Alle mögen Nora Tschirner. Jetzt muss sie nur noch kandidieren. Für irgendetwas!

Schauspielerin Nora Tschirner kann das Engagement ihrer Kollegen nicht verstehen. Bild: imago stock&people / Photographer: Andreas Gora

Nora Tschirner entsetzt über #allesdichtmachen-Aktion: "Unfuckingfassbar" – Karl Lauterbach spricht sich gegen "Hass" aus

Die Kampagne hat Zündstoff in sich. Mehr als 50 deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler haben unter dem Motto #allesdichtmachen die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie kritisiert.

Auf Youtube und bei Instagram posteten am Donnerstagabend unter anderem Meret Becker, Ulrich Tukur und Jan Josef Liefers ironisch zugespitzte Videos, in denen sie sich über die Maßnahmen lustig machen.

Dafür bekamen sie in den sozialen Netzwerken Lob, aber überwiegend Kritik. Eine, die deutliche Worte für die Aktion findet, ist Schauspielerin Nora Tschirner: "Echt ja, Leude?", fragt sie in einem Instagram-Kommentar fassungslos. "Wird's schon boring im Loft und im Brandenburger Landhaus?"

Nora Tschirner: "Kann halt sein, dass man sich in ein paar Jahren schämen wird"

Tschirner findet, man könne so eine Aktion ja mal machen, aber: "Kann ja sein, dass man sich ein büschn schämen wird in nen paar Jahren (Wochen?)".

Ihre Reaktion schließt sie mit "Unfuckingfassbar" ab. Dazu stellt sie den Hashtag "allesschlichtmachen", der in den sozialen Medien neben #allesnichtganzdicht als Zeichen der Ablehnung gegenüber der Aktion gesetzt wird.

Auch andere Schauspieler verurteilen die Aktion ihrer Kolleginnen und Kollegen. So twitterte etwa Marcus Mittermeier: "Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!"

Elyas M'Barek kommentierte das Video von Volker Bruch auf Instagram mit den Worten: "Come on, das ist doch Blödsinn."

Heike Makatsch, die zunächst ebenfalls ein Video veröffentlicht hatte, zog es am Freitagmorgen wieder zurück. "Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie dadurch verletzen", schrieb sie auf Instagram.

Kida Ramadan wurde auch angefragt – und fragt: "Wo ist euer fucking Problem?"

Auch der "4 Blocks"-Schauspieler Kida Ramadan regte sich auf Instagram über die Aktion auf. "Es sterben Menschen wegen dieser Krankheit", machte er deutlich. Auch er sagte er sei für die Aktion angefragt worden, habe aber abgesagt. "Mir wurde nie richtig erklärt, worum es geht", sagte er.

Für die Schauspieler, die sich an der Aktion beteiligten, hatte er eine deutliche Nachricht: "Wo ist euer fucking Problem?" Er sagte, dass er die Künstler zwar mag – "Jan Josef Liefers ist ein Bruder" – aber die Aktion stoße bei ihm auf Unverständnis.

Jan Josef Liefers twitterte noch in der Nacht, er weise "eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä." glasklar zurück. Es gebe im aktuellen Spektrum des Bundestags auch keine Partei, der er ferner stehe als der AfD.

Schauspielverband äußert sich

Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) hat sich mittlerweile ebenfalls geäußert und unter anderem an die Menschen erinnert, die derzeit in Krankenhäusern arbeiten. "Manche unserer Kolleg*innen haben sich an dieser Aktion beteiligt, manch andere verurteilen sie aufs Schärfste", teilte der Vorstand auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mit.

"Den meisten von uns geht es wie vielen in unserem Land: Wir sehnen uns verzweifelt nach einem Ende der Pandemie", heißt es im Statement des Bundesverbands Schauspiel mit Sitz im Berlin. "Unsere Kinder leiden, unsere Angehörigen und Nachbarn leiden. In unserem Umfeld erkranken Menschen, manche sterben."

Sie hätten wie viele andere im Land Existenzängste. "Wir haben Angst, selbst schwer zu erkranken, andere zu infizieren. Hinzu kommt die Angst, unsere Jobs zu verlieren, bei uns die Angst, nicht mehr besetzt zu werden, nie mehr fürs Publikum spielen zu dürfen, unsere Altersvorsorge, unsere Lebensgrundlage und unsere Hoffnung zu verlieren." Zwei Drittel bis drei Viertel von ihnen lebten von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten könnten.

"Wir sind allen Menschen zutiefst dankbar, die in den Krankenhäusern, Pflegestationen, Altenheimen, Schulen und Kitas sich der Seuche in aufopfernder Weise entgegenstellen", erklärte der Bundesverband. "Auch sie werden Ängste haben und dennoch sind sie Tag für Tag, Überstunde um Überstunde für uns da - trotz schlechter Bezahlung -, auch wenn die Müdigkeit sie übermannt."

"Wir leben zum Glück in einer Demokratie und müssen um den besten Weg aus dieser weltweiten Pandemie ringen und streiten", hieß es in der Stellungnahme. In diesen demokratischen Prozess werde sich der Verband mit seinen tausenden Mitgliedern zusammen mit anderen Gewerkschaften "konstruktiv und leidenschaftlich" einbringen.

Auch Karl Lauterbach sieht die Äußerungen kritisch

Auch der SPD-Epidemiologe Karl Lauterbach hat sich auf Twitter zu Wort gemeldet. Auf den Post von Liefers antwortete der Experte: "Mich haben Aussagen von #allesdichtmachen nicht überzeugt."

Lauterbach ruft dennoch dazu auf "Anschuldigungen und Beleidigungen" zu unterlassen. "Die Schauspieler machen auf ihre Probleme aufmerksam", sagte er und fordert Toleranz.

Der Experte sprach von wenigen Wochen, bis der "Impfeffekt die 3. Welle bricht" und will mit seiner Nachricht Solidarität in der Bevölkerung einfordern. Er steht hinter den beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung.

Die Äußerungen der Schauspieler sieht er kritisch. In seinem Post schrieb er: "Jetzt kein Hass. Davon haben wir genug." Er wies darauf hin wie wichtig das Vertrauen und die Geduld der Bürger sei. "Häme, Spott und Besserwisserei helfen nicht weiter", so Lauterbach.

(lfr/ogo/dpa)

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