Joko Winterscheidt ist Moderator und mittlerweile auch Unternehmer.
Joko Winterscheidt ist Moderator und mittlerweile auch Unternehmer.
Bild: dpa / Jens Kalaene
Exklusiv

Joko Winterscheidt spricht über seinen "Bruder" Klaas, warum er seine Freizeit nicht mit ihm verbringt – und wie er versucht, nachhaltiger zu leben

17.05.2021, 16:37

Joko Winterscheidt ist vor allem in Kombination mit Kumpel Klaas Heufer-Umlauf aus dem ProSieben-Programm nicht mehr wegzudenken. Erst kürzlich ging ihre Show "Joko und Klaas gegen ProSieben" zu Ende, in der sie es immerhin zweimal schafften, ihren Haus- und Hofsender zu besiegen und sich jeweils 15 Minuten zusätzliche Sendezeit zu erspielen. Wobei sie für ihre erste Aktion #nichtselbstverständlich gleich sieben Stunden in Anspruch nahmen, um den Alltag einer Pflegekraft zu zeigen.

Joko und Klaas schrecken eben nicht davor zurück, sich auch unbequemen Themen zu stellen. Da passt es nur zu gut, dass Joko sich auch abseits seiner TV-Tätigkeit als Unternehmer im Bereich Nachhaltigkeit hervortut. Nach der "Jokolade" folgt nun mit "Cheerio" sein nachhaltiges Socken-Label. Bei watson spricht Joko darüber, wie wichtig ihm Nachhaltigkeit auch im Privaten ist, bezieht Stellung zu seiner Beziehung zu Klaas und verrät, warum es ein Kanzlerkandidaten-Interview bei Joko Winterscheidt künftig eher nicht geben wird.

watson: Joko, dein Heimatsender ProSieben hatte nun erstmals den Zuschlag für ein Kanzlerkandidatinnen-Interview bekommen. Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind durften übernehmen. Hand aufs Herz: Hättest du es gern gemacht?

Joko Winterscheidt: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht und ich habe auch nicht den Anspruch, alles machen zu wollen. Es gibt genügend Leute in diesem Land, die genau wie Katrin oder Thilo sehr gut in dieser Art von Interviews sind. Louis Klamroth zum Beispiel. Bei ihm würde ich gerne alle Kandidatinnen und Kandidaten sehen wollen.

"Wir sind viel mehr als Freunde, das meine ich ernst."

Also keine großen Kanzlerkandidatenchecks mit Laschet und Scholz by Joko Winterscheidt?

Ganz ehrlich: Nein. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Ich muss jetzt nicht mit solchen Gesprächen mein Ego streicheln. Da gibt es einfach Menschen, die das besser können. Ich könnte zwar ein Gespräch mit diesen Menschen führen, aber das würde auf einer sehr emotionalen Ebene stattfinden, ob das zielführend wäre, weiß ich nicht.

Eventuell im Duo mit Klaas. Quote würde so eine politische Sendung sicherlich bringen.

Mit Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel haben gerade zwei Menschen, die ich sehr mag und schätze, ein solches Projekt begonnen. Da muss ich nicht auch noch in diesem Becken unterwegs sein. Wie schon gesagt, ich muss nicht alles machen.

Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel bekommen ein eigenes Format bei ProSieben.
Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel bekommen ein eigenes Format bei ProSieben.
Bild: dpa / Michael De Boer

Du hast Klaas nun ein Denkmal in Berlin gesetzt. Als was siehst du euch – Kollegen, Freunde…

… nee, wir sind Brüder. Wir sind viel mehr als Freunde, das meine ich ernst. Blut ist dicker als Wasser und Familie kann man sich nicht aussuchen. Klaas hat selbst einmal gesagt, ich sei der Bruder, den er nie haben wollte. Wir sind einfach Familie geworden.

Also keine Zweckgemeinschaft, wie es manchmal heißt?

Über Aussagen wie "Das ist eine Zweckgemeinschaft" lachen wir. Wir haben uns nicht gesucht, aber wir haben uns gefunden. Ich weiß zu 100 Prozent, was ich Klaas zu verdanken habe und er weiß genauso gut, was er mir zu verdanken hat. Wir sind vor allem dankbar, dass wir das alles gemeinsam erleben dürfen und wir sind noch lange nicht am Ende.

