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Rapper Dave wurde bei den Brit Awards für das Album des Jahres ausgezeichnet – und nutzte seinen Auftritt für politische Statements. Bild: reuters

UK-Rapper nennt Boris Johnson bei den Brit Awards einen Rassisten – und wird gefeiert

Die Brit Awards sind eigentlich wie jede Award-Show: Ein gigantisches Schaulaufen mit jeder Menge Raum für Selbstbeweihräucherung. Doch einer spielte da nicht mit. UK-Rapper Dave wurde bei seinem Live-Auftritt politisch – und teilte unter anderem gegen Premierminister Boris Johnson aus.

Bei der Performance seines Songs "Black" fügte er spontan einige Zeilen hinzu, die sonst nicht Teil des Texts sind.

"Es ist rassistisch, ob es sich rassistisch anfühlt oder nicht. Die Wahrheit ist, unser Premierminister ist ein echter Rassist."

Tatsächlich gibt es eine lange Liste von rassistischen und sexistischen Äußerungen Johnsons. Unter anderem hatte er Afrikanern ein "Wassermelonen-Lächeln" attestiert und sie als treudoofe Fans der Queen dargestellt, malaysischen Frauen unterstellt, sie wollten nur schnell einen Mann zum Heiraten finden oder Frauen, die eine Burka tragen, als "Briefkästen" verspottet.

Nicht nur Johnson ist ein Problem

Doch Dave machte nicht etwa bei Johnson halt. Als Nächstes nahm er sich die berüchtigte britische Boulevardpresse vor, der er ebenfalls Rassismus vorwarf.

"Wenn du es nicht verstehen willst, wirst du es nie verstehen. Wie unterschiedlich die Presse Kate und Meghan behandelt."

Damit spielt er auf die Berichterstattung über die beiden Ehefrauen der Prinzen William und Harry an. Während die weiße Frau von William, Kate, meist in einem sehr positiven Licht dargestellt wird, bekommt Meghan, die Frau von Harry, die afroamerikanische Wurzeln hat, oft sehr viel Kritik ab.

Außerdem ergriff Dave die Gelegenheit, an den bei einem Terror-Anschlag 2019 getöteten Jack Merritt zu erinnern. Dieser war Kurskoordinator von "Learning Together", einem Rehabilitationsprogramm für Strafgefangene. Er setzte sich außerdem für radikale Reformen im Strafvollzug ein. Daves Bruder sitzt eine lebenslange Haftstrafe im Gefängnis ab, er wurde wegen Mordes verurteilt. Der Rapper sprach sich in seinem Song gegen die Forderung nach immer härteren Strafen aus und plädierte stattdessen für Rehabilitierung – dasselbe also, wofür Merritt stand.

Der Kreis schließt sich

Zum krönenden Schluss griff Dave dann noch den Brand im Grenfell Tower auf. 2017 waren in dem Sozialbau in Nord-Kensington 72 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren schwarz. Schon Rapper Stormzy hatte bei den Brit Awards 2018 die damalige Premierministerin Theresa May für ihre Untätigkeit in der Sache kritisiert und gefragt: "Wo ist das Geld?".

Damit schloss sich der Kreis. Dave rappte:

"Die Opfer von Grenfell brauchen immer noch eine Unterkunft / und wir brauchen immer noch Unterstützung für die Windrush-Generation (Engländer mit karibischen Wurzeln, Anm. Red.) / Reparationen für die Zeit, die unsere Leute auf den Plantagen verbracht haben."

Begeistertes Lob im Netz

Ein weiteres Mal nach 2018 sorgte Grime/UK-Rap also für die politischen Momente bei den Brit Awards. Und das Netz zeigte sich begeistert von Daves Auftritt.

Sogar Ex-Labour-Chef Corbyn ist angetan:

Ebenso diese Anwältin:

Und der ehemalige Bildungsminister:

Auch deutsche Musikjournalisten sind begeistert:

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