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Bushido und Ersguterjunge: Das steckt hinter dem Beef mit Capital Bra

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Bushido bestimmt derzeit wieder einmal die Schlagzeilen.Bild: EIBNER/Daniel Lakomski
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Bushido und sein Label Ersguterjunge: Das steckt hinter dem Beef mit Capital Bra

09.09.2023, 13:2422.09.2023, 16:28
Leon Schäfers
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Der Beef zwischen Bushido und Capital Bra ist aktuell das dominierende Thema in der Deutschrap-Szene. Auf dem Diss-Track "Dark Knight" rechnet Bushido mit Capital Bra ab, der Anfang 2019 sein Label Ersguterjunge, kurz EGJ, verlassen hat.

Wie es dazu gekommen ist, wie sich Bushidos Label im Laufe der Jahre entwickelt hat und welche Erfolge EGJ verbuchen konnte – darauf wollen wir nun einen genaueren Blick werfen.

Ersguterjunge: Die Anfänge von Bushidos Label

Bushido und Danny Bokelmann, damals als Rapper unter dem Namen D-Bo bekannt, haben Ersguterjunge im Jahre 2004 gegründet – nur kurz, nachdem Bushido Aggro Berlin, das zu der Zeit wohl größte Deutschrap-Label, verlassen hat. Schon im Gründungsjahr konnte EGJ sich als ernstzunehmende Konkurrenz behaupten. Denn über das Label ist bereits im Oktober 2004 Bushidos zweites Solo-Album "Electro Ghetto" erschienen, das immerhin auf Platz sechs der deutschen Album-Charts landen konnte und später auch Gold-Status erreichte.

Der harte Kern des Labels hat sich in den Folgejahren gebildet. 2005 sind Baba Saad sowie das Duo Beatlefield, bestehend aus Chakuza und Stickle, zu EGJ dazugestoßen. Letzterer feiert noch heute große Erfolge als Produzent für Künstler wie Pashanim oder Apache 207. Bizzy Montana, Nyze sowie der Produzent Screwaholic wurden im Jahr darauf gesignt. Sogar Eko Fresh stand Ende 2006 für kurze Zeit bei EGJ unter Vertrag, ehe er 2008 das Label wieder verlassen hat.

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Wer sich gut mit Deutschrap auskennt, dürfte mit allen bis hierhin genannten Namen vertraut sein. Für den kommerziellen Erfolg des Labels war Bushido damals jedoch größtenteils allein verantwortlich. Ob "Staatsfeind Nr. 1", "Von der Skyline zum Bordstein zurück", "7" oder "Heavy Metal Payback": Alle weiteren Bushido-Alben aus den 2000ern konnten hohe Charts-Platzierungen ergattern und über die Zeit auch Gold- oder gar Platin-Status erlangen.

Lediglich Baba Saad und Chakuza hielten zu der Zeit zumindest ansatzweise mit den Erfolgen ihres Label-Chefs mit. Ihre Solo-Debüts "Das Leben ist Saad" bzw. "City Cobra" landeten auf Platz 15 bzw. Platz 10 der Album-Charts, die jeweiligen Nachfolger "Saadcore" und "Unter der Sonne" sind sogar auf der Nummer neun gechartet.

Andere Signings wie Taréec oder Bisou, eine Girlgroup der Castingshow "Popstars" sind daneben eher untergegangen.

Der Beef zwischen Kay One und Bushido

2010 war bis dato wohl eines der solidesten Jahre für das Label. Bushido hat mit "Zeiten ändern dich" ein erfolgreiches Album mitsamt eigenem Film veröffentlicht, während Chakuzamit "Monster in mir" sein letztes EGJ-Album in den Top 10 platzieren konnte. Kay One und Fler, der das Label wenig später wieder verlassen hat, haben ihre Solo-Alben ebenfalls auf einstellige Charts-Positionen befördert.

Außerdem ist es das erste Jahr gewesen, in dem Aggro Berlin keine Konkurrenz mehr darstellte: Das Label musste 2009 dicht machen. Auf der anderen Seite haben in dieser Zeit beinahe alle Signings das Label verlassen, sodass 2012 neben Bushido nur noch Kay One Teil von Ersguterjunge war. Ob andere musikalische Ambitionen oder auslaufende Verträge, die Gründe für die Label-Abgänge waren ganz unterschiedlich, meist aber harmloser Natur.

Anders sah das bei Kay One aus: Ende 2012 hat auch er dem Label den Rücken gekehrt. Den heiklen Grund dafür hat er einige Monate später im Interview mit dem "Stern" öffentlich gemacht. Bushido sei laut Kay ein "Sklave" des Abou-Chaker-Clans und die Künstler des Labels, einschließlich Bushido, seien von dem Clan bedroht und unterdrückt worden. Die Folge: Bushido haut einen der größten Diss-Tracks in der Geschichte des Deutschraps gegen Kay raus – auch, wenn wir heute wissen, dass Kay in seinen Anschuldigungen nicht ganz Unrecht hatte.

2013: Ein neues EGJ-Zeitalter bricht an

Immerhin: Kay Ones Label-Abgang ermöglichte dem EGJ-Chef einen kompletten Neuanfang. Shindy, der in der Szene bis hierhin kein allzu großer Name war, wurde Anfang 2013 offiziell bei EGJ unter Vertrag genommen. Schnell stellte sich seine Musik als Goldgrube heraus: Sein Solo-Album "NWA" folgte im Sommer desselben Jahres und brachte ihm die erste Goldplatte und Nummer-Eins-Platzierung ein, die ein EGJ-Künstler abseits von Bushido je erhalten hat. Etwa drei Wochen nach Release musste Shindys Platte zwecks Indizierung in einer Zweitfassung releast werden.

Bis einschließlich 2016 bildeten Bushido und Shindy ein wahres Dreamteam: All ihre Solo-Alben in der Zeit können sich die Eins holen, alle Platten gehen Gold. Auch ihr Kollabo-Album "Cla$$ic" aus dem Jahre 2015. Ali Bumaye war zu der Zeit ebenfalls bei EGJ gesignt und hat die beiden fleißig unterstützt.

Zwar war er nicht ganz so erfolgreich wie Bushido und Shindy, dennoch konnte er mit seinen bis heute einzigen Solo-Alben "Fette Unterhaltung" und "Rumble in the Jungle" respektable Charts-Positionen erzielen. 2017 sind namhafte Rapper wie Samra, Laas Unltd. und AK Ausserkontrolle zum Label dazugestoßen.

Als Bushido im März 2018 jedoch bekanntgab, dass er sich von seinem langjährigen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker und damit auch von den Clan-Strukturen losgelöst hat, bricht ihm aufgrund interner Spannungen erneut fast das gesamte Label weg. Ali Bumaye und Shindy lösen sich aus den Verträgen, Laas und AK verlassen EGJ sogar ohne einen einzigen Release.

Capital Bra heuert an – und hinterlässt verbrannte Erde

Lediglich Samra ist dem Label treu geblieben. Genau wie im Jahre 2012 stand Bushido nun also allein mit einem einzigen Signing da. Das änderte sich im Sommer 2018, als Capital Brains EGJ-Team aufgenommen wurde.

Für eine kurze Zeit schien sich das Label wieder im Aufschwung zu befinden: Capi hatte zur damaligen Zeit ohnehin einen Hype und im Laufe des Jahres einige Songs über das Label releast. Darunter auch den Track "Für euch alle" an der Seite von Bushido und Samra, der für die beiden die erste Nummer-Eins-Single ihrer Karriere darstellen sollte.

Doch Anfang 2019 nahm die Erfolgsgeschichte ein urplötzliches Ende, als Capital Bra und Samra sich quasi über Nacht von Ersguterjunge trennten. Capi warf Bushido in einer Instagram-Story vor, mit der Polizei zusammenzuarbeiten – was sich nicht mit seinem Dasein als Rapper vereinbaren ließe.

Pünktlich zum Label-Abgang haben er und Samra mit "Fick 31er" eine musikalische Abrechnung mit Bushido veröffentlicht. Um Salz in die Wunde zu streuen, haben die beiden dafür den legendären Beat von Bushidos "Nie wieder" benutzt, dessen Freigabe der EGJ-Chef laut eigener Aussage nur wenige Tage zuvor erteilt hatte

Dieser Move war der Auslöser für den öffentlichen Beef zwischen Bushido auf der einen sowie Capital Bra und Samra auf der anderen Seite, der bis heute andauert. Ob der Release von "Dark Knight" dem Ganzen ein Ende bereitet hat, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist jedoch: Bushidos Label hat seitdem nie richtig an alte Erfolge anknüpfen können.

EGJ: Der Status Quo

Ende 2019 wurde Animus zum EGJ-Neuzugang auserkoren. Hauptsächlich, weil er dort zusammen mit Bushido das Kollabo-Album "Carlo Cokxxx Nutten 4" veröffentlicht hat. 2021 haben die beiden jeweils eigene Projekte über das Label releast – "Sonny Black 2" war jedoch das erste Bushido-Album seit 14 Jahren, das nicht auf der Eins charten konnte. Die Rapper Jean und Solé haben hier ebenfalls angefangen, Musik über das Label zu veröffentlichen. Ohne großen Erfolg.

Dass die Label-Arbeit gerade derzeit etwas hinten ansteht, lässt sich wohl auch auf Bushidos Prozess gegen Arafat Abou-Chaker zurückführen, der bereits seit über drei Jahren läuft und noch immer kein Ende gefunden hat. Ob Bushido mit seinem Label nochmal auf eine neue Erfolgsphase zusteuern kann? Schwierig zu sagen.

Was man dem Label aber in jedem Fall zugutehalten muss: Seit knapp zwei Jahrzehnten ist Ersguterjunge aus der Deutschrap-Landschaft kaum wegzudenken. Das Label hat mal mehr, mal weniger erfolgreiche Phasen überdauert und hat noch heute eine gewisse Relevanz. Etwas, das andere Deutschrap-Labels wie Aggro Berlin oder Selfmade Records leider nicht von sich behaupten können.

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