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Sterne-Koch Nelson Müller hatte vor vier Wochen Corona. bild: screenshot ard

Bei "Maischberger" – Nelson Müller über Corona und Palmer: "Ich war echt betroffen"

dirk krampitz

Die Sendung von Sandra Maischberger wartete diesmal, wenn auch nur per Video zugeschaltet, mit einem besonderen Prominenten-Sohn auf. Zudem ging es um aktuelle Themen der Woche wie Boris Palmers Rassismus-Provokation, die Infektionslage in Deutschland und die Corona-Katastrophe in Indien. Und eben um etwas Persönliches wie die Geschichte des US-Präsidenten-Sohns Hunter Biden, der ein Buch über sein Leben als Süchtiger geschrieben hat. Die Gäste sind:

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Maischbergers Kommentatoren Susanne Gaschke, Nicole Diekmann und Nelson Müller (v. li.) bild: screenshot ard

Den Anfang macht wie immer Maischbergers Kommentatoren-Gespann. Neben Journalisten lädt die Redaktion auch oft einen Promi ein. Diesmal ist es Sternekoch Nelson Müller.

Dass aufgrund der sinkenden Inzidenzen Gastronomieeröffnungen in Aussicht stehen "stimmt einen hoffnungsvoll", gibt der Sternekoch gut gelaunt zu. Allerdings wünscht er sich Öffnungsszenarien nicht nur für den Außenbereich, auch weil er es ungerecht findet. "Bus, Flugzeug, Supermarkt: Überall darf ich sitzen, aber nicht im Restaurant – das ist für mich nicht stimmig."

Müller war selbst an Corona erkrankt. Infiziert habe er sich vermutlich zeitgleich mit seiner Impfung, die er als Asthmatiker bereits bekommen hat. “Ich habe die Symptome erst auf die Impfung geschoben.“ Erst bei einem Test, den er eher zufällig gemacht habe, habe er es gemerkt. Wo er sich angesteckt hat, wisse er nicht. Er sei seit vier Wochen genesen. Aus erster Hand kann er nun berichten über die Betreuung durch das Gesundheitsamt:

"Mich hat niemand angerufen, das hat nicht funktioniert. Und ich warte auch schon seit zwei Wochen auf den Brief, dass ich genesen bin."

Nelson Müller

"Die Welt"-Autorin Susanne Gaschke freut sich über die sinkenden Infektions-Zahlen, wünscht sich aber auch, dass die Fehler der Politik aufgearbeitet werden. "Ganz viele Leute über 80, die im Januar und Februar gestorben sind, hätten nicht sterben müssen, wenn wir, wie England, im Dezember geimpft hätten." Ihr Eindruck außerdem: Die dritte Welle sei aber schon vor der Notbremse gebrochen gewesen. Sie wünscht sich: "Jetzt zu öffnen, was zu öffnen geht. Wir brauchen eine aktive Strategie für die Gesellschaft. Das Mittel des Angstmachens und Furchteinflößens hat nun seine Wirkung verloren." Trotz Öffnungswünsche ist es ihr aber auch genauso wichtig, dass im Nachgang der Pandemie Krisen- und Katastrophenhilfe sowie das Gesundheitswesen gestärkt werden, um beim nächsten Mal besser vorbereitet zu sein.

Das zweite große Thema der Kommentatoren ist Boris Palmer und sein rassistischer Facebook-Post zu Dennis Aogo. "Bei Boris Palmer geht es darum zu provozieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Ich verstehe die Empörung der meisten dann schon und finde auch gut, dass es Empörung gibt“, sagt Nelson Müller.

Er hat im April 2019 mit Palmer ähnliche Erfahrungen gemacht, als die Deutsche Bahn mit Müller in einer Reihe mit Fotos anderer nicht-weißer Reisender geworben hat. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragte Palmer auf Facebook – und erntete heftige Kritik. "Da hat er sich in ähnlicher Art geäußert, ich war echt betroffen", sagt Müller und wirkt noch immer angefasst, wenn er sagt: "Ich bin so oft über die Schwäbische Alb gelaufen wie der. Ich bin Deutscher.“ Und er habe sich als Kind gefreut, wenn er mal eine "diverse" Gesellschaft gesehen habe. Müller ist aber nicht auf Krawall gebürstet, für Boris Palmer als Oberbürgermeister von Tübingen hat er eher einen Gedankenanstoß: "Es ist die Frage, ob man spalten muss oder nicht eine gesellschaftliche Verantwortung hat und die Menschen verbinden soll."

Susanne Gaschke schlägt scherzhaft vor, Palmer das Twittern zu verbieten oder das Smartphone wegzunehmen. Sein Verhalten in den sozialen Medien kritisiert sie. Aber sonst sei er wichtig als eine Stimme der Grünen.

"Er ist immer jemand gewesen, der für die Grünen heikle Themen angesprochen hat. Ohne ihn verengt sich das, was innerhalb der Partei gesagt werden darf, ganz doll."

Susanne Gaschke

Dass die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sofort das Parteiausschlussverfahren ins Spiel gebracht hat, findet sie "unsouverän". "Damit tun sich die Grünen damit keinen Gefallen."

ZDF-Hauptstadtkorrespondein Nicole Diekmann hat Erfahrungen mit Shitstorms und ein Buch darüber geschrieben. Sie analysiert: "Natürlich hat Palmer Lust an der Provokation. Wir leben in einer Mediendemokratie, die sich immer mehr auf Köpfe konzentriert, da ist es auch für einen Politiker nicht verkehrt, sich als Marke zu platzieren." Sie vermutet, Palmer habe sich mitreißen lassen mit dem oft sehr rauen Ton in den Sozialen Medien. Denn kontroverse Posts würden durch die Algorithmen bevorzugt: "Man erfährt mehr Zustimmung für negative Emotionen schürende Bespiele.“ Den Beweis tritt sie selbst unbeabsichtigt an. Sie nutzt bei Maischberger konsequent die Gendergap, was die Zuschauer auf diesem Sendeplatz nicht gewohnt sind.

Das blieb der Journalistin nach der Sendung nicht verborgen und so meldet sie sich nochmal selbst zu Wort.

Die große Corona-Entspannung

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Infektiologe Leif Erik Sander macht Hoffnung für den Sommer. bild: screenshot ard

Als nächstes widmet sich Maischberger der Coronalage: 33 Prozent der Deutschen sind geimpft, die Infektionszahlen sinken. "Das ist noch nicht der Impfeffekt, sondern die Maßnahmen und die Leute, die sich verantwortlich verhalten", sagt der Infektiologe Leif Erik Sander. Eine Herdenimmunität gebe es ab 70 bis 80 Prozent Impfquote, aber schon ab 50 Prozent werde man im Sommer einen deutlichen Effekt sehen. "Deshalb hoffe ich, dass wir im Sommer aus dem Gröbsten raus sind." Und das könne sich auch in Lockerungen niederschlagen.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnt vor nationalem Egoismus. bild: screenshot ard

Nach dem Optimismus des Infektiologen mahnt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU):

"Die Welle ist nicht nicht durch, wir sind mit voller Wucht in der Welt getroffen. Wir besiegen die Pandemie nur, wenn wir sie weltweit besiegen. Es genügt nicht, wenn wir nur Deutschland oder Europa impfen, sonst kommt das Virus morgen mit einem Flugzeug oder Container zurück."

Gerd Müller

Und so appelliert er an die EU, die viermal so viel Impfstoff bestellt hat, wie sie braucht, ihn weiterzugeben an die Länder, die zu wenig oder sogar nichts haben. Das sind weltweit immerhin auch noch 30: "Impfstoff ist ein globales Gut. Brüssel ist in dieser Pandemie in vielfacher Hinsicht eine Enttäuschung – man denkt nur an sich, man denkt nicht außerhalb der EU, es wäre eine humanitäre Aufgabe." Deutschland helfe übrigens schon seit einem Jahr in Indien mit Lieferungen. "Das ist nur in der Öffentlichkeit nicht bekannt.“

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Hunter Biden, Sohn des US-Präsidenten, hat ein Buch über seine Drogensucht geschrieben. Bild: screenshot ard

Das Thema drängt sich aus Aktualitätsgründen nicht wirklich auf. Aber es wird auch nie unaktuell. Und so hat sich die Redaktion wahrscheinlich gedacht: Warum eigentlich kein Interview mit Hunter Biden, dem Sohn von US-Präsidenten Joe Biden, der ein Buch über seine Drogenkarriere geschrieben hat.

Mit acht Jahren trank er zum ersten Mal Alkohol: Champagner auf einer Wahlparty seines Vaters. "Ich glaube, ich hielt es für Sprudel“. Das war seine erste Begegnung mit dem Alkohol, der für ihn zur Sucht wurde. "Ich hatte eine ziemlich toxische Beziehung zum Alkohol. Das Einzige, was diesen Teufelskreis durchbrechen kann, ist Liebe."

US-Präsident Joe Biden ruft seinen Sohn jeden Abend an. "Er macht das mehr für sich selbst als für mich", sagt er. "Eigentlich ist es ein egoistischer Akt der Liebe von seiner Seite – aber wenn er nicht anrufen würde, würde ich ihn anrufen", gibt der Sohn zu. "Ich bin ihm sehr dankbar dafür."

Mit knapp drei Jahren war er beim Autounfall dabei, bei dem seine Mutter und seine Schwester starben. später studierte er Jura an der Elite-Uni Yale, wurde Professor, als sein Bruder 2015 an einem Gehirntumor starb, probierte er Crack. "Crack hat mich wirklich in einen Niedergang geführt, wie ich ihn mir nicht vorstellen konnte." Im März 2019 wollte ihn Joe Biden zusammen mit Hunters drei Kindern und zwei Therapeuten zum Entzug überreden. "Da bin ich abgehauen, bin weggelaufen vor der Liebe. Ich habe das getan, was Süchtige tun, es ist keine bewusste Entscheidung." Aber seine Familie hat nicht aufgegeben und mittlerweile ist er clean.

Im Präsidentschaftswahlkampf hat Donald Trump Bidens Sucht und seinen Aufsichtsratsposten bei einem Ukrainischen Konzern genutzt, um Joe Biden zu diskreditieren. Doch Hunter Biden wehrt sich gegen alle Vorwürfe von Mauscheleien. Er betont, er habe schon zuvor in vielen Aufsichtsräten gesessen und alle Vorwürfe von Trump seien haltlos. "Nichts kann einen Keil zwischen mich und meinen Vater treiben." Ob er trocken bleibt, oder Angst vor einem Rückfall hat, will Maischberger zum Ende des Gesprächs wissen. Seine gedrechselte Antwort:

"Ich wachte auf mit der gesunden Angst, wie jeder Süchtige. Aber ich lebe nicht in Angst.“

Hunter Biden

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