Angelina Kirsch war 2021 erneut Kampagnenbotschafterin von DKMS LIFE.
Angelina Kirsch war 2021 erneut Kampagnenbotschafterin von DKMS LIFE.Bild: Eventpress SR für DKMS / Eventpress SR für DKMS
Interview

Curvy-Model Angelina Kirsch lehnt Begriff "Corona-Pfunde" ab: "Sie haben geholfen, nicht völlig durchzudrehen"

05.10.2021, 16:11

Angelina Kirsch wurde mit 24 Jahren in Rom in einem Eiscafé entdeckt und ist seitdem ein gefragtes Curvy-Model. Als Jurorin von "Curvy Supermodel – Echt. Schön. Kurvig" bei RTL II sammelte sie aber auch erste Erfahrungen im TV. Heute ist sie nicht nur das Werbegesicht etlicher Modemarken, sondern moderiert auch unter anderem die Koch-Show "The Taste" auf Vox.

Aber auch die Wohltätigkeit kommt bei Angelina nicht zu kurz: Bei der Gesellschaft DKMS LIFE, die Krebspatientinnen und -patienten während einer Therapie helfen soll, mit verschiedenen Seminaren ihr Selbstwertgefühl zu steigern und neue Lebensfreude zu gewinnen, ist die 33-Jährige in diesem Jahr wieder Markenbotschafterin.

Im watson-Interview im Rahmen des DKMS Dreamday in Berlin sprach Angelina eingehend über ihre Aufgabe in der Organisation, erklärt, wieso sie hinter dem Curvy-Model-Hype bei "Germany's next Topmodel" eine Masche vermutet und verrät ganz offen, dass sie ein Genussmensch ist, der von "Corona-Diäten" rein gar nichts hält.

watson: Du bist in diesem Jahr wieder Kampagnenbotschafterin von DKMS LIFE gewesen. Was bedeutet diese Aufgabe für dich und was ist dir daran besonders wichtig?

Angelina Kirsch: Ich habe es bei der Veranstaltung wieder gemerkt, wie man den Patientinnen und Patienten mit Hoffnung und Selbstliebe helfen kann. Wie es den Patienten hilft, wenn sie die Hoffnung nicht verlieren, wenn sie die Selbstliebe wiederbekommen. Und deswegen ist es eine 'leichte' Aufgabe, die man mit so einem kleinen Aufwand wie dieser Unterstützung leisten kann. Man sollte diese Möglichkeit ergreifen, um auch Dankbarkeit zu zeigen, dass man selbst nicht an Krebs erkrankt ist. Gerade wenn es einem gutgeht, steht man auch in der Verpflichtung, Gutes zu tun für andere, denen es gerade nicht so gut geht. Es kann jeden treffen – und dann ist es doch schön zu wissen, dass es da jemanden gibt, der sich um einen kümmert, der dich auffängt, es einen Ort gibt, an dem man Gleichgesinnte treffen kann.

Man hört ja fast täglich von Stars, die ihrem Krebsleiden erlegen sind, gerade kürzlich der "Sex and the City"-Star Willie Garson. Hattest du selbst schon Berührungspunkte mit Krebserkrankungen?

Klar. Ich glaube, egal wen du fragst, jeder wird die Frage bejahen. Weil das einfach eine schlimme Krankheit ist, die um sich schlägt, mehr denn je. Man kriegt von immer mehr Leuten mit, die daran erkrankt sind und dagegen kämpfen. Es gibt zum Glück auch viele, die genesen und Gott sei Dank gab es auch in meinem Umfeld schon einige, die wieder gesund wurden. Zwei haben es aber leider nicht geschafft. Es ist eine Erkrankung, die ganz ernst ist, die sehr viele Menschen trifft und bei der es wichtig ist zu sagen: Ich helfe und unterstütze wo ich kann.

Barbara Schöneberger und Angelina Kirsch beim DKMS LIFE Dreamday 2021 in Berlin.
Barbara Schöneberger und Angelina Kirsch beim DKMS LIFE Dreamday 2021 in Berlin.Bild: Eventpress SR für DKMS / Eventpress SR für DKMS

Wie du selbst schon sagst, geht es der DKMS LIFE darum, Krebspatientinnen und -patienten Lebensfreude und Selbstwertgefühl zu vermitteln. Was hast du zu diesen Themen gelernt – gerade in diesem Jahr stehen ja auch Männer verstärkt im Fokus?

Gerade in dieser Krise, in der wir mit Corona zu kämpfen haben, darf man die Krebspatientinnen und -patienten nicht vergessen, weil der Krebs einfach keine Pause macht, sondern es gibt ihn weiterhin. Umso wichtiger ist es, da mitzuhelfen, beispielsweise die Kosmetikseminare, die es durch die DKMS LIFE gibt, zu finanzieren und zu ermöglichen. Damit die Menschen auch etwas wie Normalität spüren können.

