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Zu Gast bei Frank Plasberg: Karl Lauter ...
Karl Lauterbach ist immer wieder zu Gast bei "Hart aber fair".Bild: WDR/Oliver Ziebe
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"Hart aber fair": Podcasterin belehrt Lauterbach wegen seines Alkoholkonsums

27.01.2023, 12:33

Elf Kästen Bier, 28 Flaschen Wein, vier Flaschen Sekt und fünf Liter Schnaps trinkt jeder Deutsche ab 15 Jahren durchschnittlich pro Jahr – und das völlig legal.

Im Vergleich dazu konsumieren 4,5 Millionen Deutsche regelmäßig Cannabis, die meisten davon müssen sich die Droge illegal besorgen. Die Ampel-Regierung plant eine Legalisierung, Befürworter argumentieren, dass Cannabis weniger gefährlich sei als die Volks-Droge Alkohol. "Saufen normal, Kiffen bald legal: Ist Deutschland auf dem falschen Trip?" heißt das Thema, das "Hart aber fair"-Moderator Louis Klamroth mit folgenden Gästen bespricht:

  • Karl Lauterbach, SPD, Bundesgesundheitsminister
  • Markus Blume, CSU, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst
  • Nathalie Stüben, Podcasterin und Journalistin
  • Curly, Rapper und Songwriter
  • Dr. Sabine Ahrens-Eipper, Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) glaubt, dass Deutschland ein Alkoholproblem hat. Aber der Konsum sei gesunken und vor allem auch die Zahl der Vollrausche sei weniger geworden. Noch vor 25 Jahren habe sich jeder zweite Mann einmal im Monat richtig besinnungslos getrunken. Was für eine Statistik!

09.01.2023, Berlin: Louis Klamroth, neuer Moderator der ARD-Polit-Sendung "Hart aber fair", nach der Sendung im Studio Berlin. Louis Klamroth ist der Nachfolger von F. Plasberg. Plasberg war ...
Louis Klamroth ist neuer Moderator von "Hart aber fair".Bild: dpa / Carsten Koall

Lauterbach mag Rotwein, das ist bekannt, und er macht keinen Hehl draus.

"Ich trinke immer ein Glas, maximal zwei Gläser."
Karl Lauterbach

Wie das denn zusammenpasse mit seiner sonst so asketischen Lebensweise fragt ihn Moderator Klamroth. Denn Lauterbach verzichtet ja aus Gesundheitsgründen sogar auf Salz. "Nicht alles muss konsequent sein“, sagt Lauterbach. Und in Bezug auf den Alkohol gelte: "Einige Gesundheitsschäden riskiere ich, aber auch einen kleinen Gesundheitsnutzen."

Das sind streitbare Aussagen für einen Mediziner und Gesundheitspolitiker. Und die Podcasterin und Journalistin Nathalie Stüben nimmt den Punkt nur allzu gern auf. Stüben ist trockene Alkoholikerin, auch wenn sie dieses Wort für sich nicht benutzt. "Ich bin froh, dass ich mit dieser Droge nichts mehr zu tun habe", sagt sie. Aber so ganz stimmt das nicht: Sie hat den Kampf gegen den Alkohol zu ihrem großen Thema gemacht. Und so geht sie den Bundesgesundheitsminister an: "Man kann nicht mehr sagen: Ein Glas Rotwein am Abend ist gesund", das sei eine überholte Meinung.

"Das Krebsrisiko steigt mit dem ersten Glas."
Nathalie Stüben

Sie wünscht sich künftig in Deutschland Schockbilder auf Alkohol-Flaschen, man müsse die Verfügbarkeit von Alkohol verringern und die Preise erhöhen. Es herrschten "Wildwestzustände" beim Alkohol in Deutschland.

Diese mit viel Furor vorgetragene Suada kann Lauterbach natürlich nicht so stehen lassen und führt aus, wie er das mit dem gesundheitlichen Nutzen meine: Laut Studien schade Alkohol in Hinsicht auf Krebserkrankungen in der Tat, aber bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne ein Glas Rotwein durchaus nutzen.

