Xavier Naidoo bei der Charity Gala 'Tribute to Bambi' 2002 im Adagio. Berlin, 20.11.2002
Xavier Naidoo entschuldigte sich in einem Video-Statement für sein Verhalten. Bild: Geisler-Fotopress / Uwe Geisler/Geisler-Fotopress
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Gemischte Reaktionen auf Xavier Naidoos Sinneswandel: "Es reicht nicht"

20.04.2022, 15:49

Die neuesten Meldungen über Xavier Naidoo waren ein unerwarteter Paukenschlag. Eigentlich machte der Sänger in den vergangenen Jahren immer wieder mit "Verschwörungsgeschwurbel", aber auch mit antisemitischen und rassistischen Aussagen von sich reden. Ende 2021 entschied das Bundesverfassungsgericht sogar, dass der Sänger als Antisemit bezeichnet werden durfte.

Nun bittet Naidoo in einem rund dreiminütigen Video um Verzeihung – und erklärt seinen Sinneswandel. Die Kommentarfunktion unter dem Video hat er zwar deaktiviert, die Reaktionen darauf lassen aber dennoch nicht auf sich warten. Es zeigt sich: Für viele ist ein Video offenbar nicht genug, um Naidoos Taten wiedergutzumachen.

So empfindet das etwa die Psychologin und Wissenschaftlerin Pia Lomberty, die unter anderem zu Verschwörungstheorien forscht. Sie äußert klare Worte zum plötzlichen Sinneswandel des Sängers: "Wenn Naidoo sagt, Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus seien mit seinen Werten nicht vereinbar, stimmt eben genau das nicht. Hier fehlt mir die kritische Auseinandersetzung mit sich selbst." Auf Twitter stellte sie klar, dass eine Distanzierung von Gruppen noch "lange keine Aufarbeitung der eigenen Ideologie" bedeute.

Der gleichen Meinung ist auch Josef Holnburger, Geschäftsführer vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das eine interdisziplinäre Expertise zu Verschwörungs­ideologien, Antisemitismus und Rechtsextremismus bündelt. Dem Experten fehlt es in Naidoos Video vor allem an einer echten Entschuldigung. "Xavier Naidoo meint in seinem Statement, dass Antisemitismus, Nationalismus und Homophobie nicht mit seinen Werten vereinbar seien. Er sagt nicht: Tut mir Leid für den Antisemitismus, den ich seit Jahren verbreitet habe."

Der Antisemitismus werde damit immer wieder zum Problem der anderen gemacht: Andere hätten Naidoo laut eigener Aussage instrumentalisiert. "Wer die anderen sind, sagt er aber auch nicht: Er distanziert sich aufs Schärfste von Gruppen. Sagt aber nicht, welche."

Hass nicht mit einem "Sorry" erledigt

Xavier Naidoo hatte sich in der Vergangenheit viele Male offen antisemitisch geäußert. Während der Pandemie schien für ihn außerdem keine Verschwörungserzählung der vergangenen Jahre zu absurd, als dass sie in ihm nicht einen heißblütigen Anhänger hätte finden können. So hielt der Sänger es offenbar für möglich, dass die Erde eine Scheibe ist oder Corona ein Vorwand ist, um ungestört von der Öffentlichkeit Kinder aus den Händen pädophiler Elite-Netzwerke zu befreien. Dass er nun plötzlich wegen des Ukraine-Krieges wachgerüttelt worden sei, kaufen ihm offensichtlich viele nicht ab.

So reagiert etwa der Notarzt und Internist Dr. Christian Kröner auf Twitter und stellt klar: "Der ganze Hass und die Aggressionen, die aus gewissen Kreisen während der Pandemie geäußert wurden, sind nicht mit einem 'Sorry' erledigt." Und: "So einfach ist nicht back to business."

Ein "Verrat": Die Verschwörungs-Szene reagiert fassungslos

In der Verschwörungsszene wird Naidoos Kehrtwende hingegen als "Verrat" gewertet. Vor allem unter Corona-Leugnern und Verschwörungsanhängern sorgten Naidoos Äußerungen für Aufsehen.

Attila Hildmann etwa, ehemaliger Autor von veganen Kochbüchern und mittlerweile in die Türkei geflüchtet, bezeichnete Naidoos Video auf seiner Homepage als "Verrat" und ließ in einer langen Sprachnachricht kein gutes Haar an seinem ehemaligen Weggefährten.

Auch der Ex-Schlagersänger Michael Wendler zeigte sich auf Telegram überrascht: "Xavier schockiert die Freiheitsbewegung mit Aussagen in seinem Video. Viele Fragen sich nun, was zum Teufel seine Aussagen bedeuten. Die Wahrheit ist nicht verhandelbar."

Glaubwürdigkeit des Naidoo-Sinneswandels in Frage gestellt

Hanning Voigts, Journalist bei der Frankfurter Rundschau, findet zum plötzlichen Sinneswandel Naidoos auf Twitter eine klare Haltung: "Xavier Naidoo hat über Jahre übelste Verschwörungsmythen verbreitet, Reichsbürgerzeug, Homophobie, Antisemitismus. Ich hoffe sehr, dass er sich zu seiner vermeintlichen Kehrtwende mehr überlegt hat als ein Drei-Minuten-Statement."

Trotz der niederschmetternden Kritik sehen einige doch etwas Gutes am Sinneswandel Naidoos: Manche ehemalige Fans freuen sich etwa, dass Xavier Naidoo wieder "da" sei oder bewundern ihn für seinen Mut, sich zu reflektieren.

Mit einer Aussage trifft der Autor Max Czollek auf immens viel Zustimmung: "Am Ende ist es mir egal, ob Xavier Naidoo durch Geldmangel, öffentlichen Druck oder echte Einsicht zur Erkenntnis gekommen ist, dass sein menschenverachtendes Verschwörungszeug Unsinn ist. Die Szene hat ihre prominenteste Stimme verloren. Und das ist ein Grund zum Feiern."

(ast)

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