Spektakulärer Anti-Lauf: der glücklose CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und sein Star im "Zukunftsteam", Friedrich Merz, sind Thema in der "heute-show".
Spektakulärer Anti-Lauf: der glücklose CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und sein Star im "Zukunftsteam", Friedrich Merz, sind Thema in der "heute-show".
Bild: zdf

"heute-show"-Häme gegen CDU-Chef: "Wer bei Google 'lost' eingibt, findet ein Foto von Armin Laschet"

Gerade rechtzeitig – nämlich mitten in der heißen Wahlkampf-Phase – kehrten die "heute-show"-Macher aus der Sommerpause zurück. Und rieben sich verwundert die Augen: eine Bundestagswahl, deren Sieger noch nicht feststehe? "Ist das überhaupt erlaubt?", fragte sich Oliver Welke – und noch etliches mehr.
11.09.2021, 12:28
Jürgen Winzer

Die CDU in einer Umfrage nur noch bei 19 Prozent! Oliver Welke, Anchorman der "heute-show" (ZDF), konnte seine Schadenfreude nur schwer zurückhalten, die Gags über den taumelnden CDU-Chef Laschet ("Kanzlerkandidat mit spektakulärem Anti-Lauf") trugen zum Comeback nach der Sommerpause aber Züge von Mitleid. Der Arme mache alles falsch, egal, ob er im Flutgebiet in Slippern oder Gummistiefeln antrete. Welke sieht Laschet ganz unten: "Wer bei Google 'lost' eingibt, kriegt ein Bild von Armin Laschet."

In der Union herrschten angesichts der Tatsache, dass 71 Prozent der Deutschen Laschet für nicht Kanzler-fähig hielten, pure Verzweiflung: "Sogar Angela Merkel hat öffentlich aufgerufen, Laschet zu wählen!" Zudem komme man auf schräge Ideen: "Friedrich Merz, der Star des 'Zukunftsteams', das CDU-Gesicht der Zukunft?" Und nicht nur extern habe Laschet schlechte Karten, auch intern fehle der Rückhalt. In Berlin verzichte man beim Wahlkampf auf sein Konterfei auf Plakaten.

"Wenn Heuchelei olympisch wird, kriegt Söder immer Gold"

CSU-Boss Markus Söder machte Welke gar als regelrechten Laschet-Mobber aus: "Wenn Heuchelei endlich olympisch wird, dann kriegt Söder garantiert immer Gold", meinte Welke zu den Söder'schen Botschaften zur Causa Laschet ("Ich finde es unfair, wie Laschet behandelt wird."), die Welke als scheinheilig outete:

"Der Typ hat keine Skrupel mehr."

Aber Welke mahnte auch, man dürfe Laschet nicht zu früh abschreiben: "Der Mann war immer wieder am Boden und hat dann doch wieder gewonnen. Laschet ist praktisch der Plot von jedem 'Rocky'-Film."

Trotzdem: Kann tatsächlich Olaf Scholz Kanzler werden? "Was", fragte Welke, "stimmt nicht mit uns?" Wie habe es so weit kommen können? Welkes Theorien: Entweder liege es daran, dass gute Umfragewerte zu guten Umfragen führten. "Der Mensch will halt immer zum Sieger gehören – deshalb werden dumme Kinder ja auch Bayern-Fans", so Welkes Theorie. Oder es liege an einem uralten Trick: "Wer wenig macht, macht auch wenig falsch." Obwohl, da schürte Welke selbst Zweifel, nannte Scholz einen Finanzminister, der offenbar nicht mal seine eigene Zoll-Behörde im Griff habe.

"Was stimmt mit uns nicht?", fragte Oliver Welke, weil es tatsächlich möglich sei, dass Olaf Scholz Kanzler werden könnte.
"Was stimmt mit uns nicht?", fragte Oliver Welke, weil es tatsächlich möglich sei, dass Olaf Scholz Kanzler werden könnte.
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Wie auch immer: Bei der Union grassiere die Panik vor der Rot-rot-grünen Katastrophe. "Das ist der letzte Inhalt der Union", so Welke. Sogar ein alter Kampf- und Teeetassenspruch wurde abgewandelt. "Gott schütze uns vor Eis und Schnee, den Grünen, den Linken und der SPD!" Welke konterte: "Ist 'Lieber weiter Maskenschmu, beide Stimmen CDU!' besser?"

