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RTL-Reporter hat offenbar jahrelang TV-Beiträge manipuliert

14.06.2019, 18:45

Ein langjähriger Mitarbeiter des Regionalsenders RTL Nord soll in mehreren Fällen TV-Beiträge für RTL manipuliert haben. Das berichtet RTL in einer Pressemitteilung.

  • Einen ersten Hinweis auf Unregelmäßigkeiten habe die RTL Nord-Geschäftsführung am 15. Mai erhalten.
  • Laut einer Mitarbeiterin habe ein Beitrag des Reporters über Codein-Missbrauch nicht mit den Fakten aus dem ebenfalls von ihm gedrehten Rohmaterial übereingestimmt.
  • Insgesamt gebe es mindestens sieben Fälle, in denen dem 39-jährigen Reporter "bewusst verfälschende Eingriffe in seinen Beiträgen nachgewiesen werden" konnten.
  • In einem Gespräch mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf als auch mit RTL Nord-Geschäftsführer Michael Pohl habe der Reporter versucht, die Vorwürfe zu relativeren.
  • "Da die Beweislage in den geprüften Fällen jedoch eindeutig war, wurde die sofortige Trennung von dem Mitarbeiter ausgesprochen", berichtet RTL.

Was über die Manipulationsfälle bekannt ist

In einem Fall handelt es sich um ein vermeintliches Interview mit Lionel Richie, das 2015 bei "Punkt 12" und RTL Nord lief.

  • In dem Beitrag habe der Reporter suggeriert, er habe persönlich ein Interview mit Richie geführt. Dabei stammte die Sequenz aus einer elektronischen Pressemappe und zeigte nur den Sänger. Der Reporter fügte sich als Fragestelle nachträglich ein.

In einem weiteren Fall behauptete der Reporter, er habe beobachtet, wie die Musikerin Melanie C. sich die Hände desinfizierte. Das stimmte aber nicht.

  • In diesem Fall benutzte der Reporter Rohmaterial aus einem RTL-Nord-Dreh mit Melanie C.
  • Tatsächlich aber cremt sich die Musikerin die Hände und Unterarme nur mit Feuchtigkeitscreme ein und sagt dies auch selbst so.
  • Diese Szenen liefen 2017 und 2018 bei "Punkt 12" sowie 2018 bei "Guten Morgen Deutschland und Anfang dieses Jahres bei RTL Nord.

Das sagt RTL zu dem Manipulationsfall

Michael Pohl, Programmchef und Geschäftsführer RTL Nord, wird in der Pressemitteilung zitiert mit den Worten:

"Die von uns geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab. Damit hat der Reporter ganz bewusst rote Linien des Journalismus überschritten. In logischer Konsequenz haben wir mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit beendet."

(ll)

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