Kosmetikseminare sind tatsächlich auch nicht unbedingt Veranstaltungen, die man als Außenstehender für Krebspatientinnen und -patienten erwartet.

Das habe ich schon ganz oft gehört, das wird dann meist ein wenig belächelt und gesagt: "Na ja, was wollen denn Krebspatienten mit ein bisschen Schminke? Die haben ganz andere Sorgen." Nein, eben nicht. Ich denke, das können wir uns gerade richtig gut vorstellen in Zeiten von Corona, in denen wir so eingeschränkt leben müssen, wie wertvoll Normalität ist. Eine Patientin oder ein Patient, der gerade durch eine Chemotherapie geht und sich selbst im Spiegel nicht mehr erkennt – wo soll da die Normalität sein? Man möchte sich auch wiedererkennen, man möchte neuen Mut fassen, merken, das Leben geht weiter und man hat eine Chance, das zu überleben. Das kann Unglaubliches bewirken, gerade auch was die Genesung betrifft.

"Wir wurden ja lebende Zombies – also ich zumindest!"

Äußerlichkeiten spielen dabei ganz sicher eine große Rolle.

Na klar. Man tut das immer ab, aber nein. Wir kennen das alle: Wenn ich eine Grippe durchmache und an einem Spiegel vorbeilaufe und mir guckt da so ein krankes Etwas entgegen, dann fühle ich mich doch nur noch kränker. Aber wenn ich weiß, wie ich mich einigermaßen auf Vordermann bringen kann und sehe, mir guckt keine kranke Person aus dem Spiegel entgegen, dann macht das was mit mir.

Im Lockdown ging es vielen so, dass sie nicht so recht den Sinn dahinter gesehen haben, sich zurechtzumachen.

Und was hat das mit uns gemacht? Wir wurden ja lebende Zombies – also ich zumindest! Und dann habe ich gedacht, so das war's, das kann nicht sein. Jetzt muss ich wieder anfangen, mir die Haare und irgendwas wie Make-up ins Gesicht zu machen und meinen Lieblingsrasierer von Gillette Venus rauszuholen damit ich auch wieder das Gefühl von Normalität kriege. Und dann auch eben diesen Antrieb, weiterzumachen.

Du bist selbst ein beliebtes Curvy-Model und gefragt auf Laufstegen und Events. Wie hast du deinen Körper lieben und schätzen gelernt, musstest du das überhaupt lernen?

Ja klar. Spätestens in der Pubertät kommen wir alle mal ins Schwanken und denken uns: Ist das alles so richtig? Und so war es bei mir auch. Ich hatte Gott sei Dank meine Mutter, die dann gesagt hat: "Kind, du wirst eine Frau, Frauen haben Kurven, wir haben euch alles an die Hand gegeben, was ihr wissen müsst, für einen gesunden Körper, für eine gesunde Ernährung. Aber ihr seid nicht nur Körper, ihr seid auch Geist, tut eurer Seele auch was Gutes und nehmt euch an, wie ihr seid."

Und dieser Einfluss hat viel in deinem Leben bewirkt?

Das habe ich mir zu Herzen genommen und bin dann mit der Zeit, natürlich auch über den Modeljob, in das Ganze viel mehr reingewachsen. Mich auch frei davon zu machen, jedem gefallen zu wollen, was natürlich nicht geht. Es gab nie Kunden, die gesagt haben, ich sei perfekt. Es gab immer irgendetwas auszusetzen. Und sich davon zu lösen, mir gefällt schließlich auch nicht jeder, das ist mir durch den Modeljob gelungen.

Wie wichtig ist dir das Feedback deiner Familie jetzt noch, da du ja jetzt selbst Model bist?

Sehr wichtig, weil meine Familie, das sind die Menschen, die mich so lieben, wie ich bin, vom Anfang meines Lebens an. Deswegen ist mir das Feedback total wichtig. Es geht nicht darum, dass jemand sagt: "In dem Oberteil siehst du aber dick aus", sondern das geht dann einfach weiter, tiefer. Das spielt eine andere Rolle für mich.

"Das ist auf den ersten Blick alles ganz toll, aber wenn man genauer hinsieht, merkt man, dass es oft eine halbgare Geschichte ist."

Curvy-Models sind ja auch international sehr gefragt. In Shows wie "GNTM" kommen Models mit Kurven mittlerweile sehr weit. Wie beurteilst du die Entwicklung in der Model- und Beauty-Industrie?

