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Dieter Nuhr in seinem Zuhause. Im Hintergrund Fotos, die der Hobby-Fotograf auf seinen Reisen gemacht hat. bild: screenshot ard

Dieter Nuhr sendet von zu Hause und gesteht seinen Corona-Irrtum

dirk krampitz

"Keine Stimmung in der Bude, ich bin alleine hier", sagt Dieter Nuhr. Er hat sich in eine Ecke seiner Wohnung gestellt, im Hintergrund sind einige der Fotos zu sehen, die der Kabarettist und Hobby-Fotograf auf seinen Reisen gemacht hat.

Aufgrund der Corona-Situation wurde "Nuhr im Ersten" zum ersten Mal ohne Publikum aufgezeichnet und da hat sich Nuhr die Reise in den Berliner Theatersaal gleich ganz gespart. Der leere Saal mit den aufeinander gestapelten Stühlen ist immer wieder als Schnittbild zu sehen.

Nuhrs Heim-Video wirkt manchmal wie Youtube, nur nicht so professionell. Die Linse ist etwas zu weitwinklig, der Ton etwas neben der Spur. Und da sind wir auch schon beim Thema: Noch am 10. März twitterte er:

Eine gute Woche und viele beschneidende Maßnahmen der Bundesregierung später gibt der Kabarettist reumütig zu:

"Viele haben diese Krankheit unterschätzt, ich übrigens auch, um es ganz deutlich zu sagen."

Dieter Nuhr

Und er schwenkt komplett um, macht Witze über die, zu denen er vor einer guten Woche noch selbst gehörte: Heute sei "jeder selber Virologe". Und es erschaffe sich auch jede seine Regeln selbst. Für "die Sackgesichter, die jetzt rufen: Die tun zu wenig, die tun zu viel" zitierte er das Zitat eines "Philosophen": "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten." Urheber des Satzes ist er übrigens selbst.

Und obwohl die Zeiten "ein bisschen unerfreulich" seien, hätten sie auch ihr Gutes. "Die Unisex-Toilette wird in diesen Tagen nicht so sehr als Problem empfunden" außerdem sei die Bahn pünktlich und "ich bekam einen Sitzplatz", aber er sei schon gespannt, "wann sich der erste aufregt, weil man das Wort Infizierter nicht richtig gendern kann." Das Übliche halt.

Der kleine König und das Klopapier

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Torsten Sträter erzählt ein belangloses Märchen. bild: screenshot ard

Der erste von Nuhrs vier Gästen ist Torsten Sträter. Er trägt in seinem leeren Theatersaal ein Märchen vom "kleinen dicken König" vor, dessen Land kein Toilettenpapier mehr hat. Leider ist es nicht besonders witzig und hat mit der aktuellen Situation nichts gemein, wenn man mal von der Toilettenpapierknappheit absieht.

Komiker ohne Systemrelevanz

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Johann König plaudert aus seinem Familienleben in Corona-Zeiten. bild: screenshot ARD

Als zweiter darf Johann König ran, er liest für den "Hund, die Katze, drei Kinder, die Mutter der Kinder und meine Frau" den Corona-Tagesablauf vor. "7.53 Uhr. Wir Frühstücken, was um diese Zeit total sinnlos ist, wenn alle folgenden Aufgaben wegfallen. Die Kinder sind ohne Schule, die Erwachsenen ohne systemrelevante Berufe." Leider ist Königs Beitrag insgesamt auch nicht relevant.

Darth Vader als Corona-Patient

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Michael Mittermeier vor seinem Bücherregal. screenshot ard

Im direkten Vergleich merkt man wieder einmal, dass Michael Mittermeier völlig zu Recht Karriere gemacht hat. Bei ihm sitzen die Pointen. Er grüßt vor einer Bücherwand "Servus aus meiner Kreativ-Quarantäne". Er habe aber im Moment mehr Angst vor der Dummheit der Menschen als vor Corona. Österreich habe zum Beispiel die Verordnung, dass nicht mehr als fünf Leute zusammen in einem Raum sein dürften.

"Was macht dann aber eine Familie mit vier Kindern? Eines vor die Tür stellen – oder weil es Österreich ist – in den Keller?" Der Comedian glotzt in seiner Zwangspause mit seiner Frau und seiner pubertierenden Tochter Filme. Seine Tochter hält dem 53-Jährigen vor "Papa, du bist fast schon 60 – fast Corona-Risikogruppe", kokettiert er. Beim Star Wars-Gucken sieht sie im keuchenden Darth Vader einen alten Mann mit Beatmungsgerät wie bei einem Corona-Patienten. Außerdem findet er:

"Covid-19 klingt wie ein Roboter bei Star Wars."

Michael Mittermeier

Filmfreak Mittermeier wundert sich außerdem darüber, dass ausgerechnet der 25. James-Bond-Film mit dem Titel "Keine Zeit zu sterben" verschoben wurde. "So ein Weichei, 24 mal die Welt gerettet und nun das." Die Welt brauche jetzt einen Superhelden. Leider fiele Batman aber aus. Angeblich soll Corona ja von einer Fledermaus auf den Menschen übergegangen sein.

Wer hustet, wird denunziert

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Lisa Eckhart bild: screenshot ard

Als letzte darf Lisa Eckhart an. Die Österreicherin ist bekannt für ihre mondänen Outfits und ihren derb-ätzenden Humor. Auf der Fellsitzlandschaft witzelt sie unangebracht über #stayfuckinghome-Aktivisten: "Möchtegernmärtyrer, die so tun, als ob jedes aus dem Haus gehen schon Massenmord wäre".

Es seien gute Zeiten für Blockwarte: "Heute können sie jeden denunzieren, der hustet." Ihr Tipp für Hamsterkäufer von Nudeln und Klopapier: "Sie können nicht zeitgleich an Hunger sterben und in ihrem Kot ersticken." Ihrem abschließenden Rat kann man sich in diesen Zeiten allerdings nur anschließen: "Bleiben Sie gesund und bleiben Sie bei Trost".

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