Talkshow Koelner Treff : Linda ZERVAKIS , Fernsehmoderatorin , 30.09.2022 Linda ZERVAKIS , TV-Entertainer , 30.09.2022 *** Talkshow Koelner Treff Linda ZERVAKIS , TV Host , 30 09 2022 Linda ZERVAKIS , ...
Linda Zervakis wechselte 2021 von den Öffentlich-Rechtlichen zu ProSieben.Bild: IMAGO/Rainer Unkel
Interview

Linda Zervakis begründet ihren "Tagesschau"-Ausstieg: "Am Ende geht es um Respekt"

06.11.2022, 15:40

Linda Zervakis galt jahrelang als Aushängeschild der "Tagesschau". Die 47-Jährige moderierte von 2013 bis 2021 die erfolgreichste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Im vergangenen Jahr wechselte die Moderatorin überraschend den Sender und setzte ihre TV-Karriere bei ProSieben fort. Neben Auftritten bei "Das Duell um die Welt" oder "The Masked Singer" präsentiert sie dort regelmäßig die Sendung "Zervakis & Opdenhövel. Live".

Jetzt ist sie mit einem weiteren Projekt an den Start gegangen. Zusammen mit Wissenschaftlerin Insa Thiele-Eich, die als erste Astronautin aus Deutschland zur Internationalen Raumstation ISS fliegen möchte, startete Linda nun den Podcast "Stardust".

Im Interview mit watson sprechen Linda und Insa über ihre Ängste, offenbaren, was sie in ihrem Leben bereuen und gehen kritisch mit ihrem Job um.

In eurer ersten Folge geht es um Lampenfieber. Linda, du berichtest, wie aufgeregt du vor deiner Moderation des Triells bei der Bundestagswahl gewesen bist. Wie sehr seid ihr davon betroffen?

Linda: Ich habe immer Lampenfieber, das ist aber ein gutes Zeichen. Ich brauche das, um angeknipst für die jeweilige Situation, den Job zu sein. Ich habe das besonders nach Corona gemerkt, als ich sehr lange keine Off-Air-Moderationen vor Publikum gemacht hatte. Natürlich kann ich das, aber ich stehe meistens allein mit dem Team im Fernsehstudio. Kameras sind mein Arbeitswerkzeug, aber wenn ich auf einmal wieder 700 Menschen vor mir habe, ist das etwas anderes.

Wie hast du dich dort gefühlt?

Linda: Alle trauen mir zu, dass ich politisch unterhalten kann, aber mein Job bei der "Tagesschau" war es, politische Themen vorzutragen. Ich war wie in einem Tunnel und habe allen gesagt, dass ich vorher ganz still werde. Ich brauche das aber in solchen Situationen, um damit klarzukommen.

Insa: Ich habe oft dann Lampenfieber, wenn ich in einem Bereich unterwegs bin, wo ich mich unsicher fühle, und zum Beispiel Sorge habe, dass meine Expertise nicht reicht. Das ist auch beim Podcast so. Bisher war ich zwar schon bei vielen Podcasts zu Gast, aber es ist neu für mich, selbst als Host in einem Studio zu sitzen und das Gespräch mitzugestalten – also habe ich auch Lampenfieber.

Linda, du erzählst, dass dein Lampenfieber besonders groß war vor deiner ersten Moderation für die "Tagesschau". Wie denkst du heute über diesen Moment?

Linda: Ich kann das Gefühl heute noch genau wiedergeben. Das Herz hat mir hier oben im Hals gesteckt. Ich dachte mir: Im ersten Satz hört man gleich das Schlagen, hoffentlich fange ich nicht an zu zittern. Ich bekam auch Schweißausbrüche und war mir sicher: Wenn ich jetzt meine Hände hebe, bleibt das Papier daran kleben.

"Mir hilft eine gute Fehlerkultur am besten gegen Versagensängste."
Insa Thiele-Eich

Wie bist du damit umgegangen?

Linda: Ich sagte mir: "Zervakis, konzentriere dich jetzt mal, denk nicht daran." Das ist, als wenn Sternschnuppen einmal durch den Kopf ziehen. Dann ist das wieder weg und du versuchst, dich zu konzentrieren. Meine größte Sorge war: Bitte nicht versprechen. Dann passiert es meistens. Aber es hat geklappt. Ich habe mich in meiner allerersten Sendung nicht versprochen.

Das ist ein wahnsinniger Druck von außen, gerade in der Zeit bei der "Tagesschau", wo gerne mal sieben Millionen Menschen zuschauen. Wie geht ihr mit Versagensängsten um?

Linda: Die sind da, aber ich verdränge sie. Zu versagen, stelle ich mir seltener vor. Ich hoffe vorher, dass es gut geht, aber ich nehme mir nicht vor: Ich versaue es jetzt. Wenn du es dir einredest, dann passiert es auch. Ich versuche, das von mir wegzuhalten. Ich bin aber auch jemand, der zu Fehlern steht, der sich dafür entschuldigen kann. Wenn was schiefläuft, sage ich: "Sorry, ihr habt recht, das habe ich nicht gut gemacht oder das habe ich vergeigt." Da stehe ich voll und ganz zu. Das nimmt einem den Druck.

