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Die beiden Ärzte Lehr und Zastrow sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels. null / screenshot ard

Ärzte bei "Maischberger" mit düsterer Prognose: "Gefährliche Situation"

Dirk krampitz

Harry und Meghan, die AfD, CDU-Masken-Affäre und Jogi Löw – es war eine ereignisreiche Woche, die Sandra Maischberger mit ihren Gästen diskutiert. Dazu hat sie noch zwei Talks im Studio. Volles Programm also für die ARD-Talkmasterin und die Gäste, die da sind:

Von Maskenaffäre bis Meghan

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Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren Ansgar Graw, Katharina Hamberger und Walter Sittler (v. li.). bild: screenshot ard

Zuerst sind die Kommentatoren dran. Neben zwei Journalisten ist diesmal auch der Schauspieler Walter Sittler dabei. Für ihn ist die CDU "Verlierer der Woche", sie habe – nicht nur bei der Masken-Affäre – seiner Meinung nach "alles falsch" gemacht. Journalistin Katharina Hamberger sieht in der Maskenaffäre hingegen "kein besonders Unionsproblem – das gab es bei anderen auch". Sie betrachtet eher die Corona-Lockerungen mit Sorge: "Wenn man das macht, muss man die Dreh- und Angelpunkte hinbekommen, das Impfen und das Testen." Das ist allerdings in Deutschland noch nicht der Fall. Außerdem findet sie schwierig, dass die königliche Familie Englands den Rassismusvorwurf von Prinz Harry und seiner Frau Meghan "privat" aufarbeiten wolle – dafür seien die Royals zu öffentlich.

"Es ist die schwerste Krise seit Lady Di", bilanziert auch Ansgar Graw (Herausgeber "The European") die Situation des englischen Königshauses. Außerdem empfindet er es als "Blamage" für das Bundesamt für Verfassungsschutz und dessen Direktor Thomas Haldenwang, dass die AfD nun entgegen der ersten Ankündigung erstmal nicht vom Prüf- zum Verdachtsfall hochgestuft werden kann. Dass Bundestrainer Jogi Löw seinen Rücktritt nach der EM angekündigt hat, finden alle in der Dreierrunde gut. Graw: "Ich glaube, es ist richtig, dass er geht, er hätte es nur früher sagen sollen."

So weit, so schnell. Denn Sandra Maischberger hat in dieser Woche zwei spannende Gespräche: Übers Gendern und über Corona. Den Anfang machen zwei Corona-Ärzte.

Das Impfen und die Inzidenz

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Jürgen Zastrow und Thorsten Lehr im Gespräch mit Sandra maischberger. (v. li.) bild: screenshot ard

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte in der Woche Aufsehen erregt, als er baldige Impfquoten von 10 Millionen Dosen pro Woche sprach. "Nach unseren Augen recht unrealistisch", sagt Pharmazie-Professor Thomas Lehr, der Corona-Kurven modelliert. Derzeit werden pro Woche rund eine Million Impfungen verabreicht. Scholz sprach also von der zehnfachen Geschwindigkeit. Eine Verdreifachung hält Lehr für so plausibel.

Für die Entwicklung der Infektionskurve zeichnet er aber erstmal ein eher düsteres Bild. "Wir werden die Zahlen nicht weiter senken können", sagt er. Die Kurve wird wieder steigen, ist er sicher. Das liege an den ansteckenderen Mutanten, die bis Ende April für 90 Prozent der Infektionen verantwortlich sein werden. Darum sieht er die beschlossenen Lockerungen auch als gravierenden Fehler. "Das ist absolut der falsche Zeitpunkt", es sei gerade "eine relativ gefährliche Situation".

Nach Lehrs Rechnung wird die Inzidenz in Deutschland Ende März bei 100 liegen. In Österreich ist die Inzidenz innerhalb von vier Wochen nach den Öffnungen von 100 auf 200 gestiegen. Und das trotz eines sehr viel besser funktionierenden Test-Systems. Die Krankenhausbelegung werde natürlich im Zuge der Entwicklungen auch zunehmen, sagt Lehr. Und auch wenn sich dann wohl mehr Jüngere infizieren werden, sei Jugend keine Garantie für einen milden Verlauf.

"Wir erkaufen uns mit der Lockerung auch gewisse Todeszahlen."

Thorsten Lehr

Lehr plädiert deshalb auch für eine Überprüfung der Impfreihenfolge. "Epidemiologisch wäre es jetzt sinnvoll, die Jungen zu impfen, weil sie die vielen Kontakte haben."

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Impfarzt Jürgen Zastrow drängt darauf, die Hausärzte einzubinden. bild: screenshot ard

Jürgen Zastrow ist leitender Impfarzt in Köln und berichtet aus der Praxis. "Das Problem ist, dass das, was an Impfstoff fehlt, versucht wird, durch politischen Aktionismus auszugleichen." Als Beispiel nennt er die Impfzentren die öffnen mussten, obwohl nicht genug Impfstoff bereit lag. Außerdem findet er: "Man hätte die Hausärzte längt ins Spiel bringen können und das ist zu unserem Entsetzten noch immer nicht passiert."

Impfstoff habe er bisher keinen weggeworfen – sondern stattdessen Überstunden geschoben, bis alle angebrochenen Ampullen an herbeiorganisierte Leute, etwa Helfer aus dem Impfzentrum oder Feuerwehrleute, verimpft waren. Ihm sei kein einziger Fall von Impfdrängelei bekannt. Wenn alle erreichbaren Leute geimpft waren, sei vielleicht auch mal ein Verwaltungsdirektor dran gewesen, gibt er zu, aber immer am Ende eines Impftages mit einer Dosis, die übrig war. "Entscheidend ist doch nur, dass der Impfstoff in die Arme kommt. Ich bin da entspannt.“

Zuschauer wütend übers Gendern

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Nele Pollatschek (li.) und Petra Gerster (Mitte) haben unterschiedliche Ansichten zum Gendern. bild: screenshot ard

Moderatorin Petra Gerster sieht sich selbst als Feministin. Aber ihr Nachrichtenkollege Claus Kleber war der erste, der im ZDF gegendert hat. "Claus Kleber ist tatsächlich ein großer Feminist", lobt ihn Gerster. Sie habe hingegen immer die männliche und weibliche Form parallel benutzt. "Das Sternchen schien mir sperrig, aber ich habe mich in den letzten Jahren immer mehr angefreundet." Bei "Maischberger" im Studio-Gespräch rutscht verrutscht ihr das Gendern auch manchmal. "Ich muss mich noch dran gewöhnen." Noch schwerer tun sich damit allerdings die ZDF-Zuschauer. "Die Mehrheit der Zuschauer*innen lehnt es, glaube ich, ab. Ich bekomme viel wütende Zuschauerpost", gesteht Gerster. Man habe ihr schon als Reaktion aufs Gendern ihre Bücher zurückgeschickt, weil man sie nicht mehr im Regal stehen haben wollte, ein Zuschauer habe geschrieben, sie spreche "nicht mehr seine Sprache".

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Will lieber die Realität ändern als die Sprache: Nele Pollatschek. bild: screenshot ard

Nele Pollatschek, die sonst überall als Schriftstellerin bezeichnet wird, hat Maischbergers Redaktion ausdrücklich darum gebeten, als "Schriftsteller" beim Gender-Talk angekündigt zu werden. "Ich habe natürlich eine Identität, aber das ist nicht das Relevante hier. Warum ist das einzige, was wir sichtbar machen wollen, das Geschlecht?“

Pollatschek stammt aus einer ostdeutschen Familie. In der DDR nannten sich Frauen selbst auch "Student" und "Bauarbeiter". In der DDR seien weibliche Formen auch offiziell nicht gewünscht gewesen, weil sie "Frauen zum Anhängsel" degradierten, erklärt Pollatschek. Ähnlich sei es in England, wo sie studiert hat. Dort sei die Benutzung der weiblichen Formen auf dem Rückzug.

"Ich will keine Unterkategorie sein, ich mache dasselbe wie alle anderen auch, warum sollte ich mich anders bezeichnen?"'

Nele Pollatschek

Das Prädikat "beste Bäckerin" habe eine ganz andere Aussage als "bester Bäcker", erklärt sie, was sie meint. Statt der Sprache solle man mal lieber die "materielle Wirklichkeit" ändern für Gleichberechtigung, zum Beispiel die Kinderbetreuung verbessern. Denn trotz der Verwendung des generischem Maskulinum seien in ihrer Familie alle Frauen berufstätig und somit gleichberechtigter gewesen zu DDR-Zeiten.

"Niemand redet soviel über gendergerechte Sprache wie wir, gleichzeitig ist die Gender-Pay-Gap hier am zweithöchsten in ganz Europa."

Nele Pollatschek

Frauen in Deutschland verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer.

Aktuell sagt Nele Pollatschek "Bundeskanzler Angela Merkel" und kann damit auch gut leben. Aber wenn schon Sprache ändern, dann richtig, findet sie. Ihr radikaler Vorschlag: "Das Bundeskanzler". "Wenn man möglichst wenig Geschlecht anzeigt, kann man nichts mehr falsch machen."

Moderatorin Gerster ist verstört über das neutrale Genus. Doch Pollatschek argumentiert, jede Sprachänderung sei ein massiver Eingriff: "Wir machen etwas sehr Komplexes, dann lassen sie es uns doch gleich richtig machen. Ob ich 'Bundeskanzler*in' sage oder 'das Bundeskanzler' – es ist beides fremd." Nur sei "das Bundeskanzler" im Gebrauch viel einfacher, weil es eine bereits bekannte Form ist.

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