Streife fahren in Leipzig, Henning Baum (r.)
Bereitschaftspolizei, Leipzig
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Henning Baum durfte die sächsische Polizei für fünf Monate begleiten. Bild: TVNOW / Ann Malo

Interview

Henning Baum begleitete für RTL-Doku sächsische Polizei und räumt ein: "Auch die Polizei macht mitunter Fehler"

In "Der letzte Bulle" war Henning Baum jahrelang als TV-Kommissar zu sehen. Doch wie viel hat das mit echter Polizeiarbeit zu tun? Für die RTL-Doku "Einsatz für Henning Baum – Hinter den Kulissen der Polizei" begleitete der Schauspieler für fünf Monate die sächsische Polizei bei Einsätzen, absolvierte selbst den Aufnahmetest, das Zugriffs- und Schießtraining.

Henning Baum sprach vor der Ausstrahlung mit watson über die besondere Zeit, seine Erfahrungen und Eindrücke und verriet, wie er mittlerweile über die Polizeiarbeit denkt.

Ausgehend von Ihren Erfahrungen als TV-Kommissar: Wie viel hat die Darstellung von Polizeiarbeit im Fernsehen mit der Realität der Beamten zu tun?

Im Fernsehen oder Kino muss es unterhaltsam sein, das Gezeigte wird häufig verdichtet, um Leerlauf zu vermeiden. Aber es schadet nicht, die Realität zu kennen.

"Die meisten Zuschauer verstehen doch, wie schwierig der Beruf ist und dass die Polizei auch mitunter Fehler macht."

Hatten Sie selber bestimmte Vorurteile, bevor Sie sich auf die Doku eingelassen haben?

Nein, denn als ich Rettungssanitäter war, habe ich oft mit der Polizei zusammengearbeitet. Diese Welt ist mir schon vor den Dreharbeiten nicht komplett fremd gewesen.

Die Debatten um Polizeiarbeit werden sehr emotional geführt. Ist es aktuell überhaupt möglich, ein objektives Bild über die Arbeit der Polizei zu vermitteln?

Ich kann nur das wiedergeben, was ich erlebt habe. Da die Polizei erlaubt hat, dass ich sie begleite und Einblicke bekomme, konnte ich mir für mich ein Bild machen und durch die Dokumentation auch die Zuschauer ein Stück weit mitnehmen. Natürlich kann man nicht überall sein. Also spreche ich nur über meine Erlebnisse, die auch nicht auf alle Polizeien der einzelnen Bundesländer übertragbar sind. Ansonsten ist ein wenig Gelassenheit in den Debatten nicht verkehrt.

Streife fahren in Leipzig, Henning Baum (r.)
Bereitschaftspolizei, Leipzig
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Henning Baum wurde als TV-Polizist bekannt. Bild: TVNOW

Denken Sie, die Sendung wird das Publikum spalten?

Nein, denn die meisten Zuschauer verstehen doch, wie schwierig der Beruf ist und, dass die Polizei auch mitunter Fehler macht.

"Gefährlich war es vielleicht, weil es immer zu unübersichtlichen Entwicklungen kommen kann."

Sie haben die sächsische Polizei fünf Monate lang begleitet und waren auch bei der Anti-Corona-Demo in Leipzig am 7. November 2020 mit dabei. Gab es Momente, die so gefährlich waren, dass Sie Angst hatten?

Gefährlich war es vielleicht, weil es immer zu unübersichtlichen Entwicklungen kommen kann, wenn so viele Menschen an einem zu kleinen Ort zusammenkommen. Die Stimmung auf der Demo war gegen Ende zwar aufgeladen und bisweilen auch passiv aggressiv gegenüber der Polizei und unserem Kamerateam, aber dennoch gewaltfrei. Wachsam musste man aber schon sein.

Wie schwierig waren für Sie der Aufnahmetest, das Zugriffs- und das Schießtraining?

Ich habe den Test gut bestanden. Aber man muss eine gewisse Grundfitness mitbringen, also Schnelligkeit, Beweglichkeit und auch Kraft, um die mitunter schwere Uniform tragen zu können. Das Schießtraining war interessant, weil der Schwerpunkt auf der sicheren Handhabe der Waffe liegt. Ein Training, das wie auch das Zugriffstraining die Beamten gut ausbildet.

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Bereitschaftspolizei, Leipzig
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Henning Baum nahm auch am Schießtraining teil. Bild: TVNOW

Ihr erklärtes Ziel war es, zwischen der Polizei und den Bürgern zu vermitteln. Ist Ihnen das aus Ihrer Sicht gelungen?

Das weiß ich nicht, da bin ich auch sehr auf das Feedback der Zuschauer gespannt. Ich denke, es kann nicht schaden, wenn der Bürger einen Einblick in die Arbeit der Polizei bekommt, die Herausforderungen und Bedingungen sieht und eben auch mitbekommt, wie Polizisten diesen Beruf angehen und darüber reflektieren.

"Mein Eindruck ist, dass die Polizei sich den veränderten Herausforderungen stellen möchte und öffentliche Kritik intern gewissenhaft aufgearbeitet wird."

Wie lautet die wichtigste Erkenntnis, die Sie durch die Arbeit an der Doku gewonnen haben?

Nach allem, was ich erlebt habe, ist mein Eindruck, dass die Polizei sich den veränderten Herausforderungen stellen möchte und öffentliche Kritik intern gewissenhaft aufgearbeitet wird. Die Polizisten, denen ich begegnete, waren intelligente und aufgeschlossene Menschen. Außerdem haben sie trotz der harten Arbeit ihren Humor nicht verloren.

Wie stehen Sie zur "Black lives matter"-Bewegung, die ja durch die Polizeigewalt in den USA untrennbar mit der Polizei verknüpft ist?

Das ist kein Thema der Doku gewesen. Rassisten und Menschenhasser sind mir bei meiner Arbeit mit der Polizei nicht begegnet. Alle Polizisten, mit denen ich gesprochen habe, halten Rassismus für ein Übel und verurteilen diesen aufs Schärfste.

Wenn Sie das nächste Mal für einen Film oder eine Serie in die Rolle eines Polizisten schlüpfen sollten, würden Sie dann etwas anders machen?

Ich bin ein "Schwamm". Ich sauge Eindrücke auf und benutze sie fürs Spiel. Das mache ich schon immer so. Mein Spiel wird also sicher auch wieder von den neuen Eindrücken beeinflusst werden.

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