Ex-"Germanys Next Topmodel"-Kandidatin Lijana Kaggwa äußert sich trotz Verschwiegensheitsklausel offen über ihre "GNTM"-Erfahrung.
Ex-"Germanys Next Topmodel"-Kandidatin Lijana Kaggwa äußert sich trotz Verschwiegensheitsklausel offen über ihre "GNTM"-Erfahrung.Bild: Screenshot: YouTube/Lijana Risen

Manipulation und Erpressung: Ex-"GNTM"-Kandidatin erhebt schwere Vorwürfe

19.05.2022, 10:31

"Mein erstes Youtube-Video nach so langer Zeit und dann gleich eins, wofür ich verklagt werde ..." Mit diesen Worten eröffnet die Ex-"GNTM"-Kandidatin Lijana Kaggwa (Staffel 2020) ein Video, das jetzt hohe Wellen schlägt. Denn die Vorwürfe, die sie gegen die Produktionsfirma erhebt, wiegen schwer. Sie reichen von Manipulation über psychische Gewalt bis hin zu anderen fragwürdigen Praktiken.

Triggerwarnung: Im folgenden Text geht es um das Thema Suizidgedanken und emotionale Erpressung. Das kann belastend und retraumatisierend sein. Bei der Telefonseelsorge findest du 24 Stunden am Tag Hilfe: 0800 1110111

In der Vergangenheit gab es des Öfteren den Vorwurf, die ProSieben-Show "Germanys Next Topmodel" sei "fake" und der Schnitt so gemacht, dass jede Kandidaten entsprechend einer ihr von der Produktion zugeteilten Rolle dargestellt werde. Dass zumindest Letzteres der Wahrheit entsprechen dürfte, ist ein offenes Geheimnis.

Andere Ex-Kandidatinnen sagten jedoch, dass die Sendung nicht nach einem Drehbuch ablaufe. Nur der Schnitt lasse Situationen anders wirken, als sie tatsächlich passierten.

Wegen der Sendung: Früher "super selbstbewusst", danach depressiv

Doch Ex-Kandidatin Lijana äußert jetzt Vorwürfe, die viel weiter gehen. Die Folgen für die damalige "Staffel-Zicke" demnach: Depressionen, Angstzustände und Suizidgedanken.

In der Staffel wurde Lijana als die "Zicke" dargestellt.
In der Staffel wurde Lijana als die "Zicke" dargestellt.Bild: Screenshot: Instagram/Lijana.gntm.2020

Vor der Ausstrahlung der Sendung sei sie "super selbstbewusst und fröhlich" gewesen. Danach habe sich jedoch für sie alles geändert. Denn das Redaktionsteam hat es sich, so die Vorwürfe, zur Aufgabe gemacht, sie als Zicke darzustellen. Der Grund: Drama treibe die Zuschauer-Quote nach oben. "Um die zu erreichen, wird nichts dem Zufall überlassen", ist Lijana überzeugt.

Offenbar hat Lijana während des Drehs nicht gewusst, dass sie die Zicke sein sollte. Erst bei Ausstrahlung der Sendung sei ihr vieles klar geworden. Etwa, dass psychische Stresssituationen nicht nur ein Nebeneffekt des Konkurrenzkampfes waren, sondern bewusst provoziert wurden.

Als "Gefangene" in bewusst provozierten Stresssituationen

So durften die Kandidatinnen während der drei Monate die Unterkünfte nicht verlassen, keinen Spaziergang machen, nicht einkaufen gehen. Sonst drohe der sofortige Rausschmiss. Außerdem nahm das Produktions-Team allen Kandidatinnen ihre Handys ab. TV schauen, Netflix und zucker- oder fetthaltige Lebensmittel waren laut der Kandidatin tabu. "30 Mädels eingesperrt, ohne Handy, ohne alles", erzählt Lijana. Stress sei da vorprogrammiert.

Offenbar sei sogar "Futterneid", wie sie es nennt, bewusst provoziert worden. Etwa, indem das Team den Models nur eine Schale Erdbeeren für 30 Frauen brachte, obwohl sie 15 bestellt hatten. Auch Kaffee habe es keinen gegeben.

