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Dieter Nuhr auf der Bühne, kleines Bild: Greta Thunberg. Bild: screenshot ard/imago/watson montage

Greta Thunberg: Dieter Nuhr ignoriert Klimaaktivistin – und überrascht mit Live-Show

dirk krampitz

Ganz am Ende seufzt Dieter Nuhr, worüber man noch Witze machen solle, es sei ja immer jemand beleidigt. Aber davor hat er 75 Minuten Shitstorm-Material abgeliefert, zumindest für die leicht Erzürnbaren unter den Moslems, Gender-Aktivisten, Helikopter-Eltern und Umweltschützern – und das ganz ohne Greta Thunberg zu erwähnen, die ihm in 2019 den größten Shitstorm seiner Karriere eingebracht hat.

Der RBB hat Dieter Nuhrs Bühnen-Programm „Nuhr Live“ im Berliner Museum für Kommunikation aufgezeichnet. Nuhr, der eigentlich im Reihenhaus-Dorado Ratingen bei Düsseldorf wohnt, gibt zu, regelmäßig auch einen Teil des Jahres in Berlin zu leben. Die Hauptstadt sei „ein runtergekommenes Loch. Wie Sudan oder Bolivien nur ohne Landschaft“, findet der Kabarettist, der seine Freizeit für lange Reisen nutzt. In Berlin sei „das Leben. Aber man will ja auch was Schönes sehen“.

Nuhr und das Gender-Dingsbums

Die von Nuhr so geschmähte Hauptstadt war auch ziemlich weit vorn, als es um die Unisex-Toiletten und die Genderdebatte ging. Stichworte, die Nuhr gerne aufnimmt. Er nennt es: „trans – inter und dingsbums“. Er bedauere wirklich, dass an diesem Abend „keine einzige Frau auf der Bühne“ stehe, aber sein Programm sei leider ein Soloprogramm. Aber: „Ich spreche zu Ihnen als Frau im Körper einer rasierten männlichen Lesbe.“ Aber trotz aller Witze, stellt Nuhr klar, dass er jedem Wesen zubilligt, sein Geschlecht für sich selbst festzulegen.

Sein simpler Rat ans Publikum ist ein rustikaler Aufruf zu Toleranz: „Akzeptieren Sie es, es kann Ihnen doch scheißegal sein.“ Er selbst habe zu Hause seit Jahrzehnten ein Unisex-Klo. Sein einziger Wunsch, wenn es überall Unisex-Klos geben sollte: Die Frauen sollten doch bitte etwas mehr auf Sauberkeit achten. Auf Frauentoiletten sei alles so vollgespritzt wie durch „eine völlig verkalkte Brause in alle Richtungen“. Er demonstriert dann auch noch, wie sich Frauen seiner Meinung nach auf den öffentlichen Toiletten verrenken, um ja nichts zu berühren.

Ein Programm wie eine Frauentoilette

Ähnlich handhabt es Nuhr auch in seinem Programm: Er pinkelt jedem an Bein: Demokratie beschreibt er als „Trottel, Spacken – alle dürfen mitmachen“. Das Wahlrecht erlösche erst bei völligem Hirntod. „Das wird aber zu wenig überprüft.“ Die heutigen Jugendlichen hätten durch übermäßigen Internetkonsum „Digitalherpes“, also „Bläschen im Kopf“ statt im Schritt – außerdem wären alle fett: Kinder, Mütter, Väter.

Sein eigener Spielplatz sei früher noch die Teppichklopfstange gewesen. Heute würden Kinder sogar auf dem Dreirad, das nicht umkippen kann, einen Helm tragen. So einen Helmträger hätten er und seine Freunde damals wohl verprügelt, mutmaßt er. „Und zwar zu Recht. So lange bis er eingesehen hätte, dass so ein Sturzhelm keine Schmerzen abhält.“ Diese Gewaltfantasien- und Schmähungen sind nur mittellustig, aber sie verhallen schnell, weil Nuhr zum nächsten Thema galoppiert.

Keine Spitze gegen Greta Thunberg

Die Umwelt. Auch wenn er Greta außen vor lässt, hält er den Klimaaktivisten und der allgemeinen Weltende-Stimmung offensiv entgegen und setzt dabei vor allem auf Zahlen und Statistiken, die die meisten Leute ja nicht verstehen würden: Der Ausstoß von Treibhausgasen sei in den vergangenen Jahren um 20 Prozent gesunken, im Rhein leben wieder Lachse, während er in seiner Jugend „nach Scheiße und Chemie“ stank, weil genau das darin schwamm.

„Alle tun so, als hätte sich nichts getan. Ich bin grün alternativ sozialisiert, aber irgendwann habe ich die Realitätsverweigerung nicht mehr hinbekommen.“

Ein Jahr lang habe die Hysterie um Stickoxide getobt „und nebenbei unsere Autoindustrie kaputt gemacht“. Heute rede keiner mehr davon. Und dabei würden die 15 größten Schiffe der Welt soviel Stickoxide ausstoßen, wie alle deutschen Autos in 16,5 Jahren. Zudem seien Stickoxide nicht tödlich, sondern nur „lebensverkürzend“ – aber das sei Salami wissenschaftlich nachgewiesen ja auch. Tempo 30 als Umweltschutzmaßnahme hält er für eine vorgeschobene Begründung. „Motoren verbrennen am saubersten bei Tempo 90 – auch in der Spielstraße.“

Dieter Nuhr über den Islam

Fast so gerne wie beseelten Umweltaktivisten widmet sich Nuhr verbohrten Moslems. Über die Burka tastet er sich langsam ans Thema heran. „Wenn jemand meint, der liebe Gott will, dass wir uns einen Sack überziehen – von mir aus, ich will nur nicht, dass sie mich damit behelligen.“ Eine Männerburka könne er sich jedoch für den „Bonsai-Hitler“ Björn Höcke (AfD) jedoch ziemlich gut vorstellen „Sack drüber, schalldicht“.

Ernst wird Dieter Nuhr dann als er den Koran „unhöflich“ nennt, weil darin aufgerufen werde, alle Ungläubigen zu töten. „Man sollte alles kritisch betrachten, woraus Menschen eine Berechtigung zur Gewalt ableiten“, findet Nuhr und fordert: Muslime müssten sich gegen im Namen des Korans begangene Gewalttaten positionieren. „Als Deutscher geht es mich auch an, was unter deutschem Namen passiert ist.“ Denn er höre im Ausland oft „Hitler!“ als erste Assoziation. Im arabischen Raum sei das meist als Kompliment gemeint. „Sie denken ‚Hitler guter Mann, leider nicht fertig geworden‘.“ Da müsse man dann Verantwortung übernehmen.

Umso erstaunlicher ist dann am Ende Dieter Nuhrs Fazit:

„Die Welt war noch nie besser als heute.“

Perfekt sei sie aber noch nicht, es sei noch einiges zu tun. „Wir müssen am Klimawandel arbeiten, CO2 aus der Luft ziehen zum Beispiel“, gibt Dieter Nuhr aber dann doch zu. Na, das klingt doch fast nach einem Happy End mit Greta.

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