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Erstes Date im Fast-Food-Laden: Isi (Lisa Vicari) und Ossi (Dennis Mojen) im neuen Netflix-Film. Bild: Netflix

Interview

Erster deutscher Netflix-Film "Isi & Ossi": Hauptdarsteller erklärt den Streaming-Hype

Es ist der erste deutsche Netflix-Film: In der Komödie "Isi & Ossi" spielt Dennis Mojen einen Boxer aus schwierigen Verhältnissen, der zum Schein mit einer Milliardärstochter anbändelt.

Im watson-Interview spricht der 27-Jährige über schlechte Dates, das Phänomen Netflix, seine ihm immer wieder angedichtete Ähnlichkeit zu Leonardo DiCaprio und wie er mit nur noch fünf Dollarn in der Tasche verzweifelt auf Jobsuche in Australien war.

watson: Dennis, du spielst die Hauptrolle im ersten deutschen Netflix-Film – was macht das mit dir?

Dennis Mojen: Mir wurde schon sehr schnell bewusst, dass die Möglichkeit besteht, dass 167 Millionen Menschen meine Arbeit ansehen können. Das schafft natürlich sofort ganz andere Dimensionen im Kopf. Und ich finde außerdem, dass Netflix etwas ganz Besonderes ist.

Inwiefern?

Netflix ist ein ganz eigenes Erlebnis. Das fängt schon an, wenn du beim Einschalten groß das Logo siehst und diesen uniquen "Ba-dam"-Sound hörst. Netflix hat im Laufe der Jahre einen eigenen Spirit, einen eigenen Vibe entwickelt. Und jetzt die Hauptrolle in der ersten deutschen Film-Eigenproduktion zu spielen, ist ein großartiges Gefühl.

Dein Film läuft pünktlich zum Valentinstag an. Ist der 14. Februar nur eine Erfindung der Blumen- und Grußkartenindustrie oder sollte man seinen Partner an diesem Tag beschenken?

Ich finde, es ist immer schön, wenn man seiner Freundin oder seinem Freund zwischendurch eine Kleinigkeit schenkt. Und falls du das versäumt haben solltest, ist der Valentinstag doch die Chance, das nachzuholen! Es ist ja auch schwer, nichts davon mitzubekommen. Und ganz eigennützig würde ich jetzt ein Netflix-Abo als perfektes Valentinstag-Geschenk anpreisen (lacht).

Das ist der neue Netflix-Film "Isi & Ossi"

Start: 14. Februar

Isi (Lisa Vicari) lebt als Millionärstochter in Saus und Braus, Boxer Ossi (Dennis Mojen) plagt sich jeden Monat aufs Neue mit Geldsorgen herum. Als die beiden eines Tages aufeinandertreffen, wittert jeder für sich die Chance, den anderen für seine Zwecke auszunutzen. So beschließt Isi, den armen Boxer zu daten, weil sie ihren Eltern eins auswischen will. Ossi hingegen will Isi lieber Geld aus der Tasche ziehen, um endlich seinen ersten Profikampf bestreiten zu könnten. So genial ihre Übereinkunft klingt, so schwieriger wird es, als Gefühle ins Spiel kommen...

Das sagt watson zum Film: Bad Boy meets rich Girl – die Grundprämisse ist nicht neu, die Umsetzung macht das Ganze aber spannend: Die Charaktere sind gerade überspitzt genug, die Dialoge on point, die Gags sitzen. Dazu ein Top-Soundtrack und ein Hauptdarsteller-Paar, bei dem es ordentlich knistert. Fazit: Must-see!

A propos: Dein erstes Date im Film läuft so semi-super. Wie vergeigt man sich deiner Erfahrung nach die Chance auf ein zweites Treffen?

Ein Bekannter von mir sagte einer Frau beim ersten Date: "Ich finde, du hast ein sehr unkompliziertes Gesicht." Er wollte ihr eigentlich ein Kompliment machen.

Autsch.

Absolut. Ich selbst habe mich noch nicht allzu blöd angestellt – glaube ich (lacht)!

"Ich finde es wichtig, dass ein Mann einer Frau in den Mantel hilft, ihr die Tür aufhält und ihr zumindest anbietet, die Rechnung zu zahlen"

Gilt noch die alte Regel, dass der Mann beim ersten Date zahlen sollte?

Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden – ich persönlich bin aber etwas altmodisch (lacht).

Wie äußert sich das?

Ich versuche, ein Gentleman zu sein, und finde es wichtig, dass ein Mann einer Frau in den Mantel hilft, ihr die Tür aufhält und ihr zumindest anbietet, die Rechnung zu zahlen. Ich weiß aber auch, dass das viele Frauen mittlerweile blöd finden und auch gerne mal den Mann einladen. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Jeder, wie er mag.

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Knutschen im Boxring: Szene aus "Isi & Ossi". Bild: Netflix

Dein Charakter Ossi jobbt im Film an einer Tankstelle. Nicht der coolste Job aller Zeiten, er macht aber das Beste daraus. Hattest du selbst schon einmal einen nervigen Job, den du aber durchziehen musstest?

Nicht nur einen (lacht)! Ich bin früher sehr viel gereist, auch allein und über längere Zeiträume. Ich hatte nie viel Geld dabei, wollte aber gern weiterreisen – also stand zwangsläufig fest, dass ich arbeiten gehen muss. Da war alles dabei: Ich habe in Restaurants und Cafés gejobbt, unter anderem in Kapstadt. Das war allerdings nicht so witzig.

Warum, was war los?

Ich habe nur auf Trinkgeldbasis gearbeitet, es gab keinen regulären Stundenlohn. Das war schon eine Ausbeutung der Mitarbeiter. Und dann habe ich auch noch bei einem Wedding Planner in Australien gearbeitet.

"Ich hatte nur noch fünf Dollar in der Tasche"

Wie bist du denn zu diesem Job gekommen?

Durch Umwege! Ich hatte in Melbourne mein letztes Geld in Bewerbungsmappen investiert und hatte nur noch fünf Dollar in der Tasche. Ich habe viele Restaurants, Bars und Cafés abgeklappert, um einen Job zu bekommen. Und überall sagte man mir, sorry, wir stellen gerade niemanden ein. Irgendwann kam ich dann zu einem wunderschönen Restaurant, das am Wasser lag und an den Yachthafen grenzte. Ich hatte aber zerfetzte Hosen und ein olles T-Shirt an.

Und dann?

Ich dachte mir, was habe ich schon zu verlieren. Also bin ich trotzdem reingegangen. Und ich hatte großes Glück. Denn ich hatte auf meinem Bewerbungsbogen als aktuellen Job "Schauspieler" stehen, was ich zu dem Zeitpunkt auch schon war. Und die Mitarbeiterin, die mit mir das Bewerbungsgespräch geführt hat, war ein riesiger Filmfan. Sie hat mir eine Chance gegeben. Zuerst durfte ich nur das schmutzige Geschirr abräumen, aber ich habe mich nach und nach hochgearbeitet und irgendwann durfte ich auch ein paar Events und Hochzeiten organisieren. Das war eine sehr spannende Erfahrung.

Und für deinen neuen Film musstest du dich jetzt zum Boxer hocharbeiten?

Absolut! Ich habe davor in "Traumfabrik" gespielt, für die Rolle wären Muskeln unglaubwürdig gewesen, also musste ich mir für den Boxer Ossi einiges antrainieren. Ich war total selbstbewusst, bin ins Boxstudio gegangen, ziehe mein Shirt aus – betretenes Schweigen. Mein Trainer schaute mich lange Zeit an und sagte dann: "Am besten trainieren wir sechs Mal die Woche (lacht)!" Das haben wir dann fast fünf Monate durchgezogen. Es war hardcore, aber es hat sich gelohnt. Mein Großvater war übrigens Boxer. Er war Feuer und Flamme, als er von meiner neuen Rolle gehört hat.

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Mojen nach fünf Monaten Boxtraining im Film. Bild: Netflix

Die beiden Hauptfiguren im Film haben sich, zumindest am Anfang, selbst noch nicht gefunden und wirken ein bisschen lost. Auch dein Werdegang ist keine gerade Linie. Hast du einen Tipp für junge Menschen, denen es ähnlich geht?

Ich finde es absolut wichtig, dass man als Mensch gewisse Werte hat. Dass man nicht betrügt und nicht lügt. Dass man dazu steht, wenn man Fehler macht und aus ihnen lernt. Das Werteempfinden bleibt heutzutage viel zu oft auf der Strecke. Für mich gehören dazu auch eine gewisse Freundlichkeit und Höflichkeit im Umgang mit anderen Menschen. Wenn man nach diesen Werten lebt, findet man ziemlich schnell zu sich selbst.

Du hast dich filmisch bereits im Kino und im TV ausprobiert, "Isi & Ossi" ist dein erstes großes Streaming-Projekt. Welchen Stellenwert hat das Streaming im Vergleich zu den klassischeren Formaten?

BERLIN, GERMANY - FEBRUARY 16: Dennis Mojen and Emilia Schuele attend tthe Studio Babelsberg Night X Canada Goose on the occasion of the 68th Berlinale International Film Festival at Soho House on February 16, 2018 in Berlin, Germany.  (Photo by Matthias Nareyek/Getty Images for Babelsberg)

Mit Emilia Schüle drehte Dennis Mojen "Traumfabrik", die Geschichte hinter den Filmstudios Babelsberg. Bild: Getty Images Europe

Netflix schafft einfach ganz andere Möglichkeiten und auch die vielen anderen Streaming-Portale, jetzt kommt ja auch noch Disney als Anbieter dazu. Ich sage mal so: Konkurrenz belebt das Geschäft. Man könnte in den letzten Jahren den Eindruck bekommen haben, dass der Filmmarkt in Deutschland ein bisschen eintönig geworden ist. Deswegen ist die Konkurrenz durch die Streaming-Anbieter keineswegs schlecht.

Warum genau?

Ich könnte mir vorstellen, dass Filmemacher immer mehr merken, dass das Streaming neue Maßstäbe setzt, und sie sich dadurch motiviert fühlen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Von daher finde ich diese Entwicklung und die aufkommende Konkurrenz sehr positiv. Was ich übrigens auch sehr positiv finde: Dass Netflix im Gegensatz zum Kinomarkt und Fernsehen keine Zahlen veröffentlicht.

"Ist ein Film wirklich schlecht, weil er nur 50.000 Zuschauer hatte? Und ist ein Film wirklich gut, weil er fünf Millionen Kinozuschauer hatte?"

Warum sind Zuschauerzahlen ein Problem?

Durch die Zahl der Kinobesucher oder die TV-Quote ist man als Schauspieler oder Filmemacher zwangsläufig immer in der Situation, dass man auf dieser Basis bewertet wird. Ist ein Film wirklich schlecht, weil er nur 50.000 Zuschauer hatte? Und ist ein Film wirklich gut, weil er fünf Millionen Kinozuschauer hatte? Diese Zahlen sagen nichts über die Qualität eines Films aus, könnten aber die persönliche Meinung eines Zuschauers über den Film verändern. Bei Netflix hast du dieses Dilemma nicht – du entscheidest einfach für dich, ob du den Film magst oder nicht, ohne Einflüsse von außen.

Und wo geht es jetzt für dich nach TV, Kino und Netflix hin? Nächster Schritt: Hollywood-Karriere?

Es sieht tatsächlich gut aus. Aber Hollywood ist nicht das einzige, das mich interessiert. Seit ich "La Grande Belezza" gesehen habe, möchte ich unbedingt mal in Italien drehen. Ich finde auch, dass die Skandinavier unglaublich gute Filme machen, die Briten und Franzosen genauso. Es ist also nicht so, dass ich unbedingt und ausschließlich nach Hollywood möchte – auch wenn mich das natürlich reizt (lacht).

Immerhin nennt man dich schon den "deutschen Leonardo DiCaprio"...

Es gibt schlimmere Vergleiche. Aber ich sehe gar nicht, dass die Ähnlichkeit so groß ist. Optisch vielleicht, im Spiel ist es aber ganz anders. Klar, er ist definitiv einer der besten Schauspieler unserer Zeit, aber ich mache mein eigenes Ding. Und das ist nirgendwo abgeguckt, das habe ich mir im Laufe der Jahre selbst beigebracht und da bin ich auch sehr stolz drauf.

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