Zickenkrieg unter den Models wurde bei der Show provoziert, behauptet Lijana.
Zickenkrieg unter den Models wurde bei der Show provoziert, behauptet Lijana. Bild: ProSieben / Richard Hübner

Die emotionale Belastung sei enorm gewesen. Das Redaktionsteam sowie eine "Nanny", die am Set rund um die Uhr anwesend gewesen seien, hätten sich als Vertrauenspersonen präsentiert. "Die zweite Familie wird die Redaktion und das Team. Wir fingen an, Vertrauen aufzubauen. Dieses Vertrauen wurde ausgenutzt, um uns so zu manipulieren, dass man das macht, was sie wollen", sagt das Model.

Manipulierte Interviews und "in den Mund gelegte" Aussagen

In Interviews werde manipuliert, um von den Kandidatinnen die gewünschten Aussagen zu bekommen. Etwa, indem Redakteure die Frauen zwangen, die Fragestellung in ihrer Antwort wieder aufzugreifen.

"Das kam nicht aus meinem Mund, ich musste die Frage wieder aufgreifen"

So werde aus einem: "Ich fand sie (die andere Kandidatin) gut, deswegen glaube ich, dass sie weiterkommt" zunächst ein "Tamara war diese Woche überhaupt nicht gut, ich glaube aber, dass sie weiterkommt." Die Zuschauer bekämen durch den Schnitt dann nur noch die Aussage "Tamara war diese Woche überhaupt nicht gut" präsentiert. Lijana behauptet: "Das kam nicht aus meinem Mund, ich musste die Frage wieder aufgreifen".

Solche Situationen waren laut der 25-Jährigen bei "GNTM" Alltag. Zudem durften die Frauen demnach bei Streits nur miteinander darüber sprechen, wenn das Kamerateam anwesend gewesen sei. Von Seiten der Redaktion seien sogar Anweisungen und "Tipps" erteilt worden, über welche Themen auf welche Art und Weise geredet werden musste.

Lijana behauptet: Füße einzelner Models wurden eingecremt, um Sturz zu verursachen

Doch damit nicht genug: Um Streitereien zu provozieren, habe das Redaktionsteam zusätzlich falsche Informationen gestreut. Etwa, dass andere Kandidatinnen gerade über eine andere lästern. "Dieser künstliche Stress führt zu einem super laufenden Uhrwerk", sagt Lijana. Der letzte Zeiger, der auf dieser Uhr fehle, sei der Schnitt.

"90 Minuten reine Sendezeit ist aus vier bis fünf Drehtagen mit acht bis zwölf Stunden Material von vier bis sechs Kameras. Da kann man alles draus schneiden", behauptet das Model. Die Geschichten würden also nicht vollständig erzählt.

Lijana zeigte sich überglücklich, als sie ihren Ausstieg vor dem Finale bekanntgab.
Lijana zeigte sich überglücklich, als sie ihren Ausstieg vor dem Finale bekanntgab. Bild: Screenshot:ProSieben

Außerdem behauptet Lijana: Es kommt nicht diejenige eine Runde weiter, die die beste ist. Der Manipulations-Vorwurf, den sie in diesem Zusammenhang erhebt, wiegt schwer. So hätten Stylisten bei der ersten Fashion-Show gezielt einzelnen Models die Füße eingecremt. Damit rutsche man in High-Heels "dermaßen" – diese Models hätten keine Chance gehabt und seien über den Laufsteg gestolpert.

Lijana behauptet außerdem, Heidi Klum entscheide selbst gar nicht wirklich, wer rausfliege, sondern die Produktionsfirma und Redaktion dahinter, die die Dramaturgie verwalten: "Wer weiterkommt, ist Heidi einfach komplett egal."

All das bleibt nicht ohne Folgen. In dem brisanten Video berichtet Lijana, was die Manipulationen bei ihr anrichteten. Da sie die undankbare Rolle der "Zicke" zugeteilt bekommen hätte, sei der Hass, der mit Ausstrahlung der Sendung aufkam, enorm gewesen. Sie liest manche Nachrichten vor, die sie damals "sekündlich" bekommen habe. Eine der Schlimmsten: "Wenn ich dich mal sehe, spucke ich dir ins Gesicht und am liebsten würde ich dich schlagen und dich richtig fertig machen".

Suizidgedanken und Depressionen als Folge – jetzt will Lijana gegen Cybermobbing mobil machen

"Beim ersten Mal lachst du darüber. Aber beim 300. Kommentar fängt man in Gedanken an, zu glauben, was die Leute da schreiben. Dass man nichts wert ist und es der Familie besser gehen würde ohne dich." Das seien Momente gewesen, in denen sie anfing, depressiv zu werden, sich im Zimmer einzuschließen und Schlafstörungen sowie Selbsthass zu entwickeln. Sie soll sogar unter Polizeischutz gestellt worden sein. Auch ihre Mutter sei auf offener Straße beleidigt worden. All das mündete schließlich in Suizidgedanken, sodass sie sich Hilfe gesucht habe.

In ihrer Not kontaktierte sie nach Ausstrahlung der ersten Folgen die Produktionsfirma "Redseven Entertainment" und flehte diese um Hilfe an, wie Lijana behauptet. Diese habe jedoch "Folge für Folge" weiter am Zicken-Image der Kandidatin gearbeitet. Zudem behauptete sie, dass ein Psychologe, der ihr an die Seite gestellt wurde, außerdem ein Medienberater gewesen sei, der in erster Linie im Sinne der Produktion gearbeitet hätte.

Sie sei nicht die einzige gewesen, der es so ergangen sei. Sie enthüllt: Vanessa Tamkan (Kandidatin von 2019) war demnach das gleiche passiert. Sie hatte damals die Zuschauer geschockt, als sie kurz vor dem Finale den Ausstieg verkündete.

In diesem Video erhebt Lijana schwere Vorwürfe gegen "GNTM".Video: YouTube/Lijana Risen

Auch Lijana stieg aus – und will sich nicht mehr als Opfer sehen, sondern eine Stimme gegen Cybermobbing erheben. Trotz möglicher rechtlicher Konsequenzen, da sie eine Verschwiegenheitsklause unterschrieben hat, rechnet sie mit der Produktionsfirma ab. Sie betont, dass diese unabhängig von ProSieben oder Heidi Klum arbeite, diese möglicherweise also nichts über die Bedingungen wüssten. Von der Show möchte sie sich dennoch distanzieren.

Wenn du jemanden kennst, der Suizidgedanken hat oder selbst welche hast
Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, dich in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest – hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich.

Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111.

Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Bei MuTeS arbeiten qualifizierte Muslime ehrenamtlich.

Hier findest du eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland.

"GNTM"-Produktion bezieht Stellung

Vor allem auf Instagram regt sich mittlerweile aufgrund von Lijanas Ausführungen große Kritik an der Produktion. Mit dem offiziellen Account gab sie nun ein Statement ab, versteckt in den Kommentaren zu einem Foto einer aktuellen "GNTM"-Kandidatin. Dort steht wörtlich: "Lijana scheint in ihrer Aufregung ein paar Dinge vergessen oder vertauscht zu haben. Nicht zuletzt für sie und mit ihr hat ProSieben während der Staffel eine Anti-Cybermobbing-Kampagne initiiert."

Während der Staffel hätten Lijana außerdem viele Experten unterstützt: Unter anderem die ProSieben-Konzernsicherheit in Zusammenarbeit mit der Polizei, das ProSieben-Künstlermanagement in Form von Geldzuschüssen und ein Psychologe, der sich auch noch nach dem Finale um sie gekümmert hat." Schließlich heißt es in dem Statement:

"Wir möchten feststellen, dass der Psychologe Michael Thiel kein Medienberater ist."

Die Produktion sei zudem überrascht darüber, dass sich Lijana derart äußert und zwar zwei Jahre nach dem "GNTM"-Dreh. "Wir wünschen Lijana alles Gute für die Zukunft", schließt das Statement ab.

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