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Lauterbach traf "heruntergekommende Persönlichkeiten"

Aber ihm geht es an diesem Abend vor allem um das Thema der Legalisierung von Cannabis. Sein Hauptargument: Er will den illegalen Handel mit minderwertigem Stoff einschränken. Als Beispiel für die kriminelle Szene erzählt er ein Erlebnis: Neulich sei er mit all seinen Sicherheitsmännern, die er ja als Minister immer im Schlepptau hat, durch den Görlitzer Park gelaufen. Da habe er gesehen, wie die Dealer allesamt ihren Stoff ins Gras warfen. Er erzählt von den "heruntergekommenen Persönlichkeiten, die drogenabhängigen Leute, die unterernährt aussehen" und ist damit gedanklich wohl eher zu den Junkies ans Kottbusser Tor gesprungen, als wirklich die Dealer- und Käuferszene im "Görli" zu beschreiben. Aber für Lauterbach steht fest: "Jetzt ist das ein hochkrimineller Markt, wo Dealer die Konsumenten in Multiabhängigkeit treiben."

Die Regierung hat vor, die Abgabe von Cannabis ab 18 Jahren, möglicherweise für Jüngere nur schwächere Sorten, über offizielle Stellen freizugeben. Lauterbach kann sich vorstellen, dass junge Konsumenten in einer Art Beratungsgespräch in den Geschäften auf die Risiken hingewiesen werden.

Dass dem Haushalt nach Berechnungen 4,7 Milliarden Euro mehr pro Jahr zur Verfügung stehen aus Steuermehreinnahmen, aber auch weniger Kosten durch Strafverfolgung und Arbeitsplätze zu erwarten sind, spiele dabei keine Rolle. "Geld kann kein Argument sein", findet Lauterbach. Einen Großteil der Einnahmen werde man sowieso zur Aufklärung von Jugendlichen über Drogen einsetzen.

Markus Blume, CSU, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, findet das befremdlich. Er befindet sich schon im Wahlkampfmodus für die bayerische Landtagswahl im Oktober 2023.

"Corona-Alarmismus und Cannabis-Euphorie passen nicht zusammen."
Markus Blume

Lauterbach kontert trocken: "Bei so einem komplexen Thema kommt man mit einem populistischen Gassenhauer nicht weiter."

Rapper hat Angst vor bayerischem SEK

Rapper Curly ist sowohl Wein-Fan als auch Kiffer. Er kommt nach eigener Einschätzung auf 77 Flaschen Wein im Jahr. Allerdings trinke er die nicht allein, sondern zusammen mit den Gästen seines Podcasts. "Es ist ja nicht das Ziel sich aus dem Leben zu schießen, sondern den Geschmack zu genießen", zwei Flaschen zu dritt würden so drauf gehen.

Als ein kurzer Ausschnitt aus seinem Musik-Video "Purple Haze" (Name einer violetten Sorte Marihuana) gezeigt wird, kommentiert er nur trocken:

"Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich nicht in Bayern wohne, sonst wäre das SEK schon auf dem Weg zu mir nach Hause."
Curly

Er wohnt mittlerweile in Berlin. Aber auch dort müsse er seinen Stoff leider illegal kaufen und könne das nicht legal erledigen, wie in einigen Staaten der USA. Er ist wohl sogar für eine jüngere Altersfreigabe bei einer Legalisierung. "Man kann nicht erklären, warum jemand mit 15 Bier kaufen darf, aber dann erst mit 25 Cannabis."

Das sieht Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin Dr. Sabine Ahrens-Eipper etwas anders. Sie macht sich bei Cannabis vor allem Sorgen um die Beeinflussung von jugendlichen Gehirnen in der Entwicklung. Sie habe schon phlegmatische Kinder erlebt, bei denen sich erst hinterher herausstellte, dass die Eltern dauerbekifft sind und die Kinder passiv mitkonsumieren. Überhaupt sind ihre Sorgen, die Jugendlichen, die vermutlich auch weiter illegal konsumieren würden. Ihrer Meinung nach helfen da weder Verbote noch Legalisierung: Man müsse früh aufklären, in der dritten Klasse und immer wieder: "Wir müssen nicht erst mit 18 ankommen und sagen: Dein Gehirn nimmt Schaden."

(Ark)

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