Tag 1: Dschungelprüfung

Auch die Dschungelcamp-Kult-Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow konnten die "Dschungelshow" nicht retten. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Dschungelcamp

"Dschungelshow": RTL ist mit dem Dschungelcamp-Ersatz gnadenlos gescheitert

Es war ein Wagnis, das zumindest fürs RTL-Publikum nicht besonders gut ausgegangen ist: In diesem Jahr ließ der Kölner Sender das reguläre Dschungelcamp in Australien wegen Corona ausfallen und präsentierte stattdessen die "Dschungelshow" aus einem Hürther Studio. Die Bedingungen und Regeln waren andere, mit dem Ergebnis, dass beinahe alles auf der Strecke blieb, was das Dschungel-Format im Wesentlichen ausmacht.

Katastrophal gewirtschaftet hat RTL unterm Strich zwar nicht, da sowohl die Einnahmen als auch Ausgaben für die "Dschungelshow" niedriger waren, doch die über die zwei Wochen hinweg massiv gesunkenen Einschaltquoten (von über 4 Millionen auf knapp 2 Millionen Zuschauer) senden ein klares und richtiges Signal: Die Ersatz-Show ist gescheitert.

Wo waren die Dschungelcamp-Extreme?

Von den insgesamt zwölf Bewerbern um das goldene Ticket fürs Dschungelcamp 2022 brachte RTL immer nur drei auf einmal in dem sogenannten Tiny House unter. Diesmal hatten die Kandidaten also ein richtiges Dach über dem Kopf und nicht nur das: Spätestens, als wir dabei zusehen durften, wie Zoe Saip anscheinend ihre ganz normale morgendliche Beauty-Routine absolviert, drängte sich die Frage auf: Was genau ist da der riesige Unterschied zu uns auf dem heimischen Sofa, die seit Monaten in Quarantäne leben?

Das Ex-Playmate Bea Fiedler mischt die

Bea Fiedler sorgte für Unterhaltung – in der "Dschungelshow" keine Selbstverständlichkeit. Bild: RTL/screenshot

Die Opfer, die die (Möchtegern-)Stars darbringen mussten, schienen im Vergleich zum Original nämlich geradezu lächerlich. Natürlich, Genussmittel wie Zigaretten waren begrenzt, doch selbiges galt für den Aufenthalt im Tiny House: Lediglich drei Tage statt wie üblich zwei Wochen mussten die Bewerber am Stück durchhalten. Wer vorzeitig ins Halbfinale gewählt wurde, durfte zwischenzeitlich sogar wieder nach Hause. Eine ansprechende Dynamik kam dadurch kaum auf, denn bereits beim Einzug war stets das Licht am Ende des Tunnels sichtbar.

Als nicht gerade förderlich für den Unterhaltungsfaktor erwies sich insoweit zudem die Aufteilung der Kandidaten in vier Gruppen. Zwischen zwölf Menschen auf einem Haufen geht nun einmal viel eher die Post ab als zwischen drei. Überwiegend war gähnende Langeweile im Tiny House angesagt, was RTL zunächst mit ausführlichen Rückblicken auf alte Staffeln zu kaschieren versuchte.

Dieser Aufbau der Sendung erntete jedoch rasch Kritik, sodass der Fokus zeitweise dann doch stärker auf die aktuellen Teilnehmer gelenkt wurde. Zumindest Bea Fiedler sorgte auch wirklich mal für ein wenig Action, schied ironischerweise aber gleich wieder aus – ein für die "Dschungelshow" geradezu bezeichnender Lauf der Dinge. Sicherlich wäre es indes zu kurz gedacht, die Unzulänglichkeiten der Sendung allein an den ansonsten weitgehend öden und selbst für Dschungelcamp-Verhältnisse viel zu unbekannten Kandidaten festzumachen.

Weichgespülte Prüfungen

Als endgültige Bankrotterklärung können schließlich die beiden Halbfinalsendungen gewertet werden, in denen lediglich eine Dschungeltauglichkeitsprüfung sowie ein anschließendes Interview auf dem Programm standen. Die Sendezeit hatte RTL zu dem Zeitpunkt schon von zwei Stunden auf eine Stunde verkürzt, als habe man sich das eigene Scheitern eingestanden. Die Prüfungen waren noch nie das Interessante am Dschungelcamp, plötzlich aber ist die Show beinahe darauf beschränkt.

Die Halbfinalisten mussten in 14 Metern Höhe über eine schmale Plexiglas-Planke laufen und auf dem Weg Sterne sammeln, nachdem sie zuvor auf einem Stuhl kurz schwindelig gedreht wurden. Von Krabbel- und Kriechtieren weit und breit nichts zu sehen. Die Challenge erinnerte eher an "Ninja Warrior", bloß auf minimalem Schwierigkeitsgrad. Sogar Mike Heiter, der angeblich unter Höhenangst leidet, meisterte die Aufgabe.

Tag 13: Dschungelprüfung-Tauglichkeitsprüfung

Lars Tönsfeuerborn im "Dschungelshow"-Halbfinale. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Das zweite Halbfinale setzte uns dann fast noch einmal das Gleiche in Grün vor, nur war hier ein Laufband statt einer Planke im Spiel. So vergrault man selbst die eingeschworensten Dschungel-Fans. Auch in der Tiny-House-Phase ließen die Prüfungen allerdings schon zu wünschen übrig, Ekel-Essen à la Känguru-Hoden etwa blieb den Kandidaten komplett erspart. Ob der Import zu teuer war?

Finale mit leichtem Hoffnungsschimmer

Das Finale bot dann zwar immerhin Schlangen. Die strahlten allerdings eher Ruhe und Gemütlichkeit aus, kein Vergleich zu den Schreckmomenten, die in vergangenen Jahren etwa Spinnen auslösten. Kurzum: Das Elend ging weiter. Mit dem letzten Duell zwischen Filip und Djamila kam dann tatsächlich wenigstens für ein paar Minuten mal echte Dschungel-Stimmung auf. Das Menü, das beide verspeisen sollten, war wirklich ausgesucht ekelhaft und beinhaltete unter anderem Rinderaugen, Gehirn und Madenwürmer. Uäh!

Was auch Mut macht: Mit Harald Glööckler stellte man bereits den zweiten Promi vor, der 2022 ins dann wieder originale Dschungelcamp einziehen soll. Sein aufgeklärter Auftritt lässt hoffen, dass er dort eine gute Rolle spielen kann.

Was allerdings wie die Faust aufs Auge passte: Die Zuschauer entschieden sich doch tatsächlich für Filip, nicht für Djamila. Völlig unverständlich, offenbar hatte die unterirdische Performance von RTL nun auch das Publikum angesteckt.

RTL muss sich mehr Mühe geben

Ein Reiz beim Dschungelcamp liegt übrigens darin, dass die Zuschauer entscheiden, wer die Prüfung absolviert, weshalb für jeden permanent Zittern angesagt ist. In der "Dschungelshow" dagegen mussten immer alle aus der Gruppe ran, man konnte sich also wenigstens vorab mental darauf einstellen, dass etwas leicht Unangenehmes passiert.

Niemand durfte erwarten, dass die "Dschungelshow" das Dschungelcamp vollwertig ersetzt. Sehr wohl erwartbar war jedoch, dass RTL sich ein wenig mehr Mühe gibt und mittlerweile weiß, was das Publikum sehen möchte. D-Promis, die drei Nächte in einem richtigen Bett schlafen und die meiste Zeit über gähnen, sind es jedenfalls nicht.

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