Also ich finde es erstmal toll, dass es immer mehr Curvy-Models gibt und dass es von ihnen mehr zu sehen gibt. Allerdings finde ich, es ist nicht genug und ich finde, es ist auch nicht konsequent.

Dascha ( 2. von rechts) kam 2021 als erstes Curvy-Model ins "GNTM"-Finale.
Dascha ( 2. von rechts) kam 2021 als erstes Curvy-Model ins "GNTM"-Finale.Bild: dpa / Marc Rehbeck

Wie meinst du das?

Ich habe oft den Eindruck, dass verschiedene Formate, Labels und Medien diesen Trend nur einmal aufgreifen. So nach dem Motto: "Wir müssen uns der Quote auch mal beugen und müssen das jetzt auch mal machen." Das dann aber nur so halbherzig machen und danach fallen lassen. Das ist auf den ersten Blick alles ganz toll, aber wenn man genauer hinsieht, merkt man, dass es oft eine halbgare Geschichte ist.

Was sollte sich ändern?

Ich würde mir wünschen, dass es viel mehr Selbstverständlichkeit gibt, nicht nur für Curvys. Sondern einfach für Diversität. Das ist ja auch ein Riesenbegriff, den jeder irgendwie bespielen will. Ich wünsche mir aber, dass da noch mehr Ernsthaftigkeit dahintersteckt.

Auch dass das Curvy-Sein der Models bei "GNTM" nicht immer so als Alleinstellungsmerkmal herausgestellt wird?

Bei "GNTM" fand ich es toll, dass ein Curvy-Model wie Dascha ins Finale gekommen ist. Aber als ich mir die Finalistinnen mal angeguckt habe: Da war eine Curvy dabei, eine mit kurzen roten Haaren… man muss halt immer ein bisschen gucken – ist es mit der Diversität wirklich ernst gemeint? Wenn ja, finde ich das toll, dass versucht wird, die Bevölkerung abzubilden. Aber sobald der Zuschauer das Gefühl bekommt, da ist nicht genügend Ernsthaftigkeit dabei, dann finde ich es eine verschenkte Chance.

"Wenn es um Äußerliches geht, ist es mir egal. Wenn mir jemand schreibt: 'Du hast so einen Riesenhintern, der braucht eine eigene Postleitzahl', dann lache ich drüber."

Diversity ist eine große Sache im Business – musstest du denn auch schon negative Erfahrungen im Bereich Fashion und Beauty sammeln?

Na logisch!

An was erinnerst du dich da konkret?

Einmal hatte ich für Wäsche ein Shooting und da hat jemand nicht begriffen, dass ich als Curvy-Model nun mal andere Musterteile in einer anderen Größe anziehen muss als ein schlankes Model. Jedenfalls war das Endresultat, dass ich mich in ein kleines Höschen, französische Größe 36 quetschen und irgendwie das Beste rausholen musste. Das sah von hinten sehr lustig aus, aber von vorne gab es ein sehr schönes Bild. Aber ich denke, solche Storys hat jeder zu erzählen.

Wie gehst du mit solchen Erlebnissen um?

Da ist es einfach wichtig, dass man weiß, dass man drübersteht. Ich habe drüber gelacht und gesagt: "Na ja, wisst ihr, ich hätte auch eine private Unterhose dabei."

Ich habe auch gelesen, dass du über Hate im Internet gerne lachst und dir das nicht allzu sehr zu Herzen nimmst. Du zeigst dich auch sehr selbstbewusst auf Instagram. Gibt es dennoch Phasen, in denen dich Hate trifft?

Wenn es um Äußerliches geht, ist es mir egal. Wenn mir jemand schreibt: "Du hast so einen Riesenhintern, der braucht eine eigene Postleitzahl", dann lache ich drüber, weil ich das sehr kreativ finde Das toucht mich nicht mehr. Aber wenn ich merke, es geht um mich als Person, es geht vielleicht auch um meine Leistung, und dann keine nett gemeinte Kritik, sondern einfach nur Boshaftigkeit, dann muss ich schon mal schlucken und kurz mal filtern, ob das Kritik ist oder einfach nur böse.

Du bist auch wieder vergeben. Wieso hast du dich dazu entschieden, die Beziehung aus der Öffentlichkeit herauszuhalten?

Na ja, wieso nicht? Nicht jeder zeigt in der Öffentlichkeit seinen Partner und meiner hat mit der Öffentlichkeit auch nichts weiter am Hut. Wir haben da lange drüber gesprochen und er weiß, dass dann alle Konsequenzen dazugehören würden. Dann möchte eben jeder ein Interview, was auch ganz verständlich ist. Aber er ist einfach keine Person der Öffentlichkeit und möchte es auch nicht sein. Und ich akzeptiere und respektiere das natürlich auch und genieße es lieber im ganz Privaten.

