Oscar Isaac spielt die Hauptrolle in der neuen Marvel-Serie "Moon Knight".
Oscar Isaac spielt die Hauptrolle in der neuen Marvel-Serie "Moon Knight".Bild: Marvel Studios 2022 / CSABA AKNAY
Interview

"Moon Knight"-Star Oscar Isaac fordert mehr Nacktheit in Marvel-Produktionen: "So lächerlich"

28.04.2022, 17:23

"Moon Knight" ist die neueste Marvel-Serie bei Disney+, die mit einigen Besonderheiten aufwartet. So ist die Titelfigur alles andere als ein klassischer Superheld, vielmehr verkörpert Oscar Isaac eine Figur mit einer dissoziativen Identitätsstörung: Mal ist er der schüchterne, unbeholfene Museumsmitarbeiter Steven Grant, mal übernimmt der abgebrühte ehemalige CIA-Agent Marc Spector den Körper des Protagonisten. Vor allem zu Beginn kämpfen die beiden Identitäten eher gegen- als miteinander. Dazwischen steht May Calamawy als Layla, die mit Marc verheiratet ist und Steven erst im Verlauf der Handlung kennenlernt. Die Serie dürfte zu den bislang diversesten Marvel-Produktionen zählen, was sich nicht nur in Cast und Crew widerspiegelt: Die ägyptische Mythologie gibt den Rahmen der Story vor.

Vor dem Release der fünften Episode interviewte watson die beiden Hauptdarstellern Oscar Isaac und May Calamawy, die versprechen, bei einem Thema demnächst ein ernstes Wort mit Marvel zu reden...

watson: Wie bist du die beiden Charaktere angegangen, die du spielst? Wurden sie nacheinander entwickelt oder beide gemeinsam?

Oscar Isaac: Steven kam zuerst. Als mir das Skript zur ersten Folge vorlag und ich mit Kevin Feige [Produzent der Serie, Anm. d. Redaktion] über die Möglichkeiten für das Projekt sprach, war ich unsicher. Mir war aufgefallen, dass die Geschichte in London angesiedelt ist und ich habe die Gedanken spielen lassen: Was würde mir Spaß machen? Also habe ich zuhause diese Figur entwickelt – erst einmal für meine Familie und insbesondere für meinen vierjährigen Sohn. Speziell ihm hat es sehr gefallen und er wollte, dass ich damit weitermache. Schließlich habe ich mich dann auch irgendwie in diese Figur verliebt.

Und die Marvel-Bosse haben deinen Entwurf für die Figur gleich durchgewunken?

Oscar: Ich habe es dann Kevin präsentiert und er hat entschieden: "Klar, lass' uns das versuchen." Das muss man ihm hoch anrechnen, denn ich glaube nicht, dass sie bei Marvel wirklich komplett überzeugt waren. Dennoch wollten sie, dass ich es durchziehe. (lacht)

Oscar Isaac spielt in "Moon Knight" gleich zwei Charaktere: Marc und Steven.
Oscar Isaac spielt in "Moon Knight" gleich zwei Charaktere: Marc und Steven.Bild: Marvel Studios 2022 / CSABA AKNAY

Und wie entstand dann Marc?

Oscar: Der nächste Gedanke war: Was wäre ein interessanter Kontrapunkt zu Steven? In gewisser Weise war es lustig, sich jetzt der Idee eines traditionelleren, düsteren Helden hinzugeben – denn zeitgleich lebt eben dieser kleine Engländer in ihm. Die Spannung zwischen diesen beiden Polen war letztlich das, was mir am meisten Vergnügen bereitet hat.

"Ich glaube nicht, dass sie bei Marvel wirklich komplett überzeugt waren. Dennoch wollten sie, dass ich es durchziehe."

Lass uns kurz über die vielen Action-Szenen sprechen. Fallen die dir schwer? Schließlich kommst du ursprünglich eher aus dem Indiefilm- bzw. Arthouse-Bereich.

Oscar: Ich bin ziemlich artsy-fartsy, das ist wohl wahr und ja, ich finde sie tatsächlich schwierig. (lacht) Ich habe schon früh mit dem Training für die Szenen begonnen. Dabei ging es in erster Linie darum, beweglich zu bleiben. Ich wollte nicht einfach ins Fitnessstudio gehen, damit ich nachher total aufgepumpt bin und mich gar nicht mehr richtig bewegen kann. Außerdem wird es langweilig, wenn jeder den gleichen Körperbau hat (in Wahrheit ist das meine Ausrede, um keinen Sport zu treiben). Es war auf jeden Fall eine Herausforderung, aber wir hatten auch ein großartiges Stunt-Team, das die Dinge übernommen hat, die ich niemals machen könnte.

Ein Vorwurf, der häufiger gegen Marvel-Produktion vorgebracht wird, ist, dass sie zumeist keinerlei Erotik haben. Ihr beiden spielt in "Moon Knight" ein Paar und habt in Folge vier sogar eine Kuss-Szene. Sollte es davon mehr geben?

