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Karl Lauterbach kann Kreuzfahrten nichts abgewinnen. bild: screenshot ard

"Hart aber fair": Lauterbach lehnt großzügiges Angebot von Plasberg ab

dirk krampitz

Es werde ein "Sommer der zwei Geschwindigkeiten" sagt Frank Plasberg. Deutschland teile sich in Geimpfte und Nicht-Geimpfte. "Das war's. Gefühlt ist Corona doch so gut wie beendet", würden viele denken. Aber Gefühle seien eben von Sehnsüchten getrieben. Welche Fehler man nun nicht machen dürfe, diskutiert Frank Plasberg beim Thema: "Der Sommer wird gut – aber gilt das schon für alle?" mit folgenden Gästen:

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Karl Lauterbach sieht nicht mehr so schwarz wie im ganzen vergangenen Jahr. bild: screenshot ard

Karl Lauterbach war zuletzt mit sehr positiven Prognosen der Corona-Situation aufgefallen, was ihm auch Plasberg gleich scherzhaft um die Ohren haut. Und so kehrt Lauterbach ein wenig zum gewohnten Mahnen zurück: "Wenn man die ganze Welt betrachtet, ist gerade der Beginn der Pandemie überwunden." In Deutschland herrsche aber durch die Kombination aus Impfen und sinkenden Fallzahlen "ein überschaubares Infektionsgeschehen, wenn wir nicht unvorsichtig werden". Über den Berg seien wir, wenn 50 Prozent der Bundesbürger zumindest erstgeimpft sind.

Wohl kaum ein Politiker hat durch Corona einen Bekanntheitsboost erlebt wie Lauterbach. Die Leute lieben ihn, oder hassen ihn. Plasberg fragt ihn, was er sich von Corona verspricht. Mehr Schaden oder mehr Nutzen.

"Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen vorgetragen. Ich bin zum Teil Mahner und habe auch versucht Lösungen zu bringen. Da gäbe es schlimmere Gründe, abgewählt zu werden.“

Karl Lauterbach

Aber an eine Abwahl glaubt er auch nicht. Und dass er auch diesmal Tacheles spricht, beweist er denn auch gleich: Dass man, wie manche jetzt sagen, die Intensivstationen noch etwas weiter hätte belasten können, findet er "eine total zynische Diskussion". Das hätte zwangsläufig mehr Tote bedeutet. Und beim digitalen Impfnachweis, der wohl in Deutschland erst nach den anderen europäischen Ländern zur Verfügung stehen wird, gibt er zu: "Man kann sich hier nicht hinter dem Datenschutz verstecken. Es hat nicht die Priorität gehabt, die es hätte haben können."

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Die Köchin Cornelia Poletto glaubt an Hygienekonzepte. bild: screenshot ard

TV-Köchin und Restaurant-Besitzerin Cornelia Poletto glaubt: "Jedes Besuchen zu Hause findet lockerer statt als ein Restaurantbesuch." Aber auf der anderen Seite gehe das Wiedereröffnen eines Restaurants nicht so einfach und schnell wie die Politik sich das mit kurzfristigen Ansagen vorstelle. Allein die Warenbestellung brauche Vorlauf. Aber Poletto plädiert für kontrollierte Öffnungen, damit die Leute sich mit Hygienekonzepten treffen und nicht unkontrolliert ins Private abwandern. Soweit die allseits seit Monaten gleiche Diskussion. Doch dann beschwert sich Poletto noch darüber, dass die Angestellten in der Gastronomie ohnehin zu wenig verdienen würden, sodass sie vom Kurzarbeitergeld nicht leben können. Wer ist eigentlich für den Verdienst der Anstellten verantwortlich, wenn es nicht der Arbeitgeber ist?

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Gerechtigkeit sei gerade jetzt wichtig, findet Christina Woopen. bild: screenshot ard

Christina Woopen, der Vorsitzenden des Europäischen Ethikrates, ist es wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, alle Erleichterungen zu bekommen – wenn er nicht geimpft oder genesen ist eben durch Tests. Das würde sonst zur "Gerechtigkeitsproblemen" führen. Plasbergs frage, ob eine Pandemie denn die richtige Zeit für Gerechtigkeit sei.

"In Zeiten, wo etwas knapp wird, wird die Gerechtigkeitsfrage umso dringender."

Christina Woopen

Sie plädiert für eine Priorisierung, die auch Jüngere und sozial prekäre Fälle berücksichtigt werden. "Es ist auch keine Neiddebatte, sondern eine Gerechtigkeitsdebatte. Es ist die politische Verantwortung, gerechte Verhältnisse herbeizuführen." Eine Neiddebatte gebe es bei ihnen nicht, sagt Natalia Bachmayer, Leiterin des ARD-Fernsehstudios Madrid. "Hauptsache Oma ist in Sicherheit", würden die meisten Spanier denken. Es sei Konsens, dass alte Menschen zuerst geimpft werden. Der Zusammenhalt zwischen den Generationen sei sehr stark.

