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Frank Plasberg im Gespräch mit Hanan, die vor fünf Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland kam. bild: screenshot ard

Plasberg zu syrischem Flüchtlingsmädchen: "Ein bisschen beneide ich Sie!"

dirk krampitz

Ein bisschen selbstkritisch stellt Frank Plasberg fest, dass sich auch "Hart aber fair" erst jetzt, nach mehr als einem Jahr Pandemie, erst so richtig mit den Kindern und der Krise befasst. "Ungeimpft, ungeschützt, unbeschult: Lässt der Staat die Familien im Stich?" heißt das Thema an diesem Montag. "Homeschooling – wenn man es ins Deutsche übersetzt heißt es Nervenprobe“, sagt der Talkmaster, der selbst einen zehnjährigen Sohn hat. Es diskutieren:

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Kinderärztin Susanne Epplée hat besorgniserregende Entwicklungen beobachtet. bild: Screenshot ard

Die Kinderärztin Susanne Epplée berichtet davon, dass die Pandemie "gewaltige" Spuren bei den Kindern hinterlassen habe. Sie erzählt von Kindern, die zuvor laufen konnten und jetzt im Rollstuhl sitzen und auf eine OP warten. Eine Schülerin sei quasi vier Monate im Homeschooling verschollen gewesen, bevor die Klassenlehrerin bemerkt hat, dass sie ja von ihr keine einzige Hausaufgabe bekommen hat. Und ein 4-jährigens Kind hat in einem halben Jahr sein Gewicht von 19 auf 38 Kilo aufgrund von Bewegungsmangel verdoppelt.

"Ich habe das Kind gar nicht mehr wiedererkannt."

Susanne Epplée

Die Situation an den Schulen und für Kinder und Jugendliche ist also katastrophal.

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Bildungsministerin Anja Karliczek bleibt bei Worthülsen. bild: Screenshot ard

Frank Plasberg hat auch Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Studio. "Es ist für alle eine sehr, sehr schwere Situation", und es sei auch immer eine Abwägung zwischen Bildung und Gesundheitsschutz, so dass "es da keine ideale Lösung gibt", sagt sie in feinstem Politikerdeutsch. Die 165er-Inzidenz für die Schulschließungen in der Bundesnotbremse ist "natürlich eine Zahl, die gegriffen ist", gibt sie freimütig zu. Luftfilter für die Schulen? Seien Sache der Kommunen, TÜV-Normen, etwa bei Belüftungsanlagen, mal zur Seite schieben, um schnelle Ergebnisse zu haben? Karliczek beruft sich auf den "Fürsorgeauftrag " Und man müsse "schon zielgenau helfen – sonst bringt es auch nichts".

Anja Karliczek liefert selbst für eine Vertreterin der Politik unter dem Druck erstaunlich viel Unverbindliches. Überraschenderweise fasst sie Frank Plasberg mit Samthandschuhen an. Oder er hat schnell resigniert, weil er sich keine Antworten mehr erhofft. Jedenfalls sagt er: "Ich spar mir jetzt, Frau Karliczek dazu zu fragen...“.

"Brisant"-Moderatorin lernt vom Sohn

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"Brisant"-Moderatorin Mareile Höppner hat auf Lehramt studiert, tut sich aber schwer mit ihrem eigenen Sohn. bild: Screenshot ard

"Brisant"-Moderatorin Mareile Höppner hat mal auf Lehramt studiert, aber das sei lange "lange, lange Zeit" her, gibt sie zu. Aber beim Homeschooling mit ihrem 10-jährigen Sohn stoße sie an Grenzen. "Ich lerne auf jeden Fall in Mathe mehr von meinem Sohn, das war nie meine große Stärke." Rein organisatorisch scheint Homeschooling bei ihr aber kein großes Problem zu sein, zur Not komme der Sohn mit ins TV-Studio. "Es geht mit einem großen Spagat, aber nur für eine begrenzte Zeit." Ihr Sohn habe auch Sehnsucht nach seinen Freunden in der Schule. "Schule ist mehr als Bildung – auch Ort der Integration und das findet gerade nicht statt." Feste und Abschlussfahrten "das sind alles wichtige Ereignisse für Kinder, das ist ein Punkt, der für Kinder in der Entwicklung entscheidend ist", findet Höppner. Man müsse jetzt in die Zukunft blicken und vorwärtsgewandt diskutieren und fragen:

"Wie schaffen wir es, die Lücken, die Kindern entstanden sind, seelisch zu schließen?"

