Rentnerin Ursula Uhlmann und SPD-Parteichefin Saskia Esken diskutieren über Altersarmut.
Rentnerin Ursula Uhlmann und SPD-Parteichefin Saskia Esken diskutieren über Altersarmut.Bild: ARD screenshot

Rentnerin konfrontiert Esken bei "Maischberger": "Das reicht höchstens für zwei gute Eier"

16.06.2022, 06:30
bleranda shabani

Die Bundespolitik im Ukraine-Krieg bleibt weiter ein großes Thema. Auch die Maßnahmen des Entlastungspakets und die gestiegenen Preise beschäftigen die Bürger. Diese Themen diskutiert Sandra Maischberger heute mit sechs Gästen. Ein besonderer Gast berichtet vom persönlichen Leben in Zeiten von Inflation und macht dabei auf das Versagen der Politik aufmerksam. Heute im Studio anwesend:

  • Marco Buschmann, FDP-Politiker und Bundesjustizminister
  • Saskia Esken, SPD-Vorsitzende
  • Ursula Uhlmann, Rentnerin
  • Mathias Richling, Kabarettist
  • Kerstin Palzer, ARD-Hauptstadtkorrespondentin
  • Wolfram Weimer, Journalist

Kann die Ukraine den Krieg gewinnen?

Der Journalist Wolfram Weimer spricht sich gegen Waffenlieferungen aus und fordert diplomatische Gespräche, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Seine Sitznachbarin Kerstin Palzer betont die Relevanz des europäischen Zusammenhalts, denn der Krieg habe gezeigt, dass die EU geschlossen auftreten könne und dies der richtige Weg sei. Dafür seien eben auch Waffenlieferungen notwendig, diplomatische Gespräche würden nicht ausreichen. "Scholz telefoniert jede Woche mit Putin, da passiert nichts", so Palzer.

Waffenlieferungen seien für den Sieg der Ukraine notwendig. Weimer sieht die Sache anders. Waffenlieferungen würden den Krieg nur intensivieren, statt ihn zu beenden: "Dieser Krieg kann nicht gewonnen werden, er muss schnellstmöglich beendet werden. Die Ukraine wird diesen Krieg nicht gewinnen", meint er. Und weiter:

"Wir müssen zu einem Moment kommen, wo dieser Krieg aufhört. Gerade im Interesse der Ukrainer. […] Wir müssen eine Lösung finden und die kann nur auf dem Verhandlungstisch stattfinden."
Journalist Wolfram Weimer spricht sich gegen Waffenlieferungen aus.
Journalist Wolfram Weimer spricht sich gegen Waffenlieferungen aus.Bild: ARD screenshot

Die Corona-Politik der FDP

Inzidenzen und Hospitalisierungsraten steigen wieder. Wie die Bundesregierung sich mit diesem Zustand auseinandersetzt, möchte Moderatorin Sandra Maischberger von Marco Buschmann wissen. "Sollte man nicht lieber jetzt schon vorsichtig sein und nicht erst im Herbst handeln?", fragt sie bei ihm nach. Buschmann tritt sehr geordnet auf und äußert, dass man sich über den Sommer auf den Herbst vorbereiten werde.

"Wir haben eine geplante Corona-Politik", so Buschmann. Es werde ein Gutachten des Sachverständigenrates und eine Evaluierung der vergangenen Maßnahmen geben, welche noch vor September ausgewertet werden sollen. Man sei jetzt ein Stück weiter in der Pandemie und das Ziel laute: langfristiges Planen und keine tagesaktuellen Entscheidungen mehr. Man dürfe das Virus dennoch nicht unterschätzen, die Freiheit der Gesellschaft sei aber ebenfalls wichtig: "Freiheit muss Gewicht haben und man muss es in ein vernünftiges Verhältnis bringen."

Bundesjustizminister Marco Buschmann rühmt das Entlastungspaket.
Bundesjustizminister Marco Buschmann rühmt das Entlastungspaket.Bild: ARD screenshot

Maischberger lenkt das Thema auf die Maßnahmen des Entlastungspakets, welche im Hinblick auf den Tankrabatt nicht optimal funktionieren würden. Buschmann ist sich sicher, 60 Prozent der Menschen würden den Tankrabatt als erfolgreich empfinden und bezieht sich dabei auf eine Studie der Ifo, einem Wirtschaftsinstitut. Er selbst ist ebenfalls von der Effektivität der Maßnahmen überzeugt. Dass die Spritpreise sich kaum verändert haben und die Mineralölkonzerne ihre Gewinne verdreifacht haben, lässt er außer acht.

"Inflation ist kein Schicksal"

Ganz anders als Buschmann sehen das die anderen Gäste im Studio. Die Entlastungen der Bundesregierung würden nicht ankommen, so Palzer. "Die Menschen sind geschockt, alles ist teurer geworden." Außerdem würde die Regierung wieder nur kurzfristig planen und nicht angehen, was im Spätsommer passiert.

"Sie halten still, um den Koalitionsfrieden zu wahren, aber nicht weil sie selbst mit den Maßnahmen zufrieden sind."
ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kerstin Palzer kritisiert die mangelnden Maßnahmen gegen die Inflation.
ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kerstin Palzer kritisiert die mangelnden Maßnahmen gegen die Inflation.Bild: ARD screenshot

Wolfram Weimer schließt sich dieser Ansicht an und macht die Politik der letzten Jahre für die heutige Inflation verantwortlich: "Die Politik tut so, als hätte sie nichts mit der Inflation zu tun. Inflation ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis von schlechter Geldpolitik."

Rentnerin konfrontiert Esken: "Das reicht höchstens für zwei gute Eier"

Ursula Uhlmann, eine Rentnerin am Existenzminimum, ist zu Gast und berichtet von ihrer finanziellen Lage, die sich durch die Inflation deutlich verschlechtert hat. Ihre Rente betrage 554 Euro, wovon 350 Euro zum leben übrig blieben. Mal ins Kino gehen oder mit Freunden einen Kaffee trinken könne sie sich nicht leisten. Saskia Esken, SPD-Vorsitzende, sitzt neben ihr und hört zu. Maischberger wendet sich ihr zu und fragt, was sie als Regierungsbeteiligte gegen die Altersarmut tun wird.

Statt die Frage zu beantworten, reagiert Esken mit typischen Politikfloskeln, die Empathie und Verständnis vermitteln sollen. Sie habe in jungen Jahren auch so leben müssen, das seien jedoch etwas einfachere Zeiten gewesen. Daraufhin verweist sie auf das Entlastungspaket, wovon auch Rentner profitieren würden. "Sie werden eine Einmalzahlung von 200 Euro bekommen", spricht sie Frau Uhlmann direkt an. Zusätzlich kündigt sie das Ziel der Ampelkoalition an: Hartz 4 endgültig überwinden. "Die Regierung wird ein Bürgergeld einführen und der Umgang mit Hartz-4-Empfängern wird sich ändern."

Auch die anstehenden Strompreissenkungen werden die Bürger entlasten, so Esken. Das seien sechs Euro, die man pro Monat sparen würde, rechnet Maischberger in der Sendung aus. "Das reicht höchstens für zwei gute Eier", stellt die Rentnerin Ursula Uhlmann fest und schaut die SPD-Politikerin bestürzt an. Sie fühle sich in der Inflation allein gelassen, die Maßnahmen kämen bei Rentnern nur marginal an. Saskia Esken kann darauf nichts Passendes antworten und nennt diesen Zustand "ein Drama". Man würde die Altersarmut politisch angehen, erläutert sie zum Schluss der Sendung.

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