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Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir erzählt von der Situation seiner Partei. bild: screenshot zdf

Özdemir bei Lanz: "Wir haben die moralische Latte unglaublich hoch gehängt"

dirk Krampitz

Die Grüne Kanzler-Kandidatin Annalena Baerbock verliert gewaltig an Zustimmung. Im ZDF-Politbarometer erklärten nur noch 28 Prozent der Befragten die Grünen-Kandidatin für kanzlerinnentauglich. Beim letzten "Politbarometer" im Mai waren es noch 43 Prozent. Markus Lanz hat sich einen prominenten Grünen eingeladen, um über seine Partei zu sprechen. Insgesamt sind folgende Gäste im Studio:

Cem Özdemir findet die sinkenden Zahlen der Spitzenkandidatin sowie der Grünen allgemein gar nicht so schlimm. Aktuell liegen sie bei 21 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichten sie nur 8,9 Prozent. Und vor diesem Hintergrund findet er:

"Wenn wir nachher bei der Wahl über 20 Prozent sind, werde ich nicht Trauer tragen."

Cem Özdemir

Ob es soweit kommt, wird man sehen. Die Debatte um die Benzinpreiserhöhung sowie die Ungenauigkeiten im Lebenslauf von Kanzlerkandidatin Baerbock sowie die 37.000 Euro Parteizahlungen, die sie zu spät beim Bundestag gemeldet hat, haben offenbar einige potentielle Wähler verschreckt.

Lanz fragt Özdemir wie solche Patzer passieren kann. Cem Özdemir verweist völlig zusammenhangslos drauf, dass es beim Parteitag 3000 Änderungsanträge gegeben hat. "Ich verstehe gerade den Zusammenhang nicht, 3000 Änderungsanträge und ein seltsamer Lebenslauf?", fragt Markus Lanz. So richtig aufgeklärt wird nicht mehr, wie Cem Özdemir diese Erklärung meinte. Er mutmaßt dann auch weiter, dass es nur ein Versehen gewesen sei, vielleicht, weil "die Mitarbeiter oder wer auch immer den Unterschied nicht kannten". Er wirbt auch um Verständnis, weil er selbst auch nicht den Überblick, bei welchen Organisationen er welchen genauen Status habe.

"Wir haben in der Vergangenheit bei anderen über die Stränge geschlagen, die moralische Latte unglaublich hoch gehängt", findet Özdemir. "Wir werden ein bisschen anders reden in Zukunft. Ein Hase sollte den anderen nicht dran erinnern, dass er lange Ohren hat."

Als Lanz fragt, ob es nun doch noch eine Chance für Habeck gebe, Kanzlerkandidat zu werden, wird Özdemir deutlich. "Quatsch, das ist unsere Spitzenkandidatin."

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Der Publizist Michel Friedmann ist gespannt, wie die Grünen mit den Fehlern umgehen. bild: screenshot zdf

Der Moderator und Publizist Michel Friedmann sieht die Fehler der Grünen eigentlich nur als "Petitessen", aber sie könnten schnell zu einer Frage des Vertrauens werden. "Die Bewährungsfrage ist: Wie geht man mit solchen selbstverschuldeten Konflikten um?" Und grundsätzlich findet er:

"Sowas darf nicht passieren, wenn man Kanzlerinnenpartei sein will. Wie kann so viel Mist passieren, wenn man sich seit Monaten darauf vorbereitet, die große Nummer zu schieben?“

Michel Friedmann

Da sei es nur folgerichtig, "dass es Verwunderung bei der Bevölkerung gibt".

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Amira Mohamed Ali, Co-Vorsitzende der Linksfraktion. bild: screenshot zdf

Schon rein rechnerisch ist eine Rot-Rot-Grüne-Koalition bei der Bundestagswahl äußerst unwahrscheinlich. Doch Lanz hat ganz bewusst neben Özdemir auch die Co-Vorsitzende der Linksfraktion, Amira Mohamed Ali, eingeladen. Er will sie auf politische Gemeinsamkeiten abklopfen. Achtung Spoiler: Es gibt erstaunlich wenige.

Während Özdemir für einen distanzierten und disziplinierenden Umgang mit Russland ist ("Es kann keine Lieblingsdiktatur geben, es gibt keine guten Verbrecher."), zieht Mohamed Ali "diplomatische Beziehungen" vor. Und auch sonst hakt es zwischen den Grünen und den Roten: Während die Grünen auf die CO2-Steuer bestehen, hält Mohamed Ali "Verbrauchssteuern ein völlig falsches Instrument.“ Denn sie würde nur die Armen treffen. "Für diejenigen, die genug Geld haben, ist es kein Unterschied." Die Kosten etwa für Benzin erhöhen, ohne vorher den Nahverkehr auszubauen sei eine "unerträgliche Arroganz". An die Kompensation der Mehrkosten durch die Bundesregierung glaubt sie nicht. Mit dem Konzept des Energiegeldes, das die Grünen am Anfang eines jeden Jahres auszahlen wollen, um einen Teil der Mehrkosten zu kompensieren, ist sie offenbar nicht vertraut. Lanz fragt sie ganz konkret und tadelt dann: "Wenn man so einen raushaut und von ‚unerträglicher Arroganz‘ spricht, sollte man das genau wissen." Bis zum nächsten Lanz-Termin kann sie ja nochmal nacharbeiten.

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Anja Maier, Journalistin beim "Weser-Kurier", sieht keine Chance für ein Linksbündnis. bild: screenshot zdf

"Rot-Rot-Grün, daran glaubt mittlerweile keine beteiligte Partei mehr", weiß die Politik-Journalistin Anja Maier. Die Sendung hat sie darin noch deutlich bestärkt: "Das matcht nicht. Mit diesen Beteiligten funktioniert es nicht. Die Hälfte der Legislatur würde mit Streit vergehen."

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