"Im Großen und Ganzen ist es die engste Beziehung, die man zu einem Menschen beruflich als auch privat haben kann."

Dennoch verbringt ihr eure Freizeit nicht miteinander.

Bei der Intensität, in der wir aufeinander gehangen haben, fünf bis sieben Tage die Woche, da musst du nicht auch noch am Wochenende Zeit miteinander verbringen. Das haben wir eine Zeit lang gemacht, aber es war zu viel. Das sind normale Erkenntnisse, dass es nicht sein muss. Dann lässt man es halt. Im Großen und Ganzen ist es die engste Beziehung, die man zu einem Menschen beruflich als auch privat haben kann. Keiner kennt mich besser als Klaas und ich würde auch das gleiche von mir über ihn behaupten.

Wieso?

Weil wir so viel gemeinsam erlebt haben in unglaublich absurden Situationen. Dadurch haben wir auch jede Nuance des Charakters des anderen kennenlernen dürfen. Zeitgleich – und das ist das Absurde – sind wir bei den großen Themen immer einer Meinung. Wenn wir uns streiten, dann eher über Kleinigkeiten. In der ganzen gemeinsamen Zeit sind wir so zusammengewachsen, dass wir unzertrennlich sind.

Das heißt, einzeln vor der Kamera zu stehen oder mit einem neuen Partner kommt nicht infrage?

Darüber mach ich mir gar keine Gedanken. Zum einen hat Klaas "Late Night Berlin" und ich "Wer stiehlt mir die Show!?". Da stehen wir ja alleine vor der Kamera. Aber es ging uns, nicht zuletzt wegen dieser Projekte, nie besser im Miteinander, das zeigt sich ja allein an den 15 Minuten, als ich ihm die Statue geschenkt habe und ihm sagte, was für ein toller Mensch er ist. Wenn ich an die Zukunft denke, geht es nicht darum, welche Rolle Klaas dabei spielt, ich weiß, dass das, was wir noch an Plänen in der Schublade haben, einen amtlichen Zeithorizont beinhaltet. Es entscheiden aber am Ende andere darüber, ob wir dann noch da sind oder nicht. Wenn es nach uns geht, wird es noch eine ganze Weile so gehen.

Joko ließ für Klaas eine Statue in Berlin errichten.
Joko ließ für Klaas eine Statue in Berlin errichten.
Bild: dpa / Mai Wieland

Auch wenn es keine Politik-Sendung geben wird, gesellschaftspolitisch in puncto Nachhaltigkeit engagierst du dich hingegen doch. Wie kamst du auf die Idee, ausgerechnet nachhaltige Socken zu entwickeln?

Ich war früher schon mal an einem Socken-Label beteiligt, habe mich davon aber getrennt. Nun habe ich gemerkt, dass mir etwas im Leben fehlt und dachte mir, wenn ich nochmal etwas in diese Richtung mache, dann zusammen mit meinem Kumpel Tarek Müller von "About You".

"Wir wollten nicht nur ein Socken-Label, wir wollten eine super saubere Socke."

Und wie ging es dann weiter?

Wir haben sofort gesagt, dass wir es anders machen. Wir wollten nicht nur ein Socken-Label, wir wollten eine super saubere Socke. Der Grundgedanke war: Wenn man so etwas Banales wie eine Socke CO2-neutral hinbekommt, dann kann man das leichter auch auf andere Produkte skalieren und vielleicht können wir sogar ein wenig notwendige Veränderung vorleben.

Joko Winterscheidt hat mit "Cheerio" ein nachhaltiges Socken-Label gegründet.
Joko Winterscheidt hat mit "Cheerio" ein nachhaltiges Socken-Label gegründet.
Bild: dpa / Jens Kalaene

Keine leichte Aufgabe.

Wir mussten bei "Cheerio" leider schnell feststellen, wie komplex es ist, wenn man wirklich sauber sein will. Wenn das schon bei so etwas Banalem wie einer Socke fast unmöglich ist, wie machen das dann all die anderen, die behaupten, sauber zu sein?

