Christian Lindner teilte seine Haltung zum Thema Energie.
Christian Lindner teilte seine Haltung zum Thema Energie.Bild: screenshot zdf
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Lindner bei "Maybrit Illner": "Ich habe große Sorgen"

24.06.2022, 07:50

Die Bundesregierung hat die Alarmstufe im "Notfallplan Gas" ausgerufen. Maybrit Illner nahm diese jüngste Entwicklung zum Anlass, um am Donnerstagabend mit ihren Gästen die Frage zu diskutieren: Wird Energie unbezahlbar?

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die Lage zwar angespannt sei, es aber "Stand heute" noch eine "stabile Versorgung mit Gas" gebe. Das sei auch der Grund dafür, dass die Verbraucher noch keine erneute Preiserhöhung erfahren hätten.

Hier sind alle Gäste zu sehen.
Hier sind alle Gäste zu sehen.Bild: screenshot zdf

Das waren die Gäste bei "Maybrit Illner" am 23. Juni:

  • Christian Lindner, Bundesfinanzminister
  • Lars Klingbeil, SPD-Chef
  • Monika Schnitzer, Professorin für Volkswirtschaftslehre
  • Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur
  • Henrike Roßbach, "SZ"-Journalistin

Ungewissheit herrsche derweil jedoch über den Zeitraum nach dem 11. Juli. Dann beginnen mehrtägige Wartungsarbeiten an Nord Stream 1, für die die Gaspipeline abgestellt wird. Ob der Gaszufluss danach wieder 100 Prozent beträgt, auf die gedrosselten 40 Prozent zurückgeht oder ganz ausbleibt, ist bisher noch nicht absehbar, so Müller. "Alles ist möglich", erklärte er bei "Maybrit Illner".

Klaus Müller wurde zugeschaltet.
Klaus Müller wurde zugeschaltet.Bild: screenshot zdf

Finanzminister Christian Lindner sagte über die aktuelle Lage: "Ich habe große Sorgen, das hält mich mitunter nachts auch wach." Die Bundesregierung habe sich jedoch auf die "physikalischen Folgen" der Gaskrise vorbereitet – etwa mit diversen Alternativen wie LNG-Terminals und Kohlekraftwerken. Darüber hinaus seien die Gasspeicher gefüllt und weitere Milliarden eingeplant, um Gas einzukaufen.

Die "ökonomischen Folgen" würden durch Subventionen, sowie die Schuldenbremse abgefedert. Alternativen zu Russlands Gas zu finden und die Speicher zu füllen, sieht auch SPD-Chef Klingbeil als besonders wichtig an, wie er bei "Illner" erklärte. "Es passiert etwas bei uns und wir müssen uns auf harte Monate einstellen", so der Sozialdemokrat. Im Koalitionsausschuss am Mittwoch sei es "sehr ernst" zugegangen.

Bundesnetzagentur-Chef liefert bittere Analyse

Wie weit komplett volle Gasspeicher Deutschland wirklich bringen würden, sollte Putin den Gashahn komplett abstellen, erklärte Bundesnetzagentur-Chef Müller: Die Bundesrepublik käme ohne russisches Gas selbst bei komplett gefüllten Speichern in einem durchschnittlich kalten Winter nur für zweieinhalb Monate hin, so die bittere Analyse.

Alternative Wege Gas zu gewinnen, sind folglich unumgänglich. Könnten Atomkraftwerke auch dazugehören, wollte Illner wissen? Man müsse die Option ohne Tabus diskutieren, befand Lindner. Klingbeil erklärte derweil: "Der Aufbruch in die erneuerbaren Energien ist nach wie vor richtig." Zur Atomenergie sollte es aus seiner Sicht nicht zurückgehen.

Lars Klingbeil setzte sich für erneuerbare Energien ein.
Lars Klingbeil setzte sich für erneuerbare Energien ein.Bild: screenshot zdf

Auch Müller ließ durchblicken, dass er gegen eine Rückkehr zur Atomenergie sei. Wenn er sich dabei auch vorsichtig ausdrückte unter Verweis darauf, dass er sich in seiner Position in einer "gewissen politischen Zurückhaltung" üben müsse. Er betonte jedoch mehrfach: "Wir haben keine Stromlücke, wir müssen Gas beschaffen." AKWs erzeugen elektrische Energie.

Was passiert im Gas-Notfall?

Und was passiert, wenn Gas knapp wird? Müller erklärte, dass in einem solchen Fall private Haushalte unter einem besonderen Schutz stünden und erstmal weiterhin mit Gas versorgt würden. Die Bundesnetzagentur wäre in einem solchen Fall daran beteiligt zu entscheiden, welche Industrien vorerst auf Gas verzichten müssten.

Christian Lindner stellte sich den Fragen von Maybrit Illner.
Christian Lindner stellte sich den Fragen von Maybrit Illner.Bild: screenshot zdf

Lindner verwies darauf, dass in einem solchen Extremfall eine Strukturkrise drohe. Der Grund: Einige Anlagen könnten, nachdem sie abgestellt wurden, nicht mehr hochgefahren werden. Davon betroffene Unternehmen drohten im Fall einer Gasknappheit nach Asien abzuwandern und nicht mehr zurückzukehren.

Maybrit Illner wollte wissen, ob irgendwann wieder Gas aus Russland bezogen wird.
Maybrit Illner wollte wissen, ob irgendwann wieder Gas aus Russland bezogen wird.Bild: screenshot zdf

Ob Deutschland denn nie wieder Gas und Öl aus Russland beziehen werde, wollte Illner von Klingbeil wissen. Ein "nie wieder" würde ihm in diesem Zusammenhang schwerfallen, weil er ja nicht wisse, wie sich die Lage weiter entwickeln werde. "Mein Ziel ist es, völlig wegzukommen von der Abhängigkeit von Russland", stellte er jedoch klar.

Lindner hielt eine Aussage mit "nie wieder" im Bezug auf Russland für falsch. "Russland ist nicht Putin", erklärte er und verwies außerdem darauf, dass Deutschland nach der Befreiung vom Nationalsozialismus in die internationale Gemeinschaft zurückgekehrt sei.

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