Die Dschungelcamp-Moderatorin Sonja Zietlow teilte bereits einen Seitenhieb gegen "RTL Direkt" aus.
Die Dschungelcamp-Moderatorin Sonja Zietlow teilte bereits einen Seitenhieb gegen "RTL Direkt" aus.Bild: RTL / Stefan Gregorowius
Meinung

Dschungelcamp 2022: Sender-Taktik mit "RTL Direkt" trübt den Spaß an der Show – "Stammpublikum wünscht sich in erster Linie Zerstreuung"

28.01.2022, 14:0028.01.2022, 16:20

Für alle Fans des Dschungelcamps auf RTL ist vergangene Woche die schönste TV-Phase des Jahres angebrochen. Nach einer enttäuschenden Ersatzshow aus einem Kölner Studio gibt es jetzt endlich wieder authentisches Dschungelfeeling – dass die Produktion diesmal in Südafrika (und damit wieder nicht in Australien) über die Bühne geht, fällt nicht negativ ins Gewicht. Schon in den ersten Tagen gab es eine Menge zu diskutieren, darunter den Rauswurf von Christin Okpara und Janina Youssefian sowie die Corona-Infektion von Lucas Cordalis.

Ein Schönheitsfehler in diesem Jahr steht derweil in direktem Zusammenhang mit der RTL-Programmplanung: Von Montag bis Donnerstag nämlich wird "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" vom Nachrichtenformat "RTL Direkt" unterbrochen, und das geht vielen Zuschauern gegen den Strich.

Die Sandwich-Methode: Der RTL-Trick mit "RTL Direkt"

Der angestammte Sendeplatz der Show mit Jan Hofer und Pinar Atalay ist eigentlich um 22.15 Uhr, derzeit verschiebt sich die Ausstrahlung (Dschungel-bedingt) um eine knappe Stunde. Auf sein noch relativ neues Format, das Teil einer größeren Nachrichtenoffensive ist, möchte RTL keineswegs verzichten. Die Chefs haben sogar einen Weg gefunden, die Quoten für "RTL Direkt" in die Höhe schnellen zu lassen, ohne an der Sendung selbst etwas zu ändern.

Jan Hofer wechselt sich bei "RTL Direkt" mit Pinar Atalay ab.
Jan Hofer wechselt sich bei "RTL Direkt" mit Pinar Atalay ab.Bild: dpa / Jörg Carstensen

Möglich wird dies durch die sogenannte Sandwich-Methode: Dabei unterbricht RTL eine besonders erfolgreiche Show (wie eben das Dschungelcamp) für einige Minuten durch "RTL Direkt" und baut darauf, dass die Zuschauer dranbleiben. Bislang geht der Plan voll auf. So erreichte "RTL Direkt" laut einer Pressemitteilung am Mittwochabend als "Dschungel-Anhängsel" seinen Allzeit-Rekord. Zu Buche standen 3,49 Millionen Zuschauer sowie ein Marktanteil von 33,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Die Vermutung, dass dies weniger an "RTL Direkt", sondern vielmehr an "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" liegt, drängt sich geradezu auf. Zahlreiche Fans dürften die zehnminütige Dschungelcamp-Unterbrechung nutzen, um vor der Verkündung der nächsten Prüfungskandidaten noch einmal Süßigkeiten aus der Küche zu holen, nach den Kindern zu schauen oder schonmal die Zähne zu putzen. RTL läuft mutmaßlich einfach weiter nebenher.

Der Frust der Dschungelcamp-Fans ist verständlich

Zwar läuft "RTL Direkt" zu Dschungelcamp-Zeiten nur zehn Minuten statt wie üblich 20, nicht wenigen Zuschauer ist das aber schon zu viel. So haben sich im Verlauf der letzten Tage einige kritische Kommentare bei Twitter angehäuft. "Werde nie aufhören, mich über die 'RTL Direkt'-Unterbrechungen aufzuregen", schreibt eine Userin beispielsweise, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Das Problem an dem Konzept: Das Dschungel-Stammpublikum wünscht sich in erster Linie Zerstreuung mit seiner Lieblingsshow, "RTL Direkt" hingegen ist das absolute Gegenteil davon. Hier geht es um das aktuelle Weltgeschehen, und das ist derzeit zumindest nicht sehr erheiternd, denn nach wie vor ist die Corona-Pandemie das dominierende Thema. Die Zuschauer lieben das Dschungelcamp, weil sie die Probleme des Alltags hier vergessen können, noch vor dem Ende der Show aber werden sie auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt – doch RTL weiß, dass die Leute trotzdem nicht wegschalten, da ein wichtiger Teil ja noch aussteht.

Hinzukommt: Im Abgleich mit "RTL aktuell" am frühen Abend bringt "RTL Direkt" in seiner gestrafften Dschungelcamp-Form kaum einen Mehrwert, was den Informationsgehalt betrifft. Vielmehr werden die Meldungen des Tages noch einmal gebündelt präsentiert. Ein großer Teil des Publikums wird zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon up to date sein und lässt die Dschungelcamp-Unterbrechung daher wohl eher nur über sich ergehen. Prominente Gäste aus der Politik wie Katrin Göring-Eckardt können das Ruder mit knappen Einschätzungen auch nicht mehr herumreißen.

Die RTL-Taktik ist kurzsichtig

Mit der Sandwich-Methode agiert der Sender langfristig gedacht jedenfalls nicht sehr überlegt. Eigentlich sollte es darum gehen, "RTL Direkt" attraktiver zu machen, damit das Format eines Tages auch "alleinstehend" mehr Menschen anzieht, und eben nicht von Dschungelcamp- oder "Wer wird Millionär?"-Fans nur augenrollend toleriert wird. Stattdessen begnügen sich die Verantwortlichen damit, die Quoten der Nachrichtensendung mit einem Trick zu pushen.

Amüsant insoweit ist, dass "RTL Direkt" tatsächlich auch schon beim Dschungelcamp thematisiert wurde – genauer gesagt von Sonja Zietlow. Die nämlich erinnerte in dieser Woche daran, dass die "RTL Direkt"-Moderatorin Pinar Atalay erst neulich von den "Tagesthemen" an Bord kam und teilte in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb aus:

"Wir schalten jetzt kurz zu Pinar Atalay. Mich haben sie auch damals so zu RTL geholt: Hochglanz, alles ganz seriös, Informationsoffensive und so... und wo sind wir jetzt beide gelandet? Im Dschungel."
Pinar Atalay kassierte in der ersten Dschungelcamp-Woche einen Seitenhieb von Sonja Zietlow.
Pinar Atalay kassierte in der ersten Dschungelcamp-Woche einen Seitenhieb von Sonja Zietlow.Bild: RTL+ screenshot

Diese freilich auch selbstironische Betrachtung stimmt immerhin ein bisschen versöhnlich. Sie täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Sandwich-Methode nur deshalb funktioniert, weil die Dschungelcamp-Zuschauer sich nicht so leicht vergraulen lassen. Sie dürsten nach Stunk am Lagerfeuert wie Vampire nach Blut.

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Cathy Hummels hat sich im Laufe der Zeit auf Social Media eine große Reichweite aufgebaut. Rund 680.000 Menschen folgen der Unternehmerin auf ihrem Account. Dort zeigt sie immer wieder private Schnappschüsse aus ihrem Alltag und spricht auch regelmäßig über wichtige Themen wie Depressionen und den Umgang mit Hassnachrichten. Sie selbst ist ebenfalls Anfeindungen im Netz ausgesetzt und macht sich gegen Mobbing sowie Bodyshaming stark.

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