Welche Themen sind dir beim Thema Privatsphäre besonders wichtig, hast du noch andere Bereiche, die du nicht auf Instagram abbilden möchtest?

Man sieht ja eigentlich sehr viel von meinem Leben, ich zeige immerhin schon eine Menge. Für mich ist einfach nur wichtig, dass die, die dort stattfinden, wie meine Familie zum Beispiel, die kennt man, dass sie auch damit fein sind. Dann zeige ich das auch gerne, ich teile gerne mein Leben. Als Person der Öffentlichkeit muss man das auch ein Stückweit, sonst muss man gar nicht an die Öffentlichkeit gehen. Aber es gibt eben Grenzen und wenn jemand zu mir sagt, er möchte das nicht, dann ist das für mich absolut okay und ich finde immer einen diplomatischen Weg, denjenigen rauszuhalten.

"Ein Tag ohne Schokolade ist für mich verschwendet, aber ich brauche keine ganze Tafel, mir reicht auch nur ein Stück."

Du moderierst in diesem Jahr auch die Show "The Taste". Welche Beziehung hast du selbst zu dem Thema Ernährung?

Ich liebe Essen. Essen ist für mich kein Mittel zum Zweck wie für viele andere vielleicht, sondern für mich ist Essen Lebensfreude, Genuss pur und gutes Essen ist für mich das Größte. Deswegen bin ich bei "The Taste" absolut gut aufgehoben, denn da geht es um den perfekten Geschmack auf diesem einen Löffel. Und ich kann spoilern: Ich habe dieses Jahr backstage Löffel geklaut und verkostet. Es waren Gedichte. Ich liebe diese Show, eben weil es nur um diesen einen Moment, diesen einen Löffel geht. Ein Körnchen zu viel Salz und es ist versalzen. Ein Tröpfchen zu wenig Soße und das Ganze ist trocken. Es ist einfach so spannend.

Also würdest du sagen, du bist ein Appetit- und Genussmensch oder setzt du dir auch Grenzen in deiner Ernährung?

Bei mir ist alles erlaubt – in Maßen, nicht in Massen. Die Menge macht das Gift, heißt es doch auch immer. Ein Tag ohne Schokolade ist für mich verschwendet, aber ich brauche keine ganze Tafel, mir reicht auch nur ein Stück. An manchen Tagen brauche ich vielleicht die halbe Tafel. Aber meistens reicht nur ein Stück (lacht).

Im Lockdown hatten viele Menschen Probleme mit der Ernährung, weil man beispielsweise so viel zu Hause war. Warst du in der Zeit auch ein wenig undisziplinierter als sonst?

Eigentlich habe ich es gehandhabt, wie ich es immer gemacht habe, aber ich verstehe es. Da ich vorher immer viel unterwegs war, hatte ich auch mal etliche Stunden, in denen ich nichts gegessen habe, weil ich einfach nicht dazu kam. Zu Hause hatte man einfach viel öfter die Gelegenheit, das gab es auch bei mir. Aber dann war das halt so. Ich hasse übrigens das Wort Corona-Pfunde, finde ich total bescheuert. Ja, vielleicht hat der eine oder andere in der Zeit ein bisschen zugelegt, aber wir hatten ja auch eine schwere Zeit durchzustehen.

Wie war diese Zeit für dich persönlich?

Ich hatte Glück, ich habe eine gute Ablenkung gefunden, ich hab mein Hula-Hoop gemacht, ich bin reiten gegangen, also ich hatte trotzdem meine Aktivitäten. Und wer das nicht geschafft hat, dann halt nicht. Aber ich finde es schade, wenn es dann so verpönt wird und dass alle Diäten sich damit befassen: "Wie wird man die Corona-Pfunde los?" Warum? Sie haben geholfen, nicht völlig durchzudrehen.

Was ist bei dir in Zukunft geplant?

Lasst euch überraschen! Es bleibt spannend, es bleibt bunt, auch privat. Beruflich darf ich noch nicht so viel verraten. Aber es wird nicht ruhig um mich, versprochen.

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So macht "Wer wird Millionär?" doch wirklich Spaß. Es geht ja nicht darum, dass alle Kandidaten die Millionenfrage erreichen und natürlich muss einem auch nicht jeder Mensch sympathisch sein. Aber wenn das dann doch so ist, Günther Jauch ein paar private Anekdoten zum Besten gibt und die Fragen genau die richtige Mischung aus "Das weiß doch jeder" und "Wer weiß denn sowas?!" sind, dann wird das ein runder TV-Abend. Genau den gab es in der Montagsausgabe von "WWM".

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