Mareille Höppner

Plasbergs Versprecher – Höppners Missverständnis

Dann zitiert Plasberg aus einem "Spiegel"-Artikel, in dem die Eltern als "Bauschaum" in der Corona-Krise bezeichnet werden. Also als die Masse, die die Lücken füllt, aber die für ein massives Fundament ungeeignet ist. Als er Mareile Höppner nach ihrer Meinung fragt, verspricht er sich und sagt "Baumschaum". Und Höppner lobt das Sprachbild, weiß aber offenbar gar nicht so richtig , um was es sich handelt. Als sie das zweite Mal von "Baumschaum" spricht, korrigiert sie Plasberg sanft.

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Der Soziologe Aladin El-Mafaalani sieht die Situation der Kinder, nicht nur wegen der Bildung, mit Sorgen. bild: screenshot ard

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani glaubt, dass man die Folgen der Pandemie für Kinder noch gar nicht absehen könne. Aber er schätzt, dass ein Jahr im Leben eines Grundschulkindes in seiner Bedeutung rund 5 bis 10 empfundenen Erwachsenenjahren entspreche.

"Man muss nicht total Alarm schlagen, aber Sorgen machen sollte man sich schon."

Aladin El-Mafaalani

Er ist sich sicher: "Kinder können viele Dinge nur mit anderen Kindern lernen und das kann man nicht an die Tafel schreiben, das kann man auch nicht über den Bildschirm vermitteln." Zum Beispiel: sich unter Gleichen zu behaupten.

Die aktuelle Situation wertet er als unrettbar. "Jetzt kriegt man nichts mehr aus dem Boden gestampft", aber für die Zukunft solle man Mentoren- und Patenprogramme entwickelt, bei denen Lehramtsstudenten beim Lernen unterstützen, wenn Eltern ihre Kinder aus diversen Gründen die Kinder nicht auffangen könnten.

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Anwalt, Vater und Ortsbürgermeister Thorsten Frühmark fehlt der Pramatismus. bild: Screenshot ard

Der Anwalt und Bürgermeister Thorsten Frühmark ist Vater von vier Kindern, drei davon sind schulpflichtige Teenager. Sie hätten die Zeit "gut überstanden" aber sie würden auch finden, dass es wieder "Zeit ist, in die Schule zu kommen". Der CDU-Lokalpolitiker verzweifelt über fehlende Maßnahmen für den Unterricht in Pandemiezeiten, wie etwa Lüftungsanlagen. Er rechnet vor, mit einer Milliarde Euro hätte man alle Schulen mit Luftfiltern ausrüsten können. Und auch wenn diese Chance verpasst wurde: "Eine Lüftungsanlage mit Materialien aus dem Baumarkt ist für 200 Euro realisierbar. Aber: Pragmatismus fehlt mir da, die Schnelligkeit." In seinem Nachbarort zum Beispiel, wollten Eltern für eine Lüftungsanlage spenden, durften sie aber nicht, weil es dann nur in einem Ort eine gegeben hätte. Deutschlands Regelwahn – man muss ihn nicht verstehen.

"Ein bisschen beneide ich Sie"

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Hanan kümmert sich um ihre eigene Ausbildung und das Homeschooling ihrer Geschwister. bild: screenshot ard

Hanan kam vor fünf Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland. Nach ihrem Hauptschulabschluss macht sie nun eine Ausbildung zur Sozialassistentin und möchte irgendwann Medizin studieren. Im Moment aber vor allem von zu Hause aus, per Fernunterricht am Handy. Einen Laptop hat sie nicht. Die beiden iPads der Familie teilen sich die restlichen fünf Geschwister für den Schulunterricht. Der Vater spreche gut Deutsch, arbeite aber viel, die Mutter spricht kein Deutsch und kann den Kindern somit auch nicht bei den Hausaufgaben helfen, erzählt das junge Mädchen. Und so kann nur sie sich um ihre fünf Geschwister kümmern. Während sie selbst versucht, ihre Ausbildung in Corona-Zeiten am Handy absolvieren.

Klingt anstrengend und das ist es auch. Aber Frank Plasberg greift tief in den Sozialkitschtopf: "Sie haben es nicht leicht, aber ich bin Einzelkind, ein bisschen beneide ich Sie." Und dann legt er noch nach: "In zehn Jahren, da weiß ich nicht, ob es 'Hart aber fair' noch gibt, aber da möchte ich Dr. Hanan begrüßen."

Als Plasberg vom Einzelgespräch zurück kommt in die Runde kommt, klatschen die Anwesenden schüchtern Beifall für die engagierte junge Frau. Und Bildungsministerin Karliczek nennt sie "Powermädchen". "Ja, klatschen sie ruhig, wir haben ja kein Publikum", ermuntert Plasberg eine Gäste. Aber wie wir spätestens seit dem Umgang mit den Pflegekräften nach dem Balkonbeifall wissen: Danach kommt nicht mehr viel. Und gerade solche Missstände wollte die Runde ja eigentlich zumindest aufzeigen. Insofern muss man sagen: Chance verpasst, Herr Plasberg!

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