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Ute Dallmeier empfiehlt sichere Pauschalreisen. bild: screenshot ard

Die Reisekauffrau Ute Dallmeier ist "froh, dass die Stigmatisierung" von Urlaubern aufgehört hat. Sie rechnet offenbar mit guten Geschäften im Sommer. Man sei jetzt nicht zu spät dran, um Urlaub in Deutschland zu buchen. "Aber ich habe auch nicht mehr die Riesenauswahl", sagt sie. Auch in Frankreich solle man sich beeilen. "Eine Pauschalreise ist immer eine sichere Sache", weil die Veranstalter die Urlauber nicht in gefährliche Gebiete bringen dürften. Mallorca habe im Moment nur 20 Prozent der Kapazität. "Die Gefahr, dass wir volle Strände haben, sehe ich nicht kommen."

Sie war gerade auf Kreuzfahrt und rechnet im Herbst mit einem Run auf Fernreisen und Kreuzfahrten. Plasberg fragt Lauterbach, ob man ihn für eine Kreuzfahrt begeistern könne, bezahlt "aus meinem persönlichen Vermögen". Plasberg meint das wohl eher vom Infektionsgeschehen her, aber Lauterbach – ganz Nerd – antwortet lang, warum er Kreuzfahrten nicht mag. Er hätte das Gefühl, er würde Zeit verschwenden und er wäre auch lieber an einem Ort. "Ich nehme jedes Geschenk sehr gern, aber die Kreuzfahrt wäre für mich keine Verheißung. Eine Flasche guten Weines wäre mir lieber."

Eigentlich sollte dann ein fliegender Wechsel stattfinden, den Plasberg ankündigt. Von der Reise-Spezialistin zur Zuschauerredakteurin Brigitte Büscher.

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Upsi! Ute Dallmeier stolpert. bild: screenshot ard

Aber es gibt einen Schreckmoment, den die Kamera nicht ganz einfängt. Man hört nur Gegenstände zu Boden fallen. Offenbar ist Reisekauffrau Dallmeier gestolpert, hat ihre Unterlagen verloren, konnte sich aber selbst gerade noch fangen. Plasberg fragt erschrocken, ob alles ok ist. Ja geht schon. Und es muss ja weitergehen. Doch schnell hat er seinen schnoddrigen Ton wiedergefunden. "Ich könnte nochmal durchwischen machen wir jetzt nicht", sagt er und zeigt auf den Tresen, an dem eben noch die Reisespezialistin gelehnt hat und auf den sich jetzt Brigitte Büscher stützt. Aber Kontaktinfektionen sind ja seit Monaten kein wirkliches Thema mehr. Und die Pandemie geht offenbar wirklich langsam vorbei.

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Zeit-Redakteurin Anna Mayr sorgt sich um Schüler und Studenten. bild: screenshot ard

"Surreal" findet Zeit-Redakteurin Anna Mayr die Situation, dass man jetzt über Urlaub spreche. Es müsse doch eigentlich darum gehen, Kinder bis "zum Ende der Sommerferien zu impfen" und die Hörsäle für Studenten im Oktober aufzumachen. Es müsse einen Sommer geben, der für alle gut läuft, nicht nur für die Geimpften. "Wie soll ich den Teenagern erklären, dass sie nichts dürfen – es ist einfach nicht fair." Sie findet: "Die Urlaubsdebatte geht einen Tacken daran vorbei, was sich die Leute wünschen." Sie glaubt, dass der Urlaub der Politik so wichtig ist, um keine Wähler für die Bundestagswahl zu verlieren. "Dass der Sommer so schön wird, dass alle vergessen wie schrecklich es war." Anna Mayr hat ihren Urlaub übrigens für November gebucht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • celine01 18.05.2021 10:21
    Highlight Highlight Wo lebt Frau Poletto? Sie ist doch selbst Arbeitgeber. Die Wahnsinnspreise in den Restaurants können viele Millionen Deutsche schon lange nicht mehr bezahlen. Es sind die Restaurant- und Hotelbesitzer die für Ihren Untergang selbst verantwortlich sind. Schlechte Bezahlung, Arbeitszeiten jenseits jeden Gesetzes und dazu die Wahnsinnspreise.
  • Wotan 18.05.2021 07:49
    Highlight Highlight Frau Anna Mayr ist eine junge Frau und daher berücksichtigt sie nicht, ganz dem Zeitgeist entsprechend, dass das Leben endlich ist. Natürlich müssen Kinder und Jugendliche Priorität haben, das wäre schon beim Impfen richtig gewesen. Aber die Älteren können auch nicht beliebig alles, so wie den vielleicht letztmalig planbaren Urlaub, nach hinten schieben. Denn irgendwann steht der Sensemann vor der Tür. Das gilt übrigens für jeden von uns, Corona hin, Corona her.
  • Thomas Keller 18.05.2021 07:04
    Highlight Highlight Wir haben bisher sehr viel geschafft, die Inzidenzwerte fallen kontinuierlich. Und selbst wenn der Sommer 2021 nicht gerade das Gelbe vom Ei wird, so fällt der doch wesentlich besser aus als der Sommer 2020. Wir müssen jetzt nicht mit Gewalt das erreichte aufs Spiel setzen, damit ist absolut keinem geholfen. Jetzt heißt es zurück zur Normalität, da wo es eben nur geht. Gastronomen, Veranstalter, Künstler, u.v.a. brennen förmlich darauf endlich wieder loslegen zu können.

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