May Calamawy: Mir war gar nicht so bewusst, dass Marvel-Produktionen so gesehen werden. Aber jetzt, da du es erwähnst... (lacht)

Oscar: Marvel-Filme sollten nackte Genitalien zeigen, mehr so wie in europäischen Produktionen.

Oscar Isaac und May Calamawy spielen ein Liebespaar in "Moon Knight".
Oscar Isaac und May Calamawy spielen ein Liebespaar in "Moon Knight".bild: marvel studios 2022 / GABOR KOTSCHY

... zumal die Darstellung von Gewalt in Comic-Verfilmungen offenbar ja auch in Ordnung geht.

Oscar: Das ist so lächerlich. Du kannst überall Leichen zeigen, aber mit Sex-Szenen stößt du auf Ablehnung. Es ist diese bizarre amerikanische Prüderie, die wiederum letztlich dazu führt, dass in diesem Land alles übersexualisiert wird. Solange kein Blut zu sehen ist, können Leute in Filmen erschossen werden. Also vielleicht könnte man Genitalien zeigen, sofern sie nicht berührt werden? Ich weiß es nicht. Wir werden mal mit Marvel reden und schauen, was wir tun können.

May: Ja, das machen wir. Unser Kuss in "Moon Knight" war wirklich süß, finde ich, aber dann haben alle gesagt: "Oh Gott, das war der unangenehmste Kuss überhaupt", und sich darüber lustig gemacht. (lacht)

Oscar: Aber genau so sollte es ja auch sein, es ist immerhin Stevens erster Kuss.

May: Es ist einfach natürlich, wenn man derartige Gefühle für jemanden hat. Auf diese Art drücken sich Menschen aus. Also ja, wenn es Küsse gibt, ist das etwas Tolles.

"Man kann überall Leichen zeigen, aber mit Sex-Szenen stößt man auf Ablehnung."
Layla erfährt erst spät, dass in ihrem Mann noch eine zweite Persönlichkeit schlummert.
Layla erfährt erst spät, dass in ihrem Mann noch eine zweite Persönlichkeit schlummert.Bild: Marvel Studios 2022 / CSABA AKNAY

Psychische Gesundheit ist ein Hauptthema der Serie. Sollten sich mehr Mainstream-Produktionen auch ernsteren Themen wie diesem widmen?

Oscar: Ja, einige tun das aber bereits, obwohl im Moment vieles eher "Mythologie" ist. Mit Abstraktion kann man Tiefgehendes erzählen. Totalitäre Regimes zum Beispiel haben vor nichts mehr Angst als abstrakter Kunst, weil die Botschaften nicht so klar sind und man nicht sofort weiß, was dieser oder jener Charakter denkt. Mit abstrakten Symbolen kann man dem Publikum allerdings sehr reale Dinge nahebringen. Es ist eine interessante Herausforderung, diese große Bühne zu nutzen, um Tiefgründiges zu behandeln.

May: Ich finde, Marvel war schon immer gut darin, solche Themen unterschwellig einzubauen. "Moon Knight" geht insoweit den nächsten Schritt beim Thema psychische Gesundheit. Elemente davon sind aber immer vorhanden. Die Serie vergrößert es hoffentlich in gewisser Weise. Die Zuschauer sollen neugierig werden und darüber nachdenken, was ein anderer Mensch durchmacht – das gilt für jedes Charakterdrama und jeden Film.

Was an Layla auffällt: Sie hat keine Superkräfte, muss oder will aber dennoch nicht von einem Mann beschützt werden. May, siehst du darin einen feministischen Ansatz?

May: Sie ist definitiv eine Feministin. Ich würde sagen, das trifft auf alle Personen zu, die in die Serie involviert sind. Man merkt das einfach in der Art, wie Layla dargestellt wird. Ich habe einen Kommentar im Netz gelesen, der sich auf die Szene bezieht, als Layla gegen diesen Heka-Priester kämpft und es für sie richtig gefährlich wird. Der Beitrag lautete: "Ich habe nur darauf gewartet, dass Moon Knight auftaucht und sie rettet." Aber dann kommt es dazu nicht und ich war so glücklich, weil man sieht, dass sie es alleine schafft und gleichzeitig sehr menschlich bleibt. Layla ist aber nicht die einzige, die dazu fähig ist, also: Bringt noch mehr Frauen ein, damit sie das gleiche über sich erfahren können! Die Darstellung wird damit viel wahrhaftiger.

"Die Zuschauer sollen neugierig werden und darüber nachdenken, was ein ein anderer Mensch durchmacht – das gilt für jedes Charakterdrama und jeden Film."
May Calamawy lobt die Diversität von "Moon Knight".
May Calamawy lobt die Diversität von "Moon Knight".Bild: Marvel studios 2022

Findest du, Disney hat eine besondere Verantwortung, wenn es um Diversität und Vermeidung von Klischees geht? Schließlich sehen Millionen Menschen die Filme und Serien von Disney bzw. Marvel.

May: Ja, jeder trägt diese Verantwortung. Bei Disney arbeiten Pioniere, zu denen andere Menschen aufschauen. Daraus ergibt sich eine Verantwortung, die Disney ernst nehmen sollte – und das tun sie auch. Sie machen das schon richtig.

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