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Stephan Pusch ist Landrat in Heinsberg. Die Region gilt als das deutsche Epizentrum. Bild: screenshot/ard

Landrat ruft China um Hilfe – Plasberg stellt bedrückende Frage

robin schmidt

Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff – und sorgt nicht nur in der Bevölkerung für einschneidende Veränderungen. Bei "Hart aber fair" halten die Gäste den mindestens 1,5 Meter erforderlichen Sicherheitsabstand ein, natürlich sind keine Gäste im Studio und die Talk-Runde legt erneut früher als üblich los.

"Ich möchte es nicht erleben, dass wir die Alten, die unser ganzes Land aufgebaut haben, als Ballast ansehen. In so einer Gesellschaft möchte ich nicht leben", sagt Landrat Stephan Pusch (CDU) vom besonders betroffenen Landkreis Heinsberg zum Thema Solidarität und mögliche Ausgangsbeschränkungen nur für Risikogruppen. Es bleibt nicht die einzige Klartext-Ansage des redseligen Politikers an diesem Abend.

"Hart aber fair" zeigt Reportage: Schicksal eines Ehepaars macht betroffen

Doch zunächst leitet Frank Plasberg wie in der Woche zuvor die Sendung ab 20:15 Uhr mit einer halbstündigen Reportage ein. Darin wird die dramatische Situation von einem Paar, das einen Gastronomiebetrieb leitet, ebenso beleuchtet wie die eines Obdachlosen oder eines Bestattungsunternehmens.

Ausgesprochen betroffen macht die Lage eines betagten Ehepaares. Die Frau lebt mit Parkinson im Heim und erkennt nur noch ihren Mann. Der darf sie wegen zu großer Infektionsgefahr nun nicht mehr besuchen. Er muss sich entscheiden, ob er zu ihr zieht oder riskiert, dass sie ihn nie wiedererkennt. Der Rentner wählt die erste Variante: "Wir sind 55 Jahre verheiratet, es war ein gutes Leben."

Endzeitstimmung ist im Studio noch nicht angekommen, auch wenn die körperlich anwesende Runde dezimiert ist. Vor Ort diskutieren:

Die von der Bundesregierung verhängten Kontaktverbote werfen Fragen nach dem Sinn der Maßnahme auf. Virologe Hendrik Streeck von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn verteidigt den Plan: "Erst mit dem Hammer draufhauen, danach wird versucht, mit dem, was man erreicht hat, die Pandemie zu kontrollieren." Für den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirchen Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm, kann das aber keine Dauerlösung sein. Er erkennt:

"Die Zeichen der Liebe, etwa Umarmungen oder Küsse, sind zum Feind der Liebe geworden."

Bewegende Botschaft an chinesische Regierung

Eine Feindschaft mit den USA will Stephan Pusch zwar nicht lostreten, ledert aber trotzdem gegen das Land: "America First ist eine Sache, die mir richtig stinkt", sagt er im Hinblick auf Trumps bekanntgewordenen Impfstoff-Alleingang. Man müsse "gemeinsam mit anderen Ländern kämpfen".

Einen Hilfeschrei hat Pusch in Form eines Briefes an Chinas Regierung verfasst. Die dringliche Bitte: genügend Schutzausrüstung nach Deutschland zu schicken. Die Antwort der Chinesen lautete: Man werde diese auf den Weg bringen.

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Das Anschreiben an China. Bild: screenshot/ard

Plasberg wirft eine dazu berechtigte Frage an die Gesundheitsministerin von Rheinland-Pfalz ein: "Hätten Sie sich träumen lassen, dass in einem so reichen Land wie Deutschland eine Knappheit an Schutzmaterial herrscht und Bettelbriefe nach China geschickt werden müssen?"

Gesundheitsminister über die Dimensionen

Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die wegen eines Kontaktes zu einer Corona-infizierten Person nicht im Studio sein kann, darauf: "Bund und Länder waren auf diese große Dimension nicht vorbereitet."

Früher war alles besser

Virologe Streeck zeigt sich verwundert. So habe man immer wieder darauf hingewiesen, dass Pandemien kommen werden: "In den 90er-Jahren war man besser vorbereitet als heute."

Was auf die Krankenhäuser hierzulande zukommen dürfte, mag sich Krankenschwester Stefanie Büll noch gar nicht vorstellen:

"Ich möchte nicht in der Haut eines Arztes stecken, der entscheidet, welcher Patient eine Behandlung bekommt und welcher nicht. Das macht mir Angst."

Gedankenspiele für die Zukunft

Sobald die Krise einmal überstanden ist, müsse besonders in der Medizin und Pflege alles auf den Prüfstand gestellt werden, so Pusch. Der Landrat legt den Finger erneut in die Wunde: "Eine Schwachstelle in unserer Wirtschaft ist, dass alles nur auf just in time ausgerichtet ist. Das zukünftige Thema lautet Resilienz." Man müsse überlegen, welche Dinge man im eigenen Land produzieren kann.

Für die einfachste Antwort des Abends sorgt übrigens ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam. Ein Zuschauer will wissen, wie Deutschland mit einer Kanzlerin in Quarantäne regiert werden kann. Darauf Bräutigam: "Dann muss eben der Vizekanzler relativ viel übernehmen."

Hier könnt ihr lesen, was passiert, wenn auch der Vizekanzler ausfallen sollte.

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