Unterhaltung
Bild

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die schlimmsten Befürchtungen für die USA. bild: screenshot zdf

SPD-Politiker Lauterbach hat schlimmste Befürchtungen für die USA

Gesundheitsminister Jens Spahn ist per Video zu "Markus Lanz" zugeschaltet. Vor der staatstragenden Kulisse des Brandenburger Tors bemüht er sich um Positivität: Zwar steige die Zahl der Corona-Infektionen stark, aber bei der Zahl der Todesfälle stünde Deutschland weit unten in der Kurve im internationalen Vergleich. Und der Effekt der Kontaktsperre sei ja auch erst in zehn bis 14 Tagen sichtbar. Dabei sei die "Bereitschaft mitzuziehen" bei der Bevölkerung gut. Doch dann gibt er zu:

"Wo es ein echtes Problem gibt, ist die Frage der Schutzmasken."

Jens Spahn

Schon seit Wochen beklagen niedergelassene Mediziner und Krankenhaus-Ärzte, dass der Nachschub an Masken zur Neige geht. "Ich habe viel gelernt über den Weltmaskenmarkt", sagt Spahn, der sei "wie der Goldmarkt". Gerade wurde bekannt, dass in Kenia sechs Millionen für deutsche Krankenhäuser bestimmte Atemschutzmasken auf ungeklärte Weise verschwunden sind. Offenkundig seien sie "auf dem Weg nach Kenia verloren gegangen", sagt der Minister.

Bild

Gesundheitsminister Jens Spahn. screenshot: Zdf

So lautet wohl die diplomatische Umschreibung für einen Diebstahl oder die Umlenkung des Verkaufs an jemanden, der plötzlich bereit war mehr dafür zu zahlen. Aber: "Es kommt jetzt immer wieder was rein", beruhigt Spahn im Tonfall eines Supermarktverkäufers, den man nach Klopapier fragt. Und er staunt über Preissteigerungen, "dass aus diesem Cent Artikel" nun ein "8-Euro-Artikel" geworden ist. "Wir hätten uns doch nie vorgestellt, dass ein Mangel an so einem Cent-Produkt entstehen würde." Er plant die Produktion mittelfristig wieder stärker nach Deutschland zu verlagern. Pläne für die Zukunft, die jetzt aber wenig helfen.

Passgenau zitiert Moderator Lanz einen deutschen Hersteller, der das Gesundheitsministerium per Mail kontaktiert hat, als seine ganze Monatsproduktion von chinesischen Käufern geordert werden sollte. Das Ministerium habe aber bis heute nicht geantwortet. "Wir bekommen sehr viele Hinweise und Emails jeden Tag. Wir schaffen es nicht, die alle zeitnah zu beantworten."

Ärzte schreiben ihren Namen auf Masken

Bild

Ärztin Bernadett Erdmann versucht, Masken zu sparen. bild: screenshot zdf

Bernadett Erdmann, Ärztin aus Wolfsburg berichtet aus ihrer Klinik: "Die Situation ist extrem schwierig. Jedes Land dieser Welt braucht diese Masken." Für vier Wochen hätten sie noch Material. Wenn die Fallzahlen allerdings hochgingen, würde sich das rasch ändern, gibt sie zu. "Wir versuchen zu sparen", es würden weniger Mitarbeiter zu Patienten gehen, und es gebe auch Ärzte die ihren Namen auf das Einwegprodukt schreiben, um es so lange zu benutzen, wie es irgend geht.

Lauterbach über eine Überraschung

Auch Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt zu: "Masken sind noch nie knapp gewesen. Das ist eine Riesenüberraschung." Aber er malt ein erschreckendes Bild: Die Masken seien einer von mehreren Flaschenhälsen, die mindestens genauso wichtig seien. Es werde weitere Schutzkleidung fehlen, es werden Testkits fehlen oder auch gewisse Medikamente.

Allerdings sei das noch harmlos gegen die Situation, wie er sie in den USA erwarte: "In Amerika wird in drei Wochen eine Situation entstehen, die wir uns alle gar nicht vorstellen können." Er denke, dass es schlimmer werde als in Italien, hoffe aber, dass er sich irre. "Da wird jeder versuchen, sich selbst zu retten, so gut wie er kann."

"Die Amerikaner haben die Marktmacht, den ganzen Weltmarkt leer zu kaufen."

Karl Lauterbach

"Die Amerikaner sind in der Lage, die neun Euro pro Maske zu zahlen, wenn das notwendig ist", darum müsse man jetzt die Lieferwege sichern. Es sind erschreckende Szenarien, die nebenbei in der netten Plauderrunde kundgetan werden.

Rat vom Psychiater: Klarer mit den Menschen umgehen

Bild

Psychiater Matthias Lemke rät zu klarem Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern. bild: Screenshot zdf

Der Psychiater Matthias Lemke kommt in der Runde nur wenig zu Wort. Er soll vor allem zur Auswirkung von sozialer Isolation und Kontaktsperre etwas sagen. "Einsamkeit macht krank", erklärt er wenig überraschend. Darum hätten sich Einzelgänger evolutionär nicht durchgesetzt. Sein Rat an die Regierung: "Klarer mit den Menschen umzugehen", auch die Verunsicherung mache krank.

In Korea tragen 85 Prozent Maske

Bild

Christian Taaks berichtet aus Südkorea. screenshot: zdf

Zugeschaltet ist auch Korea-Experte Christian Taaks aus Seoul. Dort tragen je nach Situation auf der Straße, in der Bahn oder Häusern mindestens 85 Prozent der Menschen eine Maske, schätzt Taaks. Um sich und andere nicht anzustecken.

"Man trägt die Maske nicht nur für sich, man trägt sie auch für andere."

Christian Taaks

Masken seien "Teil des Erfolges, weil es die Ernsthaftigkeit des Einzelnen unterstreicht, mitzumachen", findet er.

Zum Ende fragt Markus Lanz Karl Lauterbach, ob die Wirksamkeit der Masken zu Anfang der Corona-Krise nicht "komplett falsch kommuniziert wurde", sprich: deren Wirksamkeit verneint worden sei. Lauterbach weicht einer direkten Antwort aus, auf eine Art, die man durchaus zynisch finden darf: "Die Kommunikation hätte keinen Unterschied gemacht, weil wir die Masken nicht hatten."

Dann gibt er zu: "Selbstverständlich würde es etwas bringen, wenn wir jetzt Masken für alle hätten." Und dann äußert er noch einen bestürzenden Wunsch: "Derjenige, der jetzt Masken zu Hause hat, sollte sie dem medizinischen Personal geben, die sie dringender brauchen."

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Virologe Drosten erhält Hass-Mail und erwägt Rückzug: "Mir wird schlecht"

Der Virologe Christian Drosten dürfte derzeit zu den bekanntesten Gesichtern Deutschlands gehören. Spätestens seit die Corona-Krise Europa erreicht hat, gab es hierzulande kein Medium, das seine Ausführungen zu den Viren nicht aufgegriffen und weiterverbreitet hat. Beim NDR ist Drosten zudem täglich zu hören.

Doch dieser permanente Fokus auf ihn scheint dem 48-Jährigen zunehmend zu schaffen zu machen. Zumindest entstand in seiner aktuellen Podcast-Folge dieser Eindruck.

Dort kritisierte der …

Artikel lesen
Link zum Artikel