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Sidney, Stanley, Bradley und Dina in "I Am Not Okay With This": Neue Gesichter in gewohnter Kulisse bild: netflix

Lohnt sich die neue Netflix-Serie "I Am Not Okay With This"?

Ja, auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die neueste Teenie-Serie auf Netflix von einem Bot geschrieben wurde, den man vorher mit den Serien "Stranger Things", "The End of the Fucking World" und "Sex Education" gefüttert hat. Und irgendwie stimmt das ja auch: Die Produzenten sind die gleichen, die auch für "Stranger Things" verantwortlich waren und der Regisseur Jonathan Entwistle inszenierte bereits "The End of the Fucking World". Wir zeigen euch, ob sich die Serie trotzdem lohnt, natürlich spoilerfrei.

Worum geht's?

Sidney ist ein "langweiliges, 17-jähriges weißes Mädchen", wie sie sich im Eröffnungs-Voice-Over selbst beschreibt. Sie lebt in einer amerikanischen Kleinstadt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Liam, ihr Vater hat sich vor einigen Monaten selbst umgebracht. Sidney versteht sich anfangs nicht gut mit ihrer Mutter, doch man ahnt schon, dass es im Laufe der Serie noch einen menschlichen Moment zwischen den beiden geben wird.

Heimlich ist Sidney in ihre beste und einzige Freundin Dina verliebt, die ihrerseits gerade schwer in den stumpfsten Footballspieler verknallt ist, den man sich so vorstellen kann. Herzschmerz ist also schon garantiert. Zu Anfang versucht Sidney es auch mit ihrem skurrilen und witzigen Nachbarn Stanley, doch kann sie seine Gefühle leider nicht erwidern. Die Figur Stanley ist außerdem eins der Highlights der Serie.

Stanley Barber

quelle: twitter

Betrachtet man Twitter, so scheint Stanley Barber, gespielt von Wyatt Oleff, der absolute Fan-Liebling zu sein. Kein Wunder: Denn obwohl Sidney anfangs neutral bis abweisend zu ihm ist, bemüht er sich die ganze Zeit, sie aufzuheitern, ihr zu helfen und sie zu unterstützen, auch wenn sie seine Gefühle nicht erwidert. Stanley ist quasi der Manic Pixie Dream Boy und die Zuschauer der Serie sympathisieren mehr mit ihm als mit den anderen Figuren, wenn man Twitter glauben mag.

Noch mehr Stan-Liebe. quelle: Twitter

Aber auch die anderen Schauspieler sollte man nicht unterschätzen. Sophia Lillis spielt überzeugend den traumatisierten Tomboy Sidney, die dem Zuschauer zwar leid tut, man jedoch auch verstehen kann, dass sie mit ihrer ständig genervten Art nicht viele Freunde hat. Ansonsten fallen die Charaktere ziemlich flach: Ja, Sidneys beste Freundin Dina ist hübsch und fröhlich, doch das genügt leider nicht, dass der Zuschauer Sidneys Begeisterung für sie nachvollziehen kann. Abseits davon gibt es anscheinend auch im Jahr 2020 an High Schools immer noch die gleichen Klischee-Cliquen der beliebten Sportler und der unbeliebten Nerds – meist aus ärmlichen Verhältnissen.

Fun Fact: Sophia Lillis und Wyatt Oleff spielten bereits in den zwei "IT"-Filmen gemeinsam quelle: instagram

Die Ästhetik + Musik

"I Am Not Okay With This" ist wieder eine Serie, die auf die Achtzigerjahre-Ästhetik setzt, obwohl sie, anders als beispielsweise "Stranger Things", in der heutigen Zeit spielt. Doch in "Okay" macht das sogar Sinn: Die Holzverkleidungen und die alten Autos stehen für die angestaubte Atmosphäre der Stadt, in der Sydney das Gefühl hat, zu ersticken.

Die Songs kommen fast ausschließlich aus der Zeit vor 2000, mit Stücken von Karen Dalton und den Pixies. Und auch die fiktive Band Bloodwitch hört sich nach College-Radio aus den 80er an. Außerdem redet Stanley begeistert von VHS-Kassetten. Insgesamt wirkt die Serie dadurch recht zeit- und ortlos, wodurch sich vermutlich die vielen internationalen Netflix-Zuschauer weltweit mit der Geschichte identifizieren sollen.

Die Superkräfte

Ach ja, da war ja noch was... Innerhalb der ersten Folgen werden Sidneys beginnende Superkräfte zwar immer mal wieder gezeigt, doch genau so schnell vergisst man auch wieder, dass sie überhaupt welche hat. Im Vordergrund stehen eben doch mehr die Sorgen und Probleme der Pubertät. Die erste Hälfte der Staffel würde ohne die telekinetischen Kräfte komplett gleich verlaufen, doch das ändert sich in der zweiten Hälfte, was bereits die Szenen andeuten, in denen Sidney blutverschmiert durch die Stadt rennt.

Das alles ist ein bisschen "Carrie" und ganz offensichtlich sehr viel Elfie aus "Stranger Things". Und natürlich eine sehr schöne Metapher auf die Pubertät, in der man auch ohne Superkräfte schon unberechenbar genug ist.

"I Am Not Okay With This" ist eine trotz ihrer vielen Parallelen zu ähnlichen Serien sehenswert. Die Charaktere sind sympathisch, die Geschichte unterhaltsam und die Folgen mit knapp 20 Minuten so kurz, dass man sie auch mit bescheidener Aufmerksamkeitsspanne gut meistern kann. Netflix kennt sein Publikum, und wenn dann eben noch eine weitere nette Teenie-Serie dabei herausspringt, sagen wir sicher nicht Nein.

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