Ihr produziert in der Türkei. Ohne CO2-Abdruck nach Deutschland zu transportieren, ist schon quasi unmöglich…

Da hast du vollkommen Recht. Wir denken da eher im Kleinen und wie wir es stattdessen kompensieren können. Wir haben uns letztendlich für die Türkei entschieden, weil Thomas – einer unserer Gesellschafter – dorthin beste Kontakte hat und wir so einen Impact auf den Produzenten haben konnten. Mit ihm haben wir besprochen, wie wir dessen Produktion grüner bekommen, was wiederum für uns gut ist – und für all die anderen, die bei ihm produzieren. Das sind wirklich große namhafte Brands, die im gleichen Werk produzieren. Das hat einen Einfluss auf die anderen Labels, die bei ihm produzieren lassen und schlussendlich auch auf eine ganze Branche.

"Das Problem Klima auf einer Finanzebene zu diskutieren, ist falsch."

Das klassische Argument ist: Klimaschutz ist teuer.

Ich denke, das Problem Klima auf einer Finanzebene zu diskutieren, ist falsch. Man muss es auf einer Klima- und Wirkungsebene diskutieren und schauen, was die Investments sind, die wir tätigen können. Wir müssen das Thema einfach positiv angehen. Es macht ja Spaß darüber nachzudenken und ich finde es motivierend zu sagen: Ich will etwas verändern. Wir müssen gemeinsam Lösungen finden und jeder kann seinen Teil dazu beitragen.

Für "Cheerio" forsten Joko und seine Geschäftspartner einen Monokulturwald zu einem diverseren Mischwald um.
Für "Cheerio" forsten Joko und seine Geschäftspartner einen Monokulturwald zu einem diverseren Mischwald um.
null / HUEBENTHAL

Zusätzlich gibt es bei euch einen eigenen "Cheerio"-Wald. Wie kommt ein Label zu einem Wald?

Durch die Deutsche Wildtierstiftung. Wir haben ganz klassischerweise am Anfang gedacht, wir kompensieren alles über das Pflanzen von Bäumen, denn das ist das Nachhaltigste und Sinnvollste, was du machen kannst. Aber wir mussten dann feststellen, dass wir keinen Anspruch darauf haben, die CO2-Bilanz damit zu korrigieren. Denn alles, was an Biomasse in diesem Land wächst, ist schon in der CO2-Bilanz des Staates berechnet.

Und wieso dann dennoch ein Wald?

Wir mochten die Idee einfach. Zusammen mit der Deutschen Wildtierstiftung haben wir geschaut, was man im Wald selbst verändern kann, damit er der Klimaerwärmung von 1,5 Grad, der wir ja versuchen den Riegel vorzuschieben, standhalten kann. Nun forsten wir den Monokulturwald, der größtenteils aus Nadelhölzern besteht, zu einem diverseren Mischwald um, der auch den 1,5 Grad standhält und noch weiter CO2 kompensiert. So tun wir langfristig etwas Gutes.

Wie sehr beeinflusst diese Haltung deinen Alltag?

Ich fliege seit fast zwei Jahren quasi gar nicht mehr innerhalb Deutschlands und seit Covid kann ich überhaupt nicht mehr sagen, wann ich das letzte Mal in einem Flieger saß. Nun fahre ich Bahn, oder wenn die Strecke kürzer ist, mit dem Auto. Außerdem habe ich, ohne dass ich es als Verzicht empfinde, meine Ernährung umgestellt und esse nur einmal die Woche – oder noch seltener – Fleisch.

Und wie geht’s dir damit?

Gut bis sehr gut. Allein mit dem reduzierten Fleischkonsum hat man einen wahnsinnigen Impact auf den CO2-Ausstoß und ich vermisse es kein Stück. Ansonsten habe ich mir eine Solaranlage aufs Dach gebaut, fahre ein Elektroauto, auch wenn das sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber wenn der Strom hier vom Dach kommt und in mein Auto fließt, ist das ein gutes Gefühl. Aber auch sonst habe ich einfach sauberen Strom. Ich weiß, dass sich nicht jeder ein Elektroauto kaufen und sich eine Solaranlage aufs Dach setzen kann. Aber ich denke, dass jeder in seinem Leben kleine Positionen hat, die leicht zu verändern sind.

"Ich kann durchaus mit anderen Meinungen umgehen, aber alles, was radikal ist, rechtes Gedankengut beinhaltet, dulde ich nicht."

