Unterhaltung
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Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten. Bild: screenshot/ard

Infektiologin macht Prognose für Großveranstaltungen in 2020

Dirk Krampitz

Es sei "die zweite Woche in einem weitgehend gelähmten Land" führt Frank Plasberg in die Runde über Corona und die Folgen ein. Und wieder gibt es eine lange Ausgabe von "Hart aber fair"-Extra: "Das Virus befällt die Wirtschaft: Wie viel bleibt von unserem Wohlstand?" lautet der Titel der Sendung. Vor der Talkrunde führt eine Reportage von verschiedenen Betroffenen in ganz Deutschland ins Thema ein.

Die Krankenhausmitarbeiter, die im Baumarkt Materialien kaufen, um Schutzmasken fürs medizinische Personal zu basteln, weil es keine normale Schutzkleidung gibt. Die Café-Betreiber Selma und Gregory Kibar vertreiben ihre türkischen Süßigkeiten nun übers Internet.

Der Musiker Sebel hilft sich über die Zeit ohne Konzerte, indem er Aufnahmen seines Corona-Liedes von Musikern weltweit zu einer einzigen Version zusammen schneidet. Der werdende Vater Martin weiß im Krankenhaus Mettmann nicht, ob er wegen der Corona-Regeln bei der Geburt seiner Tochter dabei sein darf.

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Jasmina Schottke und ihr Vater Thomas schauen zum Hospiz-Fenster von Mutter/Ehefrau Bettina. bild: Screenshot ARD

Jasmina Schottke und ihr Vater Thomas dürfen hingegen ganz sicher nicht ihre sterbenskranke Mutter und Ehefrau im Hospiz besuchen. "Man hat nicht mehr viel Zeit, und jetzt kann man sie nicht mal miteinander verbringen", sagt die Tochter. Der Vater ruft seiner Frau übers Videotelefonat noch optimistisch zu: "Nicht traurig sein, auch Corona geht vorbei." Später, als sie vor dem Hospiz stehen, um die Frau und Mutter wenigstens am Fenster zu sehen, bricht er wegen der Situation in Tränen aus.

Heike Lüttge-Laxen hat auf ihrem Spargelhof das Problem, dass sie nur 60 polnische Arbeiter hat, 200 mehr bräuchte sie für die Ernte. Aber die Grenzen sind dicht. Insgesamt müssen in Deutschland in dieser Saison 300.000 Osteuropäer durch einheimische Arbeitskräfte ersetzt werden. Heike Lüttge-Laxen ist bei dem Gedanken nicht wohl. "Ob die bei der Stange bleiben?".

Da wirken die Sorgen von Abiturientin Sofie vom Cecilien-Gymnasium in Düsseldorf eher lapidar. Sie vergießt Tränen darüber, dass ihr Abitur wohl nicht zur großen Party wird. Aber sie findet auch die Verschiebung der Prüfungen um drei Wochen wenig sinnvoll: "Es wird ja noch viel schlimmer kommen und das ist genau dann, wenn wir schreiben."

Dann folgt die Talkrunde. Diesmal zu Gast:

Obwohl es ja laut Titel der Sendung um die Wirtschaft gehen soll, betont Hubertus Heil erstmal, dass er die "Gesundheit von Menschen in den absoluten Vordergrund stellen" will. "Wir müssen Zeit gewinnen, damit unser Gesundheitssystem das bewältigen kann." Und so habe die Bundesregierung auch diesen einzigartigen Rettungsschirm in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro gespannt.

"Wo war das ganze Geld versteckt?", fragt Frank Plasberg ironisch angesichts der plötzlichen Freigiebigkeit der Bundesregierung – schließlich hat es zuvor auch Lücken im Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem gegeben, die nicht gestopft wurden.

Die Bundesagentur für Arbeit habe 26 Milliarden Euro an Rücklagen – genau für solche Zwecke, sagt Heil. "Weil wir in besseren Zeiten vernünftig gehaushaltet haben."

Infektiologin macht Prognose für Großveranstaltungen: Kein Fußball, keine Konzerte mehr in 2020

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Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten, sieht schwarz für Konzerte und Fußballspiele in 2020. bild: screenshot ard

Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten der Lunge am Universitätsklinikum Gießen stellt fest: "Unsere Aufgabe ist jetzt, Menschenleben zu retten."

"Wir wissen auch nicht, wie es ausgehen wird. Auch für uns ist es seine Art Experiment."

