09.01.2023, Berlin: Louis Klamroth, neuer Moderator der ARD-Polit-Sendung "Hart aber fair", nach der Sendung im Studio Berlin. Louis Klamroth ist der Nachfolger von F. Plasberg. Plasberg war ...
Louis Klamroth ist der neue Moderator von "Hart aber fair".Bild: dpa / Carsten Koall
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Louis Klamroth feiert "Hart aber fair"-Premiere – Zuschauer von Wortwahl des neuen Moderators irritiert

10.01.2023, 11:41

"Hart aber fair" kommt aus der ausgedehnten Winterpause seit Mitte November zurück – nun mit Louis Klamroth als neuem Moderator. Das Thema hingegen ist ein Oldie: "Ein Land wird ärmer – wer zahlt die Krisenrechnung 2023?". Es geht um teurere Lebensmittel, Gas- und Strompreise. Am Ende bescheinigen die Zuschauer dem Moderator, seine Sache gut gemacht zu haben, nur eine Sache stört einige gewaltig.

Das waren die Gäste bei Klamroths Premiere:

  • Lars Klingbeil (SPD, Bundesvorsitzender)
  • Jens Spahn (CDU, stellv. Fraktionsvorsitzender, Präsidiumsmitglied)
  • Prof. Dr. Monika Schnitzer (Wirtschaftswissenschaftlerin; Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung)
  • Engin Kelik (Metallarbeiter und Familienvater)
  • Melanie Amann (Journalistin; Mitglied der "Spiegel"-Chefredaktion und Leiterin des Spiegel-Hauptstadtbüros)

Louis Klamroths feiert "Hart aber fair"-Premiere

"Schönen guten Abend, herzliches Dankeschön für den netten Empfang", bedankt sich Louis Klamroth für den Applaus des Studiopublikums. Der 33-Jährige trägt Schwarz, T-Shirt unterm Jackett, dazu weiße Sneaker. Das ist eine optische Änderung zu Plasberg, der eher auf Blau und Grau setzte. Aber ansonsten bleibt fast alles beim Alten, führt er durch die Sendung wie sein Vorgänger. Sogar die lehnende Haltung aufs Pult kennt man von Plasberg. Als einziges fährt er die Einspielfilme mit weniger energischem Druck auf seinem Tablet ab.

09.01.2023, Berlin: Louis Klamroth, neuer Moderator der ARD-Polit-Sendung "Hart aber fair", nach der Sendung im Studio Berlin. Louis Klamroth ist der Nachfolger von F. Plasberg. Plasberg war ...
Louis Klamroth ist der Nachfolger von Frank Plasberg.Bild: dpa / Carsten Koall

Zuvor hatte er angekündigt: "Allen Zuschauerinnen und Zuschauern kann ich versprechen, dass ich dem erfolgreichen und unverwechselbaren Konzept der Sendung treu bleiben werde." Zugleich werde man sich aber auch auf einige Neuerungen freuen können.

Spürbar war das nur beim Vorstellen seiner Gäste: Sie werden nun nicht mehr klein am unteren Bildschirmrand sondern rechts eingeblendet. Außerdem hatte Brigitte Büscher diesmal keine Zuschauerreaktionen aus dem Netz zu fischen, stattdessen war sie vorab in Düsseldorf unterwegs und hat Passanten zu Preissteigerungen bei Lebensmitteln gefragt. Aber Ähnliches gab es auch schon bei früheren Sendungen.

Preissteigerung vor allem bei Lebensmitteln stark zu spüren

Als Erstes wendet sich Klamroth an den Familienvatger Engin Kelik. Er ist von den Preissteigerungen geplagt. Seine Kinder hätten sich Handys zu Weihnachten gewünscht, aber in diesem Jahr war das finanziell nicht zu stemmen, sie schenkten sich nur Kleinigkeiten. Kelik spürt die steigenden Preise deutlich.

Als Beispiel hat die Redaktion ausgerechnet, dass Rama um 25 Prozent teurer geworden ist, Haribo-Goldbären um 14 Prozent. Die allgemeine Inflation beträgt 8,6 Prozent, aber Lebensmittel sind 20,7 Prozent teurer geworden. Ein Wegfall der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wie es diskutiert wird und in Spanien praktiziert, fände Kelik "eine klasse Aktion" allerdings glaubt er auch, dass die Leute dann Lebensmittel horten würden bei einer zeitlich beschränkten Aktion. Er bekennt, dass er es ja auch machen würde.

Klingbeil prognostiziert "zwei weitere harte Jahre"

Und SPD-Bundesvorsitzender Lars Klingbeil macht wenig Hoffnung auf eine schnelle Besserung der Situation.

"Vor uns liegen zwei weitere harte Jahre."
Lars Klingbeil

Aber die Regierung habe viel auf den Weg gebracht, es gebe auch Grund zur Zuversicht: In 200 Tagen habe Deutschland ein LNG-Terminal gebaut, eine ähnliche Geschwindigkeit erwartet er nun auch bei anderen Projekten. "Es gibt keine Ausrede mehr." Aber er gibt auch zu, das nicht alles gut lief. "Wir haben mit der Gasumlage in der Tat eine Umdrehung zu viel gedreht." Aber man dürfe auch nicht die Einzigartigkeit der Krise vergessen: "Es ist auch eine Situation, für die es kein Drehbuch gab."

Gegen eine generelle Mehrwertsteuerermäßigung ist er allerdings, weil sie nicht nur Bedürftigen zugutekommt. "Ich frage mich, warum, warum Leute, die gut verdienen, diese Mehrwertsteuerermäßigung bekommen sollen." Außerdem sei es ja nicht sicher, dass die Unternehmen die Senkungen auch wirklich weitergeben. Er finde es sinnvoller, darüber zu reden, die Steuern für Spitzenverdiener zu erhöhen.

Jens Spahn übt