Influencerin Franziska Temme will sich künftig besser informieren, für wen oder was sie Werbung macht.
Influencerin Franziska Temme will sich künftig besser informieren, für wen oder was sie Werbung macht. instagram.com/ziskat

"Bachelor"-Kandidatin Franziska wirbt für Neonazi-Marke: "War ein großer Fehler"

23.01.2022, 12:56

Influencer werden oft auch als moderne Litfaßsäulen bezeichnet. Inzwischen hat nämlich auch das letzte Unternehmen begriffen: Es lohnt sich, Menschen, die bei Instagram, Youtube oder TikTok viele Follower haben, dafür zu bezahlen, Werbung für seine Produkte machen zu lassen. Und wenn Influencer nicht gewissenhaft überprüfen, für wen oder was sie da eigentlich werben, ist die Aufregung bei Fans und in der Öffentlichkeit schnell groß.

So war es auch, als Youtuberin Dagi Bee für einen umstrittenen Carb-Blocker die Werbetrommel rührte. Weil sie mit ihren Beauty-Videos eine vor allem junge, weibliche Bevölkerungsgruppe erreicht, die Studien zufolge für Essstörungen besonders anfällig ist, musste sich die Influencerin daraufhin einiges an Kritik anhören.

Influencer-Marketing sorgt immer wieder für Shitstorms

Und auch andere Youtube-Größen haben sich schon von fragwürdigen Konzernen einspannen lassen. Bibi Claßen zum Beispiel, die für den Fast-Fashion-Riesen Shein warb oder Simon Desue, der in seinen Videos Werbung für die Fast-Food-Kette McDonald's machte. Mit einem problematischen Produkt von noch ganz anderem Kaliber macht jetzt "Bachelor"-Kandidatin Franziska Temme von sich reden.

Die 26-Jährige, die sich in der aktuellen Staffel der RTL-Kuppelshow um das Herz von Bachelor Dominik Stuckmann bemüht, machte im Mai 2021 auf Instagram Werbung für die Kleidungs-Marke Label 23 – hinter der laut dem Verfassungsschutz ein bekannter Rechtsextremist aus Cottbus steht. Darauf machte kürzlich der Twitteracount der Antifa Info Kassel aufmerksam.

Es wäre nicht kompliziert gewesen, die Wahrheit herauszufinden: Wer sich im Internet über die Marke informiert, stößt schnell auf folgende Aussagen von einem Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums aus dem Oktober 2020: "Das Label gehört zum Erscheinungsbild des aktionsorientierten Rechtsextremismus und ist damit ein Erkennungsmerkmal der rechtsextremistischen Szene", sagte er gegenüber dem NDR.

Die "Bachelor"-Kandidatin sagt nun, dass sie davon nichts gewusst habe. "Als ich die Fotos für das Label gemacht habe, wusste ich nichts von deren politischer Gesinnung. Deshalb habe ich die Posts auch umgehend gelöscht, als ich davon erfahren habe", erklärte sie dem Kölner "Express". Sie habe für solch ein Denken keinerlei Toleranz und distanziere sich darum von jeglichem rechtsextremen Gedankengut.

"Es war ein großer Fehler, dass ich mich im Vorfeld nicht umfassend informiert habe. Daraus habe ich für die Zukunft definitiv gelernt", verspricht Franziska Temme. Der ursprüngliche Beitrag ist inzwischen gelöscht. Doch weil das Internet bekanntlich nicht vergisst, findet sich auf dem Twitter-Kanal von "Antifa Info Kassel" noch ein Screenshot davon.

(nik)

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