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Dame schaut hier zwar böse, ist in Person aber ein sehr freundlicher Typ. Versprochen. Bild: Colombo Samuel

Keine Drogen, Respekt für Frauen: Wie Rap-Star Dame Szene-Klischees trotzt

Ursprünglich hätte der österreichische Rapper Dame heute Mozartkugeln herstellen sollen. Doch dann kam die Musik dazwischen – und er brach seine Konditorlehre ab. 2011 veröffentlichte er unter dem Titel "12 Millionen" ein Youtube-Video, in dem er zu Szenen aus dem Computerspiel "World of Warcraft" rappt. Der Track hat über 16 Millionen Aufrufe – und legte den Grundstein für Dames Karriere. Mittlerweile hat er mit "Zeus" sein siebtes Album veröffentlicht, das ihn auf Platz zwei der deutschen Albumcharts katapultierte.

Im watson-Interview spricht der 30-Jährige, der in der Gamingwelt groß wurde und heute durch Europa tourt, über das Suchen und Finden der eigenen Identität, Sexismus in der Rapszene und sein Finanzdebakel zu Karrierebeginn.

watson: Dame, du hast in den vergangenen sieben Jahren jährlich ein Album rausgebracht. Wie schafft man als Künstler einen derartigen Output?

Dame: Ich bin nicht der Typ, der auf Kommando etwas schreibt. Für mich ist das eher wie Tagebuchschreiben. Ich schreibe darüber, was mich im jeweiligen Jahr bewegt oder schockiert. Und dann mache ich mich ran und verwandle diese Gedanken in Lyrisches und Musikalisches. Bei meinem letzten Album "Zeus" war mir wichtig, dass ich noch einmal einen Schritt weiter gehe. Nur HipHop war mir zu undynamisch – ich wollte mich vom Sound breiter aufstellen.

Dames 16-Millionen-Aufrufe-Video könnt ihr hier noch einmal sehen:

abspielen

Video: YouTube/Damestream Records

Apropos: Du bist auf Youtube mit Rapsongs zu Computerspielen durchgestartet. War das für dich auch eine Form der Zielgruppenerschließung?

Nein, das war ein Thema, das mir einfach sehr lag. Ich habe früher mit meinen Kumpels nächtelang "Call of Duty" gezockt und später kam mir dann die Idee, warum nicht mal einen Song zu so etwas zu machen. Das war in meinem Fall dann "World of Warcraft". Dass wir damit einen Jackpot landen sollten, war uns allen nicht bewusst. Mir ist die Kinnlade nach unten gefallen, als ich die Abrufzahlen des Videos gesehen habe.

War das auch der Moment, in dem du erkannt hast, dass du gerade deinen Durchbruch geschafft hast?

Der kam erst später, weil ich anfangs als Nischenkünstler abgestempelt wurde.

Vermisst du die alte Gamingszene denn?

Es war schon eine lustige Zeit. Aber vermissen würde ich es nicht nennen. Es ist auch ein enormer Zeitaufwand gewesen und mittlerweile sind mir andere Dinge einfach wichtiger. Ab und zu eine Runde "Call of Duty" geht aber schon noch klar.

Ich würde nicht sagen, dass Gaming Sexismus in der Hinsicht fördert – was vielmehr eine Rolle spielt, ist die Erziehung oder auch das Umfeld

Du hast auch schon einige Songs übers Gaming gemacht. Jetzt gibt es in der Community sexistische Tendenzen – ähnlich sieht es auch in der Rapwelt aus. Natürlich handelt es sich dabei um Extremfälle. Und trotzdem: Würdest du da Parallelen ziehen?

Ich würde sagen, dass es in beiden Szenen unterschiedliche Menschen gibt. Unter Gamern gibt es ja nicht ausschließlich Leute, die sozial inkompetent, ungepflegt oder sonst was sind. Da sind ja auch ganz normale Leute mit ganz normalen Jobs bei. Zocken ist ja auch kommunikativ. Als ich etwa "World of Warcraft" gespielt habe, haben wir uns über alle möglichen Dinge ausgetauscht. Ich würde jetzt nicht sagen, dass Gaming Sexismus in der Hinsicht fördert. Was vielmehr eine Rolle spielt ist die Erziehung oder auch das Umfeld. Das ist aber bei allen Dingen so.

Aber gerade auf Distanz entsteht auch eine sprachliche Flapsigkeit. Die Leute haben häufig das Gefühl, Dinge auszusprechen, die sie vielleicht nicht persönlich sagen würden.

Aber das ist ja das Gleiche, wie wenn du mit einer Gruppe irgendwo rumhängst und ihr unter euch seid. Da fällt dann auch mal ein Spruch, der unter die Gürtellinie geht. Für mich gibt es da keinen Unterschied.

Ein Song kann nach HipHop klingen, ohne unter die Gürtellinie zu gehen

Um das Stichwort Sexismus aufzugreifen: Anders als viele deiner Musikerkollegen aus der Rapszene bezeichnest du in deinen Songs Frauen nicht als Bitches oder Nutten, sondern stellst sie als gleichberechtigt dar. Warum ist das so?

Ich habe als 16-Jähriger natürlich auch diese Schimpfwörter verwendet, die mir damals aber gar nicht als solche bewusst waren. Im HipHop galt das auch nicht zwingend als Beleidigung, das war einfach der gängige Jargon. Aber mit der Zeit habe ich schon überlegt, wie ich einen Song schreiben kann, ohne dass er unter die Gürtellinie geht und trotzdem nach HipHop klingt. Und ich denke, das habe ich mittlerweile gut gelöst.

Wie das klingen kann, seht und hört ihr in "Schwarze Witwe":

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Video: YouTube/Damestream Records

Auch der Konsum von Drogen wird in deinen Songs nicht beschönigt.

Sagen wir mal so: Ich versuche meiner Vorbildfunktion nachzukommen. Ich habe nichts dagegen, wenn getrunken wird, es kommt aber auf die Dosis an und wie man mit Alkohol generell umgeht. Ich versuche jedenfalls nicht, meine Fans zum Konsum zu animieren.

Wie nimmst du es in der Rapszene wahr, wie mit dem Thema Drogen umgegangen wird?

Auch, wenn es so viele coole Künstler gibt – mir geht es aktuell im Rap etwas zu eintönig zu

Ich habe tatsächlich einen sehr ironischen Song auf meinem Album "Nie ohne mein Lean", der das ein bisschen auf den Arm nimmt. Ich höre privat sehr viel Rock und Soul, früher habe ich die Absoluten Beginner sehr gefeiert, die in ihren Songs auch mal andere Themen angesprochen haben. Heute gleicht im Rap oft ein Ei dem anderen und es gibt sehr viel Langweiliges. Auch, wenn es so viele coole Künstler gibt – mir geht es aktuell im Rap etwas zu eintönig zu.

Inwieweit unterscheidet sich der Künstler Dame eigentlich von deiner Person?

Bei mir ist das schon eng miteinander verflochten. Klar gibt es noch den Michael, der ins Geschäft geht und Lebensmittel kauft. Dame ist dagegen der Typ, der auch geschäftsmäßig Dinge erledigen muss. Das würde ich als meine Arbeitsrolle bezeichnen. Was die Texte betrifft, spielt eher mein normales Leben eine Rolle. Es sind schließlich Erfahrungen, die ich damit verarbeite.

Trotzdem gibt es Künstler, die sich bei Kontroversen hinter ihrer Kunstfigur verstecken.

Das ist bei mir aber nicht der Fall. Ich würde in meiner Rolle als Dame nichts machen, wo ich selbst nicht hinter stehe.

Du könntest heute auch als Koch arbeiten und Mozartkugeln herstellen oder weiter Musik machen. Was wäre für dich langfristig am realistischsten?

Eigentlich alles. Ich esse aktuell überwiegend vegetarisch. Wenn ich also wieder als Koch arbeiten sollte, dann eher in einem vegetarischen Restaurant. Ich fand es auch cool, als Koch zu arbeiten, auch wenn es teilweise hart war. Sollte es mit der Musik nicht mehr klappen, wäre das also eine Option.

Gerade könnte es nicht besser laufen, aber mit deinem ersten Mixtape sollst du dich finanziell verschätzt haben.

So gesehen war das ein Minusgeschäft, das ist richtig. Ich hätte eventuell auf Null rauskommen können, aber da ich das Mixtape in der Regel verschenkt habe, sind keine Einnahmen reingeflossen. Hier und da sprang mal ein Bier für mich raus, aber das war‘s auch schon. Schlimm fand ich das nicht. Allein um das Mixtape finanzieren zu können, bin ich mit der Gitarre in die Stadt gegangen. Ich hatte zwar auch noch meinen Lohn aus der Lehre, aber ich brauchte ja auch was zum Leben. Mein Sound Engineer Harald Mörth kam mir zum Glück mit den Studiokosten zusätzlich entgegen.

Ich habe durch die Musik leider auch viele Leute kennengelernt, von denen ich mal Fan war und die sich durch ihre Karriere verloren haben oder abgehoben sind

Kannst du denn jetzt besser mit deinen Finanzen umgehen?

Ich konnte schon immer gut mit Finanzen umgehen. Es waren damals nur keine da. (lacht) Aber ich bin kein materieller Mensch. Mir ist es nicht wichtig, welches Auto ich fahre, ich will nur, dass es funktioniert und mich von A nach B bringt. Ich habe durch die Musik leider auch viele Leute kennengelernt, von denen ich mal Fan war und die sich durch ihre Karriere verloren haben oder abgehoben sind.

Wer motiviert dich persönlich, weiter bei der Musik zu bleiben?

Das Team. Wir haben eine sehr familiäre Umgebung, was mir natürlich fehlen würde, sollte es mal wegfallen. Auch die Fans spielen eine große Rolle, was mir gerade zu Anfang nicht so bewusst war.

Jedes Jahr besucht uns die Familie eines verstorbenen Fans, um seinen Todestag bei einem Konzert zu verbringen

Inwiefern?

Ein Fan ist zum Beispiel verstorben. Seitdem besucht uns jedes Jahr seine Familie, um seinen Todestag bei einem Konzert von uns zu verbringen. Es ist wohl eine Form der Trauerarbeit. Oder einmal traf ich einen älteren Mann nach einem Konzert an einer Bar. Der sagt mir mit Tränen in den Augen, dass ein Song von mir seine Ehe gerettet habe. Das bringt schon einen Wow-Effekt mit sich.

Du hast aktuell auch einen straffen Zeitplan, warst gerade erst auf Tour. Wie hältst du das durch?

Da bei der Tour vor allem die Stimme entscheidend ist, bin ich froh, dass ich damit nie Probleme hatte. Bei meinem Backup sah es zeitweise anders aus – was völlig normal ist. Kommt aber auch immer drauf an, wo wir spielen. Bei Konzertauftritten versuche ich mich stimmlich halbwegs zurückzuhalten und auch nicht zu viel zu trinken, damit ich fit bin. Bei einem Festival geht immer mehr, weil ich weiß, dass es bei dem Auftritt erstmal bleibt. Bin ich am nächsten Tag heiser, ist das halb so wild.

Hier seht ihr Dame auf seiner "Zeus"-Tour live:

6. Januar 21: Ingolstadt
7. Januar 21: Erlangen
8. Januar 21: Bielefeld
9. Januar 21: Münster
11. Januar 21: Saarbrücken
12. Januar 21: Wiesbaden
13. Januar 21: Freiburg
14. Januar 21: Ulm

Und wenn jetzt jemand keine Ahnung von dir oder deine Musik hätte, wie würdest du dich vorstellen?

Im Musik- oder Rap-Kosmos würde ich sagen, dass ich der nette Typ von nebenan bin. (lacht) Ich erzähle Geschichten aus dem Leben. Und das hoffentlich noch für sehr lange.

Dames neue Single "Panik" erscheint am 25. März.

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