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Miss Grenada (Gugu Mbatha-Raw) bei den Vorbereitungen zur Miss World Wahl 1970. bild: eone Germany

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"Die Misswahl"-Star Gugu Mbatha-Raw über Frauenrechte: "Kampf ist noch nicht vorbei"

London, 1970: Sally Alexander (Keira Knightley) hat es satt, als Frau ständig benachteiligt zu werden. Insbesondere der alljährliche "Miss World"-Wettbewerb steht für sie sinnbildlich für ein veraltetes Frauenbild. Zusammen mit der rebellischen Jo Robinson (Jessie Buckley) will sie die Öffentlichkeit auf die Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen. Dabei hoffen sie auch auf die Hilfe von Außenseiterin "Miss Grenada" (Gugu Mbatha-Raw) Jennifer Hosten.

Am 1. Oktober startet mit "Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution" die Verfilmung eines wahren historischen Ereignisses in den Kinos, die nicht nur das Streben von (für damalige Zeiten) unangepassten Frauen für mehr Selbstbestimmung und den Kampf gegen Sexismus schildert, sondern auch die Geschichte der ersten schwarzen "Miss World" überhaupt, Jennifer Hosten, erzählt.

Watson sprach mit Jennifer-Hosten-Darstellerin Gugu Mbatha-Raw ("Black Mirror", "The Morning Show") über ihre Treffen mit der heute 72-jährigen "Miss World" von 1970, Feminismus im Wandel der Zeit und die noch immer männlich dominierte Filmbranche.

Den Trailer zu "Die Misswahl" seht ihr hier

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Video: YouTube/KinoCheck

watson: Gugu, hast du die echte Jennifer Hosten, die du in "Die Misswahl" spielst, kennenlernen können?

Gugu Mbatha-Raw: Ja, sie ist eine sehr beeindruckende Frau! Philippa Lowthorpe, unsere Regisseurin, hatte zuerst via E-Mail Kontakt mit Jennifer. Ich habe mich dann ebenfalls via E-Mail vorgestellt und gefragt, ob wir uns unterhalten können und sie mich bei der Rollenentwicklung unterstützen kann.

Und?

Wir haben dann telefoniert. Sie ist eine sehr offene und warmherzige Person, eine echte Lady. Ich habe sie als eine sehr weise und souveräne Frau kennengelernt. Es war wundervoll, mit ihr zu sprechen. Und dann konnten wir uns tatsächlich auch persönlich treffen.

Wie hast du dieses Treffen in Erinnerung?

Wir haben uns tatsächlich in ihrer Heimat Grenada getroffen, auch wenn sie mittlerweile in Kanada lebt. Es war mir für meine Rolle sehr wichtig, ihre Wurzeln kennenzulernen und vor Ort zu erleben, wie sie den Wettbewerb 1970 mit ihrer Kultur verändert hat. Es war ein sehr besonderes Erlebnis für mich. Wir waren einige Tage dort, sie brachte ihre Tochter und ich meine Mutter mit, wir haben lange über ihre Erinnerungen an die "Miss World"-Wahl 1970 geredet. Es war das erste Mal, dass Grenada überhaupt eine Teilnehmerin ins Rennen geschickt hat, also war es auch für das Land als solches eine ganz besondere Misswahl.

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Gugu Mbatha-Raw (r., mit Keira Knightley) als "Miss Grenada" 1970. bild: eone germany

Musstest du für deine Rolle auch einen Misswahl-Crashkurs besuchen?

So ähnlich! Wir hatten tatsächlich Stunden bei einem Coach für Körperhaltung, der in den 60er und 70er Jahren Models beigebracht hat, wie man korrekt sitzen und laufen soll. Das war eine faszinierende Erfahrung. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich von Natur aus eine gute Körperhaltung habe, ich mache viel Yoga, aber das war noch einmal etwas ganz anderes.

Inwiefern?

1970 wurde bei einer Misswahl viel mehr Wert darauf gelegt, wie eine Frau läuft, also musste auch ich an meinem Gang arbeiten und dabei in einem 70er-Jahre-Badeanzug über die Bühne laufen (lacht). Aber es hat Spaß gemacht! Und natürlich haben wir uns auch die Original-Aufnahmen der "Miss World"-Wahl von 1970 angesehen. Es gibt eine Szene im Film, in der die Kandidatinnen ihre Hintern in Richtung des Publikums drehen müssen. Das ist tatsächlich so passiert!

Ohne zu viel vom Film verraten zu wollen, begehren die Frauen in "Die Misswahl" irgendwann auf. Wie steht es deiner Meinung nach heute um die Gleichberechtigung?

Ich denke viel darüber nach, wie weit wir heute mit der Gleichberechtigung gekommen sind, wie Frauen in der Gesellschaft dargestellt werden. Deswegen ist es für mich immer sehr inspirierend, wenn ich davon höre, wie die vorherigen Generationen für die Rechte von Frauen gekämpft haben. Wir haben schon einiges erreicht, vieles, was wir heute als gegeben annehmen, war damals unvorstellbar. Aber der Kampf ist noch nicht vorbei.

Zum Beispiel?

Ich meine, Jennifer Hosten war 1970 die erste Woman of Color, die "Miss World" wurde und das war für damalige Verhältnisse natürlich bahnbrechend. Aber wir haben noch so viel Arbeit vor uns, was die Anerkennung von Women of Color in der Welt und Frauen generell anbelangt. Kurz: Wir haben schon einiges geschafft und ich hoffe, dass wir die folgenden Generationen inspirieren können, da weiterzumachen und sie weiterhin für die Rechte von Frauen kämpfen werden.

Du hast, für die immer noch sehr männlich dominierte Filmbranche, mit überdurchschnittlich vielen Produzentinnen und Regisseurinnen zusammengearbeitet. Absicht oder Zufall?

Um ehrlich zu sein: beides. Ich denke aber auch, dass die Frauen mir einfach die interessanteren Rollen angeboten haben (lacht)! Ich fühle mich einfach mehr zu Geschichten hingezogen, die aus Sicht von Frauen erzählt sind und Frauen in all ihren Facetten zeigen. Da sind die verantwortlichen Filmschaffenden eben meist auch weiblich. Ich würde mir aber auch wünschen, dass wir es irgendwann nicht mehr explizit erwähnen müssen, wenn es eine weibliche Regisseurin gibt, als wäre das etwas ganz Besonderes, was es heute aber leider noch ist.

(ab)

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