Corona-Verunsicherung durch Til Schweiger?

Apropos: Zur Corona-Lage der Nation stellte Welke verbittert fest, dass "wir bei 62 Prozent Impfquote stagnieren". 20 Millionen Erwachsene hätten sich – trotz kostenlosem Angebot – nicht impfen lassen. Vor den Querdenkern und Verschwörungstheoretikern, die Welke auch bei den Ungeimpften nur als Minderheit sieht, hat er quasi kapituliert: "Diskussionen haben echt keinen Sinn, man wird nur noch müde." Sein Fazit: "Vergesst die Impfgegner, holt Euch die zu Bequemen und die, die unorganisiert sind." Da müssten flächendeckende, einfache Angebote her: "Auf jedem Marktplatz müssten Impfbusse stehen." Und es brauche klare Information. Viele seien "verunsichert durch Internet, falsche Freunde oder Til Schweiger".

"Wie kann ein Produkt, das mir unter Umständen das Leben rettet und kostenlos ist, nur so ein Marketingproblem haben?", schüttelte Welke den Kopf. Es müsse aber auch Konsequenz her. "Es wird ungemütlicher für Ungeimpfte", stellte Welke fest. Zur Diskussion um 2G oder 3G meinte er: "Lieber eine Kneipe, in der nur Geimpfte und Genesene sitzen, als eine, die schon wieder geschlossen werden muss."

Andy Scheuer ist bald nicht mehr im Amt – "wenn es einen Gott gibt"

Aber nicht nur Corona rege auf, so Welke, sondern auch der Bahnstreik. Der Volkszorn richte sich – über die Hälfte der Deutschen habe kein Verständnis mehr für den Streik – vor allem gegen GDL-Boss Claus Weselsky. Den Lautsprecher der Gewerkschaft von Lokführern und Zugbegleitern (O-Ton: "Ich bin keiner, der die andere Wange auch hinhält – da gibt's zurück!") bezeichnete Welke als "Fleisch gewordenen Ersatzfahrplan".

Aber er nahm Weselsky ("Ist er der letzte deutsche Arbeiterführer?") auch in Schutz. Mitschuld am Zoff sei auch die GroKo, die 2015 das Tarifeinheitsgesetz verabschiedete, vor dem damals Experten warnten. Zurecht, wie sich zeige: "Man wollte damit für weniger Streiks sorgen, jetzt hat man mehr."

Politisch verantwortlich für das Bahn-Chaos (und die 30 Milliarden Schulden) sei Verkehrsminister Andreas Scheuer. Dem Andy (Welke: "Er ist nur noch ein paar Wochen Minister – jedenfalls, wenn es einen Gott gibt.") setzte die "heute-show" mit einem Quiz als "Dank für 9.000 Sendeminuten" bereits jetzt ein Denkmal. Martin Klempnow spielte den Quizmaster, der "Scheuers größten Fan, den Oli" Fragen zu seinem Idol stellte.

Was bleibt von Andy Scheuer? Quizmaster Martin Klempnow befragte "den Oliver", den "größten Scheuer-Fan".
Was bleibt von Andy Scheuer? Quizmaster Martin Klempnow befragte "den Oliver", den "größten Scheuer-Fan".
Bild: zdf

Natürlich kamen da ein paar richtige Nieten zum Vorschein – und dabei wurde die PKW-Maut gar nicht thematisiert. Dafür das seit sechs Jahren laufende Projekt "digitales Zugsteuerungssystem". Frage: "Wie viel Prozent des deutschen Schienennetzes sind digitalisiert?" Welke: "Die Hälfte?" Antwort: ein Prozent! Quizmaster Klempnow: "Ganze 340 Kilometer!" 39 Prozent dagegen seien noch nicht einmal elektrifiziert. "Die warten noch auf das Wunder des Stroms."

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