsident von Bayern hat vor wenigen Tagen den Katastrophenfall für sein Bundesland ausgerufen und ist seit Beginn der Krise für seinen sprachlichen "Alarmismus" bekannt, wie Moderator Lanz es nannte.

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Ministerpräsident Markus Söder kann sich noch härtere Maßnahmen vorstellen. Bild: screenshot zdf

An diesem Mittwochabend machte Markus Söder diesem Ruf alle Ehre – zum Beispiel, indem er sagte: "Wahr ist doch, dass wir seit Monaten neben dem Coronavirus einen anderen Virus haben, der durch das Land geistert. Einen Virus der Desinformation, der Hetze und der Unwahrheit." Zwar halte sich die Mehrheit der Deutschen an die Maßnahmen, dennoch können sich Markus Söder diesbezüglich noch "deutlich mehr vorstellen".

Der CSU-Politiker machte deutlich, dass er sich eine weitere Ministerpräsidentenkonferenz noch vor Weihnachten wünsche sowie bundesweit einheitliche Regelungen. Konkret wünsche sich Söder:

"Einen kompletten Lockdown über die Weihnachtsfeiertage und bis zum 10. Januar, einfach mal alles runterfahren."

Journalist Robin Alexander zeigte sich sicher: Kommt es zu einer weiteren Ministerpräsidentenkonferenz, sei ein harter Lockdown so gut wie beschlossene Sache. Alexander erklärte: "Wenn Söder sich durchsetzt, dass sie sich treffen, hat er schon halb gewonnen."

Physikerin wirft Bundesregierung Fehlverhalten vor

Einen harten Lockdown zur Eindämmung der Fallzahlen forderte auch Physikerin Viola Priesemann. Ihren Auftritt bei "Markus Lanz" begann sie mit einem Plädoyer. Die Zuschauer sollten besonders eines aus der Sendung mitnehmen: "Es ist viel einfacher, die Fallzahlen zu kontrollieren, wenn sie niedriger sind, als wenn sie hoch sind."

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Journalist Robin Alexander findet: Die Politik gebe sich größte Mühe, die Corona-Zahlen zu senken. Bild: screenshot zdf

Ein schwer kontrollierbarer Zustand herrsche derzeit in Deutschland. Die Erfolge anderer Länder wie Irland würden zeigen, dass ein R-Wert von 0,7 erreichbar sei. So weit, so gut.

Als Priesemann daraufhin jedoch den Vorwurf formulierte, Deutschland habe im Gegensatz zu Irland nicht geschlossen genug nach dem Ziel gehandelt, die Fallzahlen zu minimieren, musste Journalist Robin Alexander harsch widersprechen.

Ungläubig erklärte der stellvertretende "Welt"-Chefredakteur:

"Wenn Sie das ernst meinten, wäre das ehrlicherweise ein absurder Vorwurf."

Kritisch fragte Robin Alexander nach: "Welchen politischen, gesellschaftlichen Player sehen Sie denn, der den Willen hat, die Zahlen nicht runterzubringen?" Zwar wollte Priesemann keine Namen nennen, jedoch lag Moderator Markus Lanz mit seinem Tipp richtig, es könnte sich dabei unter anderem um Virologe Hendrik Streeck handeln.

Zum Verständnis: Hendrik Streeck ist ein Verfechter der These, die Corona-Infektionszahlen könnten nicht der einzige Handlungsindikator sein, man müsse beispielsweise auch verstärkt auf die Auslastung auf Intensivstationen achten.

Journalist Robin Alexander widerspricht Physikerin

Priesemann zeigte sich sicher: Derzeit würden alle nach stärkeren Maßnahmen schreien, jedoch habe im September, als die Fallzahlen zu steigen begannen, niemand danach gerufen, etwas dagegen zu tun. Journalist Robin Alexander wollte auch diese Aussage nicht so stehen lassen.

"Nein, das stimmt nicht", korrigierte er die Physikerin. "Diese Zahl, diese 50 als Maßstab für die Kontaktverfolgung, war immer das Ziel der Politik." Die Politik ringe seit Monaten miteinander und versuche, jeweils das beste Ergebnis für die Bundesländer und die Bundesrepublik zu erzielen.

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Ties Rabe (links) sprach sich gegen weitere Schulschließungen aus. Stefan Genth mahnte die Folgen für den Einzelhandel an. Bild: screenshot zdf

Elegant lenkte Markus Lanz das Thema an dieser Stelle weiter auf den Bereich der Schulen. Damit war diese eine Diskussion beendet. Der Unmut und das Unverständnis gegenüber der Physikerin in der Runde als Stellvertreterin der wissenschaftlichen Experten in der Corona-Pandemie setzten sich jedoch weiter fort.

Der Hamburger Schulsenator und Politiker Ties Rabe (SPD) kritisierte aus Sicht der Schulen, Verwaltungswirt Stefan Genth aus Sicht des stark betroffenen Einzelhandels. Am Ende blieb der Physikerin nichts weiter, als die Kritik auszuhalten, logisch zu argumentieren und auf ihre Anfangsthese zu verweisen: Niedrigere Fallzahlen sind leichter zu kontrollieren als höhere Fallzahlen – und dafür müsse man eben in allen Bereichen die Infektionen senken.

Anmerkung: In der ursprünglichen Version des Textes wurde Dr. Viola Priesemann auch als "Prof. Viola Priesemann" bezeichnet. Wir haben das korrigiert.

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