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Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, Christiane Woopen. Bild: screenshot zdf

"Risiko eingehen können, zu sterben" – Ethikerin äußert klares Statement

Bei "Maybrit Illner" geht es am Donnerstagabend um das Coronavirus – drumherum kommt man derzeit nicht. Vielschichtig diskutieren Gäste in der Runde die Ausbreitung und Entwicklung des Virus, reden über Handy-Apps und Ebola-Medikamente. Eine Frage bleibt am Ende hängen: Muss man den Menschen trotz allem "erlauben", sich dem Risiko des eigenen Todes auszusetzen?

maik mosheim

Tag 13 der Kontaktsperre – und eine Lockerung der Beschränkungen ist nicht wirklich in Sicht. Zumindest nicht unmittelbar. Wann genau wir uns wieder mit mehr als einer Person oder unserer Familie treffen können? "Irgendwann" war und ist bislang der Tenor aus der Politik.

Melanie Brinkmann ist an diesem Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" die Virologin in der Runde. Sie plädiert dafür, die Corona-Maßnahmen für die Bevölkerung zu lockern: Nur wann, könne derzeit niemand genau sagen. Auch die anderen Gäste haben an diesem Abend keine konkrete Antwort. Können uns die Virologen bei einer baldigen "Exit"-Strategie helfen, fragt die Moderatorin? Brinkmann schüttelt den Kopf, während Illner noch fragt. Fast verzweifelt guckt sie dabei.

Ebola-Medikament als Corona-Heilmittel?

"Hoffen" ist momentan offenbar manchmal wichtiger als "wissen", Brinkmann setzt die größte Hoffnung in einen möglichen Impfstoff. Sie ist überzeugt, dass dieser "der Heilige Gral" sei, der uns ermöglichen würde, wieder ein normales Leben zu führen. Einen guten, ethisch vertretbar getesteten Impfstoff werde es zwar frühestens im Herbst geben. Allerdings gebe es dafür eine gute Nachricht aus der Heilmittel-Kategorie: Das eigentlich für die Ebola-Bekämpfung gedachte Medikament "Remdesivir" sei vielversprechend im Kampf gegen Covid-19. Das Medikament ist nur leider bislang nicht zugelassen, etwas Geduld braucht es also schon noch.

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Am Abend bei "Maybritt Illner". Bild: screenshot zdf

Genau wie beim Thema Apps. Die Bundesregierung kokettiert derzeit mit einer neuen Handy-App, die Kontaktpersonen von Corona-Infizierten identifizieren können soll. Freiwillig heruntergeladen, soll die App via Bluetooth vom Handy nachweislich infizierter Personen ein Signal an jede Person schicken, die sich in der Zeit davor für mindestens 15 Minuten in der Nähe dieser Person befunden hatte. Und soll dann dazu auffordern, zu Hause zu bleiben und sich testen zu lassen. Zunächst mal ein interessanter Ansatz – das ist allerdings auch sehr abhängig von der Zahl der Nutzer, die die App generieren kann. Der Traum von Kanzleramtschef Helge Braun: über die Hälfte der Bevölkerung.

Jeder sollte selbst über sein Leben entscheiden dürfen

Datenschutzrechtlich und ethisch sei die App zumindest schon mal unbedenklicher als viele andere, sagt Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. Woopen betont weiter, die massiven Einschränkungen ins gesellschaftliche Leben seien zwar derzeit völlig gerechtfertigt – man müsse jedoch so bald wie möglich zurückkehren zu menschlichen Grundrechten wie der Religions- oder Versammlungsfreiheit.

Und auch die Selbstbestimmung müsse bestehen bleiben. Jeder Mensch sollte sagen dürfen:

"Ich möchte das Risiko eingehen können, zu sterben"

Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates

Davon dürfe man auch ältere Menschen mit Vorerkrankungen aus den Risikogruppen nicht ausnehmen.

Es ist ein polythematischer Abend im Coronavirus-Kosmos. Von "Remdesivir" über Identifikations-Apps bis hin zu Schutzmasken. Und natürlich geht es auch um die Ausbreitungs-Geschwindigkeit des Virus.

Dirk Brockmann ist Physiker an der Humboldt-Universität in Berlin und versucht, genau diese Geschwindigkeit zu modellieren. Zentraler Erkenntnisgewinn: Die Mobilität der Deutschen hat sich deutlich verringert, wenig verwunderlich angesichts der Beschränkungen. Derzeit sehe man in vielen europäischen Ländern, dass sich die neuen Fallzahlen auf einem "Plateau" befinden würden, also quasi einpendeln. Die Hoffnung sei dann natürlich immer groß, dass nach dem Plateau ein abfallender Trend zu beobachten sei, erklärt Brockmann. Wissen könne man das aber noch nicht.

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