Oliver Pocher äußert sich zu den aktuellen Vorkommnissen im Deutschrap und zu den Vorwürfen gegen Samra.
Oliver Pocher äußert sich zu den aktuellen Vorkommnissen im Deutschrap und zu den Vorwürfen gegen Samra.
Bild: imago images/ Future Image

Oliver Pocher rechnet mit Deutschrap-Szene ab: "Die ganze Branche weiß es"

26.06.2021, 18:40

Gegen Rapper Samra wurden schwerwiegende Vorwürfe laut. Influencerin Nika Irani beschuldigte ihn vor Kurzem, dass er sie 2020 in einem Studio vergewaltigt haben soll. Rechtliche Schritte leitete sie nicht ein. Der Grund: "Vier von fünf Fällen bei der Polizei kommen nicht durch und ich habe keine Lust, mit diesem Ekel in einem Gericht zu sein und mir wird von irgendeinem ekelhaften Anwalt vorgeworfen, ich wurde nicht missbraucht."

Samra wehrte sich gegen die schweren Anschuldigungen, bestritt diese und kündigte an: "Da sich diejenige, die mich beschuldigt, weigert, die Angelegenheit zur Anzeige zu bringen, sehe ich mich gezwungen, den Sachverhalt von der Staatsanwaltschaft klären zu lassen. Ich gehe bewusst diesen Weg, da ich den Vorwürfen nicht nur widersprechen, sondern eine unabhängige Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft und Polizei herbeiführen möchte."

Nachdem dieser angebliche Vorfall öffentlich angeprangert wurde, meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer zu Wort, die ebenfalls sexuelle Gewalt in der HipHop-Szene erfahren haben sollen. Unter dem Hashtag #deutschrapmetoo wurde schließlich ausführlich über Gewalterfahrungen in der Branche diskutiert. Auch Oliver Pocher äußerte sich in seiner neuesten Podcastfolge zu den Geschehnissen und teilte seine Meinung über die deutsche Rapszene mit.

Oliver Pocher prangert Rapszene an

Bevor Pocher seine Sicht der Dinge schilderte, stellte Amira klar, dass es ein sehr schwieriges Thema sei. Für den 26-Jährigen gilt nämlich nach wie vor die Unschuldsvermutung. Sie erklärte dazu: "Das ist sehr komplex. Was ich nur zu diesem Thema sagen möchte, man weiß natürlich nicht, ob das stimmt. Aber, was viele machen, viele verurteilen diese Nika aufgrund ihres Jobs und ihrer Außendarstellung. Das ist aber völlig am Thema vorbei." Dies würde sie nicht richtig finden, wenn andere sagen, "guck doch mal, was die beruflich macht, wie könnt ihr so einer glauben. Das ist der größte Bullshit überhaupt."

Pocher sah das Ganze so: "Da komme ich mal zum Deutschrap. Das Thema ist viel vielschichtiger. Es geht auch nicht, dass diese Jungs massenhaft über die ganze Nummer rappen. Frauen sind da wirklich nur Objekte. Das geht ja fast die ganze Zeit so in deren Texten." Amira pflichtete bei, dass sie die derzeitige Bewegung begrüße, dass endlich mal aussortiert und kritisiert werde, was auch in den Songtexten thematisiert werde.

Der Komiker erinnerte daran, dass Bushido derjenige gewesen sei, der deutschen Gangsta-Rap großgemacht habe. Dann seien auch die Clans eingestiegen. Er meinte dazu:

"Mittlerweile ist deutscher Hiphop einfach komplett clangesteuert. Jeder hat irgendjemanden, mit dem er zusammenarbeitet. Es war wirklich ein Game-Changer, als irgendwann dann mit Bushido einfach plus 15 auf diese Veranstaltungen gekommen sind. Vorher gab es einfach ganz normale Aftershowpartys und dann sind die einfach mit 15 Leuten aufgetaucht und fingen an, sich einfach da wie die Axt im Walde zu verhalten. Das ist immer größer und größer geworden. Deswegen ist das auch der Grund, warum ich auf kein Konzert oder so eine Veranstaltung gehen würde."

Es würde mehrere Sachen dort geben, die den fünffachen Vater am Deutschrap nerven: "Erstmal sind die ganzen Charts durchmanipuliert. Wie du Follower kaufen kannst, kannst du einfach Streams bei Spotify kaufen, Likes kaufen, du kannst Youtube-Klicks kaufen und genau das wird gemacht. Es nervt. Die ganze Branche weiß es." Und weiter: "Fast nichts davon ist doch auch wirklich ein Hit. Genauso affig sind diese Instagram-Accounts mit diesen golduhrtragenden, protzenden Typen mit ihren ganzen Jungs." Mit der ursprünglichen Rapbewegung aus den 70ern und 80ern würde es heute nach Pocher keine Berührungspunkte mehr geben:

"Jetzt denken alle nur, es ist '4 Blocks'. Es geht nur noch um Drogenkonsum, Gewaltverherrlichung, frauenverachtende Texte, das sind doch keine Aussagen. Und auch ein wichtiger Punkt: Auf Worte folgen Taten. Wenn du das jeden Tag rappst und solche Texte dir auch ausdenkst und schreibst, dann bleibt doch auch was bei dir hängen. Du kannst dann nicht sagen, du bist eine Künstlerfigur. Du gehst auf die Bühne und lässt den Voll-Assi raushängen. Viele von denen, die ich kenne, sind auch saunett, aber sobald die plus zehn und komischerweise in einer 95-prozentigen Jungswelt unterwegs sind, ist es einfach eine andere Geschichte."

Oliver Pocher spricht über ein Umdenken in der Szene

Einige von den Jungs sollten seiner Meinung nach mal damit anfangen, ihr Verhalten zu überdenken. Auch die jungen Frauen sollten vorsichtiger sein, sich ihr Handy nicht wegnehmen lassen und zu möglichen Treffen mit Künstlern nicht allein gehen. "Die sind alle nicht so nett, wie sie dann immer kurzfristig tun. Das ist einfach ein komplettes Haifischbecken, in das man da eintaucht", mahnte der Comedian an. Auch diese Blase werde irgendwann mal platzen. Für ihn sei es wichtig, dass nun über die Missstände gesprochen werde:

"Dass das jetzt mal so ein bisschen ins Wanken kommt und auch über die Texte, den Lifestyle gesprochen wird, finde ich auf jeden Fall, unabhängig wie das ausgeht, einen guten Punkt."

Amira zeigte sich hingegen noch etwas vorsichtiger: "Wir können darüber sprechen, aber ich bin da immer so vorsichtig. Du weißt, ich bin dann immer der Part zu Hause, der sagt, bitte halt einfach den Mund, ich will da keinen Beef, ich will da keinen Stress." Und weiter: "Man muss vorsichtig sein, Oli, man hat trotzdem Verantwortung, Familie. Du kannst dich gerne darüber lustig machen, ich erinnere dich zu einem gewissen Zeitpunkt daran. Es reicht schon, dass du irgendwas geteilt hast, dann kriege ich schon wieder Nachrichten dazu, dass dein Mann eine Lügnerin beschützt und dann denke ich mir, lasst mich doch in Ruhe, bin ich die Sekretärin, deine Mama? Nein!"

Doch für den 43-Jährigen war klar: "In der Öffentlichkeit sind wir nicht nur die Netten. Ich kann auch gerne Florian Silbereisen sein, so bin ich aber nicht. Ich bin schon vorsichtig, aber ich lass mich auch nicht einschüchtern. Ich muss mich auch nicht zu jedem scheiß Thema äußern, aber diese deutsche Hiphop-Gesellschaft mit allem drum herum, das ist wirklich auch ein Thema, wo man lange genug geschwiegen hat und einfach das mal ansprechen muss."

(iger)

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