Oft werden ja gerade diejenigen kritisiert, die bereits versuchen, deutlich nachhaltiger zu leben. Sobald dann aber eine Sache nicht ins öffentliche Bild passt, etwas nicht Bio ist oder Ähnliches, bricht der Shitstorm los. Hast du das auch bereits erlebt?

Ja, aber da muss man mit umgehen können. Es ist immer leichter, mit dem Finger auf die zu zeigen, die sich in einem Veränderungsprozess befinden, als sich selbst zu hinterfragen. Wenn mir Menschen auf Instagram schreiben und vorwerfen, dass mein Verhalten heuchlerisch sei, weil ich vor Jahren ja noch geflogen bin, macht es mir Spaß, darauf zu reagieren. Die meisten Unterhaltungen, die dadurch entstehen, werden sehr konstruktiv. Wenn es aber zu stumpf wird, dann sollte man auch ganz klar die Leute vom Profil löschen. Eine klare Haltung hilft da. Ich kann durchaus mit anderen Meinungen umgehen, aber alles, was radikal ist, rechtes Gedankengut beinhaltet, dulde ich nicht.

Neben der Socken-Unternehmung bist du mittlerweile an so vielen Firmen beteiligt. Wein, Fahrräder, Schokolade, um nur einige zu nennen. Siehst du dich mittlerweile eher als Unternehmer statt als TV-Moderator und Entertainer?

Nein. Das eine ermöglicht das andere. Es ist ja auch für mich die Gelegenheit, das, was ich verdient habe, nicht auf der Bank liegen zu haben, sondern ein Investment zu tätigen. Ich kann außerdem dazu beitragen, dass sehr schnell eine große Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt wird.

Dein Name hat natürlich Zugkraft.

Letztendlich habe ich großen Spaß daran, die Leidenschaft und die Visionen der Menschen, mit denen ich arbeite, zu unterstützen. Ich bin selbst so erzogen worden, dass man das, was man erfahren hat, idealerweise auch weitergibt. Es gab in meinem Leben immer Menschen, die an mich geglaubt haben. Deshalb nutze ich den Job, der mir den Lebensunterhalt sichert – das Fernsehen und die Moderation –, um das, was mir auf vielen Ebenen Freude bereitet, voranzubringen.

"Irgendwann ist man vielleicht nicht mehr 'The hottest Shit' und darf nicht mehr Fernsehen in der Freiheit machen, wie wir es gerade dürfen."

Also ist es tatsächlich so, dass du dein Geld durch das Fernsehen verdienst?

Ja, und das ist auch ok. Ich teile mir ja auch schon seit 15 Jahren die Bühne mit Klaas – darüber bin ich jedes Mal selbst überrascht. Ich habe ja auch nicht auf der Ebene angefangen, auf der ich jetzt bin. Das habe ich mir hart erarbeitet. Es ist mir nicht in den Schoß gefallen, dass ich sagen kann, damit verdiene ich mein Geld. Ähnlich denke ich da aber auch bei einigen Beteiligungen. Wer weiß, was da in 15 Jahren passiert. Unternehmertum ist keine Lotterie, bei der du am Mittwoch sechs Zahlen ankreuzt und dann am Samstag gewinnst. Das ist ein Prozess, der dauert. Vielleicht sind ja in 15 Jahren auch ein oder zwei Unternehmungen dabei, die gewachsen sind und mir die Rente sichern.

Joko Winterscheidt denkt bereits an die Zeit nach der TV-Karriere.
Joko Winterscheidt denkt bereits an die Zeit nach der TV-Karriere.
Bild: dpa / [b'ProSieben', b'Jens Hartmann']

An die Zukunft und eine Zeit nach der TV-Karriere denkst du also auch bei deinen Investitionen?

Das ist einer der Gründe. Irgendwann ist man vielleicht nicht mehr "The hottest Shit" und darf nicht mehr Fernsehen in der Freiheit machen, wie wir es gerade dürfen. Dann kann ich vielleicht in einem der Unternehmen arbeiten, in die ich investiert habe und habe dadurch weiterhin ein Einkommen. Wir wissen alle, wie schnelllebig diese Welt geworden ist und sich da nachhaltiger aufzustellen, ist sicherlich nicht falsch.

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