Susanne Herold

In der Sendung ist sie die Einzige, die ziemlich konkrete zeitliche Ansagen macht. Ihre Einschätzung: "Ich denke mal, dass wir dieses Jahr nicht mehr mit Großveranstaltungen rechnen können."

Für Fußballspiele, Konzerte, "alles, was Vergnügen macht", stünde es ziemlich schlecht. "Das Virus breitet sich dort gut aus und macht Kontaktverfolgung schlecht möglich."

Eine Kontaktverfolgung ist insbesondere dann wichtig, wenn lokal aufgetretene Infektionsketten wieder unterbrochen werden sollen. So ging beispielsweise Bayern bei den ersten Corona-Fällen in Deutschland vor, als Mitarbeiter derselben Firma erkrankten. Entsprechende Kontaktpersonen der Infizierten wurden isoliert. Das Virus kann sich dann nicht weiter ausbreiten. Wenn einmal zu viele Menschen infiziert sind, kann die Kontaktverfolgung nicht mehr gewährleistet werden. So ergab sich das exponentielle Wachstum, das wir in Deutschland zuletzt erlebten.

Zuversichtliche Unternehmerin

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Bus-Unternehmerin Bettina Sieckendiek macht sich wenig Sorgen. bild: screenshot ard

Die Bus-Unternehmerin Bettina Sieckendiek war zuletzt öfter im Fernsehen zu sehen. Sie hat viele ihrer Busse abgemeldet, um Kosten zu sparen. Bei "Hart aber fair" ist sie erstaunlich zuversichtlich: "Ich glaube, wenn wir diesen Virus im Griff haben, werden die Menschen auch wieder gerne Reisen unternehmen und in Restaurants gehen." Große Sorgen um ihr Familien-Unternehmen macht sie sich nicht. "Vielleicht werden wir kleiner, das weiß ich nicht, aber wir wollen weiter machen und das werden wir auch."

Auch Mutter-Kind-Café-Betreiberin Victoria da Cruz blickt erstaunlich positiv trotz Krise in die Zukunft: Die Aprilmiete konnte sie in den ersten März-Tagen noch erwirtschaften, für die Mai-Miete haben ihre Gäste gesammelt. Sie geht nun im Supermarkt Regale einräumen, bis sie wiedereröffnen darf. "Ohne diese Krise hätte ich nicht erfahren, wie viele Leute hinter mir stehen."

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Wirtschaftspsychologin Eva Schule-Austum. bild: screenshot ard

Menschlicher Zusammenhalt ist auch das Thema der Wirtschaftspsychologin Eva Schule-Austum. Sie gibt in der Sendung allerdings eher Allgemeinsätze von sich: "Solidarisch zusammenstehen" wäre wichtig. Nicht umsonst würde man sagen: "Geteiltes Leid ist halbes Leid." Und: anderen Menschen helfen "gibt Sicherheit und macht glücklicher".

Ihr Rat an die Politik: Nur Dinge versprechen, die sie wirklich halten kann. Sie hat am Wochenende übers Internet eine Party gefeiert – jeder Teilnehmer bei sich zu Hause, verbunden übers Internet. Das habe den Zusammenhalt gefördert.

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Beraterin Dagmar Schulz berichtet von den Problemen der Unternehmen. bild: screenshot ard

Mit warmen Worten ist es aber nicht getan. Das weiß die Unternehmensberaterin Dagmar Schulz leider ganz genau. Sie berichtet von Klienten, die zur Bank gehen, um mit der 90-Prozentigen-Bundesbürgschaft einen Überbrückungskredit zu beantragen. Doch diese Sicherheit reicht den Banken nicht. Ganz im Gegenteil, bei dieser Gelegenheit kündigten sie laufende Kredite.

Ob es nach der Bankenrettung jetzt nicht einmal an der Reihe wäre, dass die Banken die Menschen retten, fragt Moderator Plasberg. "Gibt sone und solche unter den Banken", sagt Minister Heil, so sage man das in seiner Heimat Niedersachsen. Und das gelte auch für Firmen. Dass Adidas und andere Unternehmen "aus meiner Sicht missbräuchlich" angekündigt haben, wegen des Corona-Kündigungsschutzes erst einmal ihre die Mietzahlungen auszusetzen, erzürnt ihn.

"Das Gesetz ist gemacht für die Menschen, die wirklich in Zahlungsschwierigkeiten sind." Adidas hat in 2019 jedoch zwei Milliarden Euro Gewinn gemacht. "Ich bin stinksauer", sagt der Minister.

"Das wird die Gerichte beschäftigen. Das wird die Justizministerin zu klären haben."

Hubertus Heil

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