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Die Coaches von

Die Coaches von "The Voice of Germany". Bild: ProSieben/Richard Hübner

Meinung

Die beste Casting-Show im TV: Warum "The Voice" "DSDS" schon lange überholt hat

Casting-Shows sind aus dem deutschen Fernsehen kaum wegzudenken, aber es soll Menschen geben, die meinen, das wäre doch sowieso alles dasselbe: Kandidaten werden emotional ausgebeutet, verheizt und spätestens nach wenigen Monaten hört man von den meisten nichts mehr. Das mag auf viele Formate zwar durchaus zutreffen, aber "The Voice of Germany" ist diese eine Sendung, für die ich jederzeit meine Hand ins Feuer lege.

Ihre Stärken fallen gerade auch im Vergleich zu "DSDS" – einem anderen großen Dauerbrenner – ins Auge. Während Musik bei der einen Show im Vordergrund steht (wie es ja auch sein sollte), sucht die andere vorwiegend das Spektakel und großes Drama. "The Voice of Germany" hat sich bewährt, ohne seine Teilnehmer vorzuführen und verfügt einfach über das klar vorzugswürdige Konzept.

Was "The Voice of Germany" besser macht

So genannte "blind auditions" haben in der Orchesterwelt eine Jahrzehnte lange Tradition, und das aus gutem Grund: Die optische Erscheinung einer Person spielt immer eine Rolle in ihrer Beurteilung, denn jeder trägt gewisse Vorurteile mit sich herum. Sieht man einen Bewerber oder eine Bewerberin aber von vornherein nicht, bleibt nur noch das Talent übrig.

Samu Haber und Rea Garvey: Wie kann man sie nicht mögen?

Samu Haber und Rea Garvey: Wie kann man sie nicht mögen? Bild: ProSieben/Richard Hübner

Dieses Verfahren hat "The Voice of Germany" adaptiert und signalisiert damit: Wir nehmen unsere Performer auf der Bühne ernst und geben ihnen die Bewertung, die sie verdienen. Nämlich die neutralst mögliche. Das mit Abstand Wichtigste ist die Stimme, an Details kann man auch später noch arbeiten.

"DSDS" geht da einen anderen Weg. Dieter Bohlen und seine Mit-Juroren mustern ihre Kandidaten penibel und klopfen sie auf den Star-Faktor ab. Das bedeutet hier: Liefern sie eine gute Story? Können sie unterhalten? Sorgen sie für Trubel, vielleicht sogar für Skandale? Jede Presse ist schließlich gute Presse.

Zugegeben: Auch "The Voice of Germany" stellt die einzelnen Persönlichkeiten in Einspielern vor, betont mitunter bestimmte Schicksale. Ausschlaggebend, um die nächste Runde zu erreichen, ist das aber eben gerade nicht, denn die Coaches bleiben unwissend. Einzig bei den Allstars, die schon einmal in einer früheren Staffel ihr Glück versucht haben, können sich hier Schlupflöcher der Subjektivität ergeben – vorausgesetzt, die Juroren erkennen sie an der Stimme.

"The Voice" und "DSDS": Individualität gegen Berechenbarkeit

Niemand muss sich bei oder für "The Voice of Germany" verbiegen. Im Gegenteil: Die Teams der Coaches sind nach Expertise so zusammengestellt, dass verschiedensten Genres Rechnung getragen wird: Rock, Pop, Soul, Hip-Hop, Schlager, Reggae, alles kommt irgendwie unter.

In der Jury von "DSDS" dagegen sitzt vor allem ein großes Problem und das heißt Dieter Bohlen. Er hat gezielte Vorstellungen davon, wie ein Gewinner sein "darf" und wie eben nicht mehr. Er sucht in erster Linie Stars und erst nachrangig gute Sänger und Sängerinnen. Diese Grundausrichtung behält im Zweifel stets die Oberhand, denn "DSDS" ist sein "Baby". Alle anderen Juroren sind austauschbar. Die Motto-Shows suggerieren stilistische Abwechslung, wo nicht wirklich welche stattfindet.

 Dieter Bohlen beim Finale der 16. Staffel der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar / DSDS 2019 im MMC Coloneum. Köln, 27.04.2019 *** Dieter Bohlen at the final of the 16 season of the RTL Castingshow Germany is looking for the superstar DSDS 2019 in the MMC Coloneum Cologne 27 04 2019 Foto:xF.xKernx/xFuturexImage

Dieter Bohlen ist bei "DSDS" unantastbar. Bild: imago images/ Future Image

Dazu passt, dass ehemalige "DSDS"-Kandidaten häufig eher durch private Dramen als durch ihre eigene Musik im Gespräch bleiben. Menowin Fröhlich oder Annemarie Eilfeld zeigen, dass der Weg ins Trash-TV dann auch gar nicht mehr weit ist.

"The Voice" ist viel unterhaltsamer als "DSDS"

Während bei "DSDS" also Poptitan Bohlen gefühlt mit eiserner Hand regiert, herrscht unter den "The Voice"-Coaches stets ein angenehmes Gleichgewicht. Dass sie bei den "blind auditions" auch selbst zum Mikrofon greifen, ist zwar streitbar, zweifellos aber bereichern die grundverschiedenen Charaktere die Sendung – besonders dann, wenn sie verbissen um Talente kämpfen und dabei auch mal liebevolle Kreationen wie "Dark Forster" oder "eine Nico-Santos-Länge Abstand" entstehen.

Diese sympathische Leichtigkeit sucht man bei "DSDS" zumeist vergebens. Wo nämlich Dieter Bohlen ist, muss auch Disziplin sein. Gleichzeitig lautet sein Credo: "Niemand dieser Leute darf größer werden als ich." Er hindert die Teilnehmer zuverlässig daran, bei den Auftritten ihres Lebens Spaß zu haben. Dass die Recalls an aufregenden Orten außerhalb Deutschlands stattfinden, tröstet dann kaum. Was für eine freudlose, glatte Veranstaltung.

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