SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, dass es keine Alternative gibt.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, dass es keine Alternative gibt.
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Laschet bekommt Wutrede von Maischberger ab: "Entschuldigung, ich rege mich gleich wieder ab"

18.03.2021, 12:4918.03.2021, 14:29
dirk Krampitz

Die CDU steckt in der Krise, Deutschland in der Pandemie. Ihre Maskenaffäre hat die CDU Stimmen bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gekostet, das Impfgeholper auch. Sandra Maischberger diskutiert die Themen der Woche und die Lage im Allgemeinen mit folgenden Gästen:

  • Armin Laschet, CDU-Parteivorsitzender und NRW-Ministerpräsident
  • Ilkay Gündoğan, Deutscher Nationalspieler, spielt bei Manchester City
  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte, Epidemiologe
  • Ulrich Wickert, Ex-"Tagesthemen"-Moderator, Autor
  • Alexandra Föderl-Schmid, Stellvertretende Chefredakteurin "Süddeutsche Zeitung"
  • Kritistina Dunz, Hauptstadtkorrespondentin "Redaktionsnetzwerk Deutschland"

Laschet: "Das ist in jeder Hinsicht schiefgelaufen"

CDU-Parteischef Armin Laschet gibt manche Fehler zu.
CDU-Parteischef Armin Laschet gibt manche Fehler zu.
bild: screenshot ard

Nachdem Armin Laschet erst die Verluste bei den Landtagswahlen routiniert kleingeredet hat, gibt er dann doch noch zu. "Natürlich ist im Moment niemand zufrieden."

Kein Wunder. Die CDU hat schwer zu knabbern an der Maskenaffäre und dem schlechten Corona-Management: "Da ist vieles nicht optimal gelaufen." Seinen strategischen Polit-Partner, Jens Spahn, nimmt er trotz zuletzt immer stärker werdender Kritik in Schutz: "Der Gesundheitsminister hat den schwersten Job überhaupt." Das mag zwar so sein. Aber auch schwere Aufgaben kann man gut oder schlecht erledigen. Und Spahn hatte viele Misserfolge zu verkünden. Zuletzt trat er am Montag vor die Presse und gab bekannt, dass Deutschland nach einigen Zwischenfällen das Impfen mit Astrazeneca aussetzt. Da hatten andere EU-Länder das schon längst entschieden.

Diese Entscheidung findet Laschet alternativlos, das Paul-Ehrlich-Institut habe es so empfohlen. "Da kann Politik gar nicht anders, als der Wissenschaft zu folgen." Jeder künftige Tote wäre ansonsten Jens Spahn anzurechnen gewesen. Schuldlos ist Spahn hingegen am Impfdilemma, wenn es nach Laschet geht. "Wer zu spät bestellt hat, war die Europäische Kommission und nicht Jens Spahn." Aber er gibt auch unumwunden zu: "Is so – das ist in jeder Hinsicht schiefgelaufen."

Den generellen Impf-Frust hatte Olaf Scholz, Laschets SPD-Konkurrent im Rennen um die Kanzlerschaft, versucht, in Hoffnung und somit Wählerstimmen umzumünzen, als er – sehr hoch gepokert – von bald 10 Millionen Impfungen im Monat sprach. Laschet watscht Scholz ab: "Jeder Minister sollte bei seinem Ressort bleiben. Der Finanzmister hat genug mit Finanzaufsicht und Wirecard zu tun." Man merkt: Der Wahlkampf hat längst begonnen. Das merkt man auch, wenn Laschet Dinge kritisiert, die er und die CDU nach 16 Jahren Regierungsverantwortung entschieden mitzuverantworten haben.

"Wir haben eine gigantische Impfbürokratie, die viel zu kompliziert ist, weil wir allen gerecht werden wollen." Als Maischberger den Kölner Impfarzt Jürgen Zastrow erwähnt, der unbürokratisch Vakzim-Reste spritzt, um sie nicht wegwerfen zu müssen und dazu noch mehr Dosen als eigentlich gedacht aus einer Ampulle zieht, lobt Armin Laschet dieses Vorgehen. "Pragmatisch machen, nicht immer rückfragen. Er kann das im Zweifel besser beurteilen als ein Beamter.“

Für die Stadt Duisburg gilt diese Eigeninitiative allerdings nicht. Dort wollte der SPD-Oberbürgermeister Sören Link aufgrund der Zahlen und Lage Kitas wieder schließen. Landeschef Laschet grätschte ihm rein. Er klingt beleidigt, wenn er sagt, dass nicht "jeder Oberbürgermeister" sein eigenes Süppchen kochen könne. Laschets offizielle Begründung für seine Intervention ist: "Weil da die Abwägung erforderlich ist", da gehe es auch um Kindeswohlgefährdung. Und es sei auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit. "Es geht nicht, dass man bei Schule und Kita beginnt und alles andere offen bleibt."

Maischberger mit Wutrede in Richtung Laschet

Sandra Maischberger gehen die Nerven durch im Gespräch mit Laschet.
Sandra Maischberger gehen die Nerven durch im Gespräch mit Laschet.
bild: screenshot ard

Beim Thema Schule und Pandemie gehen der routinierten Talkerin Sandra Maischberger die Nerven durch.

Als Laschet darauf verweist, dass man sich darauf verständigt hatte und dass auch der Bundespräsident dafür war, Schulen und Kitas als erste zu öffnen, unterbricht sie Laschet: "Mit guten Konzepten! Das muss ich jetzt mal als Mutter sagen: mit guten Konzepten!"

Bei Maischbergers dann folgender Wutrede kann Laschet nur noch verdutzt dreinschauen:

"Es gibt keinen richtigen Wechselunterricht, weil die Lehrer überhaupt gar nicht zahlreich genug sind, um das zu machen. Es gibt keine Teststrategien an den Schulen. Es gibt keine richtigen Online-Formate, die garantieren, dass Kinder in der Schule und zu Hause gemeinsam, gleichzeitig oder hintereinander unterrichtet werden.
Bei Maischbergers Wutrede konnte Laschet nur staunen.
Bei Maischbergers Wutrede konnte Laschet nur staunen.
zdf

Sie schimpft in Richtung Laschet, beendet ihre Auflistung im Stakkato: "Es. Funktioniert. Einfach. Nicht." Dann fängt sie sich wieder und murmelt: "Entschuldigung, ich rege mich gleich wieder ab."

Maischberger kritisiert, dass Städte wie Dortmund und Düren nun auch noch gegen die Landesregierung aufbegehrten und die Schulen wieder schließen wollten. Laschet spricht im Anschluss davon, dass er sich für ein geordnetes Verfahren einsetze. Es gehe nicht, dass der OB in Dortmund bei einer 72er-Inzidenz alles offen lassen wolle außer die Schulen. Auf Maischbergers vorherige Punkte geht er dabei nicht ein, die Debatte geht stattdessen weiter.

Gündoğan kann sich EM "nicht vorstellen"

Fußballprofi Ilkay Gündoğan war an Corona erkrankt.
Fußballprofi Ilkay Gündoğan war an Corona erkrankt.
bild: screenshot ard

Fußballnationalspieler Ilkay Gündoğan ist aus Manchester zugeschaltet, wo er seit 2016 spielt. Im September war er an Corona erkrankt. "Ich habe mich so schlecht gefühlt wie vorher noch nie. Für mich war es ein Schock, weil ich es nicht erwartet hatte." Er ist wieder vollständig gesundet, wurde sogar zweimal hintereinander zum Spieler des Monats gewählt.

"Zu Corona sehe ich ehrlicherweise keinen Zusammenhang mit meiner Leistung."
Ilkay Gündoğan

Seine Wahlheimat England will bis Ende Juni wieder zurück ins normale Leben finden. In Deutschland und vielen anderen EU-Ländern ist das noch fern. Aber ab 11. Juni soll die EM in zwölf europäischen Ländern stattfinden. "Momentan kann ich mir das nicht vorstellen", gibt Gündoğan offen zu. Aber er hofft es, weil er Jogi Löw, dem er "so viel zu verdanken habe" mit guter Leistung bei dessen letzten Turnier als Nationaltrainer verabschieden will.

Kommentatoren: Deutschland in der Krise

Die Kommentatoren: Kristina Dunz, Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Wickert (v.li.).
Die Kommentatoren: Kristina Dunz, Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Wickert (v.li.).
bild: screenshot ard

Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert sieht die Lage in Corona-Deutschland düster: "Ich glaube, dass in den letzten Wochen unglaublich viel Vertrauen verloren gegangen ist. Wir erleben, dass Deutschland ein furchtbar bürokratisches Land ist. Ich glaube, wir sind irgendwie eingeschlafen als Land, uns geht es zu gut." Oder besser: Es ging uns zu gut. Inzwischen sei Deutschland "der kranke Mann Europas".

Auch Alexandra Föderl-Schmid ("Süddeutsche Zeitung") findet, es sei viel schiefgelaufen in der Pandemie-Bekämpfung. Schuld habe daran hierarchisch gesehen Jens Spahn. "Er ist der höchste Entscheidungsträger. Er prescht immer mit Vorschlägen vor, kündigt an, und es funktioniert immer nicht."

Kristina Dunz ("RedaktionsNetzwerk Deutschland") gibt ihren Kollegen recht und ergänzt, dass sie manchmal das Gefühl habe, Deutschland befinde sich irgendwo "zwischen deprimiert und depressiv". Gründe dazu gibt es genug, wie Karl Lauterbach dann erläutert.

Lauterbach sieht keine Alternative zum Lockdown

Karl Lauterbach spricht die unangenehme Wahrheit aus.
Karl Lauterbach spricht die unangenehme Wahrheit aus.
bild: screenshot ard

Karl Lauterbach war am Montag schon bei Maischbergers ARD-Talk-Kollege Frank Plasberg zum Thema Astrazeneca. Dass er zwei Tage später bei Maischberger sitzt, ist selbst bei einem Talkshowdauergast wie ihm eine ungewohnte Frequenz. Maischberger erklärt, dass sie schon "eine Verabredung" gehabt hätten, bevor er bei Plasberg spontan eingesprungen sei.

Schon am Montag hatte Lauterbach keinen Zweifel daran gelassen, dass er vom Zusammenhang der Thrombosen und der Impfung mit Astrazeneca überzeugt ist. In einem eingespielten Statement ist Emer Cooke, Direktorin der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), jedoch anderer Meinung. Lauterbach ist über diese Aussage "verwundert". Diese Thrombose "beobachtet man sehr selten, das spricht dafür dass es einen Zusammenhang gibt".

In Deutschland gab es bisher 8 Fälle, drei der Patienten sind gestorben. Trotzdem findet Lauterbach angesichts 1,6 Millionen geimpfter Patienten und der drohenden Folgen bei einer Corona-Erkrankung: "Das ist ein sicherer Impfstoff." Dass unter den acht Erkrankten nur ein Mann war, könne übrigens auch daran liegen, dass mehr Frauen in den geimpften Berufsgruppen aus Medizin, Bildung und Betreuung vertreten waren.

Maischberger fragt ihn nach dem russischen Impfstoff "Sputnik V", den einige osteuropäische Länder geordert haben und der vielleicht auch in Deutschland die Vakzin-Knappheit lindern könnte.

Das sei auch "ein guter Impfstoff", sagt Lauterbach, aber die in der Fachzeitschrift "The Lancet" beschriebenen Nebenwirkungen seien "unrealistisch zu gering", da müsse die EMA nochmal genau hinschauen, findet er.

Es wird also wohl nichts mit der schnellen Hilfe. Dabei wäre sie dringend nötig. "Die dritte Welle ist da und nicht mehr aufzuhalten." Es sei nur die Frage, wann Deutschland in den Lockdown geht.

"Die Möglichkeit, ohne Lockdown durchzukommen, gibt es nicht. Der Lockdown kommt auf jeden Fall."
Karl Lauterbach

Im aktuellen Modus mit offenen Schulen, Terminshopping und den anderen Lockerungen würde es Deutschland vielleicht 20 Tage durchhalten, bis die Zahlen allzu bedrohlich sind. Aber: "Wenn wir es verzögern, wird es nur schlimmer. Das geht nicht weg. Wir müssen die Notbremse ziehen, sonst bekommen wir ein Riesenproblem."

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