Insa: Mir hilft eine gute Fehlerkultur am besten gegen Versagensängste. Das sieht man bei Kindern ja schon in der Schule: Wenn die Lehrkraft bei einer falschen Antwort schimpft, melden viele Kinder sich gleich einfach gar nicht mehr. Bei Erwachsenen ist das ganz genauso.

Linda, du bist im vergangenen Jahr von der ARD zum Privatfernsehen gewechselt. Hat das auch etwas mit Druck zu tun?

Linda: Bei mir hat das sehr viel mit Mut zu tun gehabt, aber auch mit einer Erkenntnis. Am Ende geht es um Respekt gegenüber seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Nach 20 Jahren in einem sehr geregelten Job kam für mich ein Moment, zu sagen: "Komme ich hier weiter bzw. reicht mir dann nur die 'Tagesschau', obwohl es die Champions-League im deutschen Fernsehen ist?" Ich habe für mich gemerkt: Ich brauche frische Luft, neue Herausforderungen und ja, auch mal wieder das elektrisierende Gefühl, wenn man nicht so genau weiß, was die Zukunft bringt. Also habe ich für mich selbst den Schlussstrich gezogen.

"Als Sprecherin wäre ich für solche Aufgaben nicht angefragt worden."
Linda Zervakis

Du hast dort also keine Perspektive mehr gesehen?

Linda: Das habe ich mir sehr, sehr gut überlegt. Deswegen habe ich gesagt: Es ist jetzt besser, den Schritt zu gehen, ihn auszuprobieren. Kein Mensch weiß, ob das der richtige Schritt war, aber er fühlt sich für mich richtig an. Allein schon, wenn ich im Nachhinein sehe, was ich alles machen durfte; wie zum Beispiel das Triell (Anmerkung der Redaktion: bei der Bundestagswahl 2021) und andere neue Formate. Diese Möglichkeiten hatte ich vorher nicht. Als Sprecherin wäre ich für solche Aufgaben nicht angefragt worden. Bei ProSieben haben sich diese Möglichkeiten ergeben und deswegen war es für mich auf jeden Fall der richtige Schritt – aber ein sehr mutiger, das muss ich mir tatsächlich auch eingestehen.

Linda, jetzt kannst du auch Unterhaltungs-Formate wie "Duell um die Welt" machen. Bist du nun gelassener?

Linda: Es gehört mit zu meinem Naturell. Ich habe sehr viel Spaß in meinem Leben. Wenn ich das hier und da mal in der TV-Unterhaltung unterbringen kann, dann lasse ich das auch zu. (lacht)

Die Quoten von "Zervakis & Opdenhövel. Live" bleiben aktuell unter den Erwartungen. ProSieben hält zwar trotzdem daran fest. Allerdings werden statt zwei Stunden jetzt nur noch 30 Minuten gesendet. Linda, wie gehst du damit um?

Linda: Das Risiko war mir bewusst, aber es ist eine neue Erfahrung. Klar wäre es schöner, wenn morgens eine tolle Quote zu vermelden wäre. Aber wir arbeiten daran. Dass man an solchen Prozessen aktiv beteiligt wird und nicht erst nach Monaten, ist für mich eine neue Art zu arbeiten. Das finde ich spannend, egal mit welchem Ergebnis.

Was könnte das Ergebnis sein?

Linda: Eine gute oder eine schlechte Quote. (lacht)

"Die 'Tagesschau' ist etwas Besonderes, aber es ist kein Grund, um abzuheben."
Linda Zervakis

Was würdet ihr rückblickend in eurer Karriere heute anders machen?

Linda: Ich hatte Phasen, in denen ich dachte: Wärst du da mal einen Schritt schneller gegangen. Auf der anderen Seite muss ich aber jetzt sagen, dass jeder Schritt, der bei mir stattgefunden hat, gut war. Auch, dass ich erst später zur "Tagesschau" gekommen bin, war für mich richtig, um nicht durchzudrehen, mich nicht zu verändern. Ich habe schon so viele andere Sachen davor gemacht. Die "Tagesschau" ist etwas Besonderes, aber es ist kein Grund, um abzuheben. Es ist bei mir immer wieder ein Fundament für Lebenserfahrung, die ich dann in den nächsten Job umsetzen und mitnehmen kann.

Insa: Ich hätte gern in der Schule mehr bei Französisch aufgepasst. Ich kann Englisch und Deutsch, das war es aber schon. Mir fehlt einfach die Zeit, jetzt noch Französisch lernen unterzubringen. Wenn ich was ändern könnte, würde ich zu meinem Vergangenheits-Ich mit 15 sagen: Attention, s'il vous plaît. (lacht)

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