SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist auch mit der Notbremse allein nicht zufrieden.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist auch mit der Notbremse allein nicht zufrieden.
bild: screenshot ard

Lauterbach bei "Maischberger": "Notbremse wird wahrscheinlich nicht ausreichen"

15.04.2021, 10:2215.04.2021, 10:21
dirk krampitz

Eigentlich sollte Markus Söder bei Sandra Maischberger zu Gast sein. Doch am Morgen hat der bayerische Ministerpräsident sein Kommen abgesagt. Die Kanzlerkandidaten-Frage der Union ist offen. CDU-Chef Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder wollen beide.

Das andere große Thema der Woche: Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Wegen steigender Corona-Zahlen plant die Bundesregierung bundeseinheitliche Maßnahmen zur Eindämmung der dritten Infektionswelle und will die "Notbremse" gesetzlich verankern. Unter anderem sollen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 nächtliche Ausgangssperren gelten. Sandra Maischberger diskutiert mit folgenden Gästen:

  • Dorothee Bär, stellv. Parteivorsitzende der CSU
  • Serap Güler, Mitglied des CDU-Bundesvorstands
  • Prof. Dr. Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker
  • Dr. Lisa Federle, Ärztin und Tübingens Pandemie-Beauftragte
  • Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin
  • Cerstin Gammelin, stellv. Leiterin "SZ"-Hauptstadtbüro
  • Wolfram Weimer, Herausgeber "The European"
Dorothee Bär findet die Situation in der Union nicht chaotisch.
Dorothee Bär findet die Situation in der Union nicht chaotisch.
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Die beiden Unions-Parteien haben je eine Frau der jungen Garde geschickt, die für ihren Vorsitzenden in den Ring steigen. "Ich empfind's gar nicht als so chaotisch", sagt Dorothee Bär, stellvertretende Parteivorsitzende der CSU über die momentane Situation. Söder und Laschet seien eben "zwei, die wollen". Und das Feedback aus den Umfragen, die deutlich für Markus Söder sprechen, "kann man nicht ignorieren bei einer so schicksalhaften, wichtigen Wahl". Söder, der am Sonntag noch gesagt hat, dass er sich zurückziehen werde, wenn Laschet die Partei-Mehrheit hinter sich versammle, tut genau das nicht, nachdem sich das CDU-Präsidium für Laschet ausgesprochen hat. Ein Wortbruch? "Überhaupt nicht", findet Bär.

Im Studio folgt eine Diskussion darüber, was denn nun die Mehrheit ist, die Söder gemeint hat. Das Präsidium, die Abgeordneten oder gar die Mitglieder? Bär findet eigentlich auch eine Mitgliederbefragung gut, aber die Entscheidung sollte noch in dieser Woche fallen. Und wenn Armin Laschet freiwillig verzichte, sehe sie da auch kein Problem für ihn. "Wo soll denn da die Beschädigung sein?"

Als Zuschauer ahnt man: Mit diesem Auftritt hat sich Dorothee Bär für den Schauspielpreis des Abends qualifiziert. Ganz deutlich wird das, als Serap Güler ihre Sicht schildert.

Serap Güler empfindet Markus Söders Verhalten als "Affront".
Serap Güler empfindet Markus Söders Verhalten als "Affront".
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Die Politikerin ist Mitglied des CDU-Bundesvorstands, der sich für Armin Laschet ausgesprochen hat. "Ich war nach den Worten am Sonntag sehr überrascht“, bekennt sie. Sie empfindet Söders Verhalten, das CDU-Präsidium als wenig repräsentatives "Hinterzimmer" abzutun, als "Affront". "61 Personen sitzen im Bundesvorstand." Und ein Verzicht von Armin Laschet hätte ihrer Meinung nach schlimme Folgen:

"Es wäre nicht nur ein Schaden für Armin Laschet, es wäre auch ein Schaden für die gesamte CDU. Jeder Tag, den diese Debatte weitergeführt wird, ist ein Schaden für die Union."
Serap Güler

Es ist ein seltsam ergebnisloses Gespräch. Die Positionen haben sich noch nicht einmal in Nuancen verändert seit Montag. Am Ende resümiert Maischberger: "Es stehen sich zwei gegenüber, ohne dass ich verstanden habe, wie die Entscheidung getroffen werden kann."

Maischbergers Kommentatoren: Cerstin Gammelin, Wolfram Weimer und Anja Kohl (von links).
Maischbergers Kommentatoren: Cerstin Gammelin, Wolfram Weimer und Anja Kohl (von links).
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Auch Maischbergers Kommentatoren widmen sich dem Kandidatenduell in der Union: Für SZ-Journalistin Cerstin Gammelin ist es "ein völlig überdrehter Machtkampf zwischen Herrn Laschet und Herrn Söder". Das Problem sieht sie vor allem bei Markus Söder und seinem Verhältnis zur greifbaren Kanzlerkandidatur:

"Sobald ein Hund eine Wurst in Seh- und Reichweite hat, kann er nicht mehr anders als zuzuschnappen."
Cerstin Gammelin

Bei ihm sei sie sich nie sicher: "Geht es ihm um die Sache, oder macht er nur Politik?" Laschet sei kompromissfähiger. "Er ist auf jeden Fall der bessere Repräsentant für Deutschland."

ARD-Börsenexpertin Anja Kohl würde sich mehr Inhalte wünschen. "Ich sehe nur Eitelkeiten, wo ich denke, wofür stehen sie eigentlich? Ich glaube, die Leute haben genug von solchen Eitelkeiten und auch Übermännlichkeit."

"The European"-Herausgeber Wolfram Weimer glaubt: "Wahrscheinlich braucht die Union auch beide, sie braucht den Schäferhund und den Leitwolf." Laschet, der die Herde zusammenhält und Söder, der sie anführt? Weimer rechnet am Freitag oder Samstag mit einer Entscheidung. Wenn Laschet allerdings zurückzieht "wäre er demontiert und würde wohl auch irgendwann NRW verlieren".

Karl Lauterbach, Lisa Federle und Sandra Maischberger (von links).
Karl Lauterbach, Lisa Federle und Sandra Maischberger (von links).
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Zweites Thema des Abends ist Corona. Tübingens Pandemie-Beauftragte Lisa Federle und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach diskutieren. Karl Lauterbach ist gar nicht begeistert vom Tübinger Modell-Versuch mit u.a. der Öffnung der Außengastronomie für Getestete, weil das im Gegensatz zu Nebenbei-Tests bei der Arbeit für weitere Kontakte sorgt. Außerdem hat hat in dieser Woche auch der Virologe Chrisian Drosten darauf hingewiesen, dass man schon zwei Tage ansteckend infiziert sein kann und der Schnelltest noch nicht ausschlägt. Somit dürfe ein negativer Test keine falsche Sicherheit vermitteln in dieser angespannten Lage. "Wenn wir noch zwei, drei Wochen weitermachen, das kriegen wir nicht gebremst. Jetzt über Öffnungen und Modellprojekte zu reden, ist eine völlig abwegige Luxusdebatte", findet Lauterbach.

Dr. Lisa Federle, Ärztin und Tübingens Pandemie-Beauftragte sieht ihren Modellversuch "ganz sicher nicht gescheitert", auch wenn die Zahlen steigen. Die Stadt Tübingen liege mit einer Inzidenz von 80 weit unter Landesschnitt. "Der Zwischenbericht sagt, das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Zahlen eher sinken." Es sei ihr auch lieber, wenn die Leute "getestet in der Außengastronomie sitzen als ohne Test irgendwo“. Man solle doch jetzt nicht ein Projekt blocken, das wissenschaftlich begleitet wird. Sie sei "Praktikerin" und die Kinder- und Jugendpsychiatrie "gefüllt wie nie zuvor. Kein Patz mehr frei". Und das sei erst die Spitze des Eisbergs.

"Ich sehe die Menschen, die teilweise verzweifeln – wir müssen einen Mittelweg finden."
Lisa Federle

Lisa Federle kommt aus der Praxis, Karl Lauterbach ist Wissenschaftler durch und durch. Da prallen Welten aufeinander.

"Der Mittelweg ist schon oft das Verhängnis gewesen, mit dem Mittelweg kommen wir nicht weiter", findet er. Man könne nur linear impfen, die Infektionen könnten aber exponentiell anwachsen.

Nun ist es bei Lauterbach nichts Neues, dass er warnt. Aber leider hatte er auch oft recht. Seine düstere Prognose diesmal: "Die Notbremse wird wahrscheinlich nicht ausreichen." Die Schulen müssten nach seiner Einschätzung trotz Wechselunterricht und Testungen bald wieder schließen. "Wir sind tatsächlich vor einer massiven dritten Welle." Die Uniklinik Köln praktiziere bereits jetzt die "weiche Triage", nehme manche Fälle schon gar nicht mehr auf oder verschiebe Operationen, die eigentlich jetzt angeraten wären. Die umstrittene nächtliche Ausgangssperre sei "auch ein Mittel, um gefährliche Innenraumkontakte zu vermeiden". Also überhaupt vermeiden, dass Leute sich Besuchen oder nach einem treffen draußen in Wohnungen weiter Zeit verbringen. Laut einer Oxford-Studie in 117 Regionen senke die Ausgangssperre den R-Wert um 12-20 Prozent (Durchschnitt 15 Prozent). Und was die von Aerosolforschern öffentlich gemachte niedrige Ansteckungswahrscheinlichkeit draußen angehe: "Es gibt ja nicht nur die Aerosole, sondern auch die Tröpfchenübertragung." Und die sei draußen gut möglich.

Aber zum Schluss hat Karl Lauterbach auch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Das Asthmaspray Budesonid scheint schwere Covid-Verläufe zu verhindern, das müsse aber noch mal genau überprüft werden.

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