Schwesta Ewa berichtete ihren Followern noch am Abend ihrer Haftentlassung vom geschlossenen Vollzug.
Schwesta Ewa berichtete ihren Followern noch am Abend ihrer Haftentlassung vom geschlossenen Vollzug.
Bild: Screenshot / Instagram / schwestaewa

Schwesta Ewa meldet sich nach Freilassung über Tochter zu Wort: "Das ist genau das, wovor ich Angst hatte"

03.02.2021, 16:39

Nach etwas über einem Jahr in Haft ist Schwesta Ewa wieder eine freie Frau. Am Dienstag konnte sich die Rapperin freudestrahlend bei ihren Instagram-Followern melden und ihre vorzeitige Entlassung feiern. Denn eigentlich wurde Ewa 2017 zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Körperverletzung und Steuerhinterziehung verurteilt. Im Januar 2020 trat sie die Haft nach mehreren Revisionen an. Zunächst musste sie in den geschlossenen Vollzug, erwirkte jedoch im Juni 2020 in den offenen Vollzug verlegt zu werden und konnte einen Monat später in ein Mutter-Kind-Gefängnis wechseln.

Schwesta Ewa und ihre Tochter sahen sich monatelang gar nicht

Denn Ewa hat eine kleine Tochter namens Aaliyah, die sie im geschlossenen Vollzug monatelang nicht sehen durfte. Das lag nicht nur an den strengen Haftbedingungen, sondern auch an der Corona-Pandemie, wie sich Ewa nun in einem Instagram-Livestream erinnerte: "Eigentlich durfte mich meine Tochter im geschlossenen Vollzug sechsmal im Monat besuchen. Aber nach eineinhalb Monaten kam Corona und dann durfte ich sie gar nicht sehen. Deswegen muss ich diese Traumatherapie machen, das war schrecklich. Überall Mütter am Heulen. Es ist eine reinste Katastrophe. Leute werden aggressiv und psychisch krank. Ich weiß, jeder hat da Scheiße gebaut, dafür sitzen die ja aber auch."

Ihr Kind war gerade einmal 12 Monate alt, als Ewa inhaftiert wurde, viereinhalb Monate seien sie komplett voneinander getrennt gewesen wegen der Corona-Besuchsregelungen. Nicht nur für die Mütter im Gefängnis sei das eine Zerreißprobe gewesen, auch die Kinder leiden sehr unter einer so langen Trennung. An Aaliyah ist all das also auch nicht spurlos vorbeigegangen, wie Ewa weiter berichtet:

"Es hat für sie Konsequenzen, dass sie von mir getrennt worden ist, vier Monate im geschlossenen Vollzug. Das ist genau das, wovor ich die ganze Zeit Angst hatte, dass meine Tochter irreparable Schäden davonträgt."

Wie sich die erste Zeit der Haft für Ewa anfühlte, ließ sie ebenfalls durchblicken. Die gebürtige Polin verfolgen demnach bis heute jede Nacht Albträume: "Ich träume jede Nacht, dass meiner Tochter etwas passiert. Ich muss eine Traumatherapie machen." Es sei die schlimmste Zeit ihres Lebens gewesen.

Schwesta Ewa berichtet über die Zeit in der Mutter-Kind-Einrichtung

Insgesamt sieben Monate war Ewa nach dem geschlossenen Vollzug in einer Mutter-Kind-Einrichtung. Als sie und ihr Kind sich wiedergesehen haben, habe die Rapperin erst einmal vorsichtig den ersten Kontakt gewagt und ihre Tochter zunächst nicht überschwänglich umarmt. "Wir haben schon zueinandergefunden, auch wenn da noch viel Nachholbedarf ist." Beispielsweise erinnerte sich Ewa daran, dass Aaliyah zunächst alle Insassinnen Mama genannt habe, die 36-Jährige konnte das nur schwer ertragen.

Doch es habe auch Vorzüge in der Mutter-Kind-Einrichtung gegeben: "Die Zelle ist groß, man hat eine Küche, ein Bad. Es ist quasi eher ein Apartment anstatt eine Zelle. Trotzdem gibt es viele Regeln. Und weil das Kind ja eigentlich nicht inhaftiert ist, sondern nur aus deinem eigenen Verschulden in Haft sitzt, ist das natürlich schwer", erklärte Ewa.

Ob die Zeit im Gefängnis Schwesta Ewa weitergebracht habe, fragte schließlich ein Zuschauer im Instagram-Chat – und tatsächlich zeigt sie sich geläutert: "Nie wieder in meinem ganzen Leben verlasse ich meine Tochter. Meine Straftat habe ich zig Jahre vor der Geburt meiner Tochter begangen."

Ewa wegen guter Führung und ihrem hartnäckigen Anwalt früher entlassen

Die Gründe für ihre vorzeitige Entlassung liegen zudem auf der Hand: Ewa hat nach zwei Dritteln der verbüßten Strafe bei guter Führung die Möglichkeit auf Haftverkürzung. Diese zwei Drittel waren noch nicht ganz erreicht, mit der Unterstützung ihres Anwalts André Miegel, der einigen durch seine juristischen Videos auf Youtube ein Begriff sein dürfte, konnte Ewa dennoch vorzeitig entlassen werden. "Wir sind sehr stolz auf unseren Sieg. Dies hat sich Ewa verdient und ich wünsche ihr und der kleinen Aaliyah alles Gute", schreibt Miegel auf Instagram.

Ewa ist nun auf Bewährung, doch das mache ihr nichts aus: "Ich kann in den Spiegel schauen. Ich habe Scheiße gebaut, ich habe dafür geradegestanden und alles andere ist egal." Geplant sind ein Buch über ihre Haftzeit und ein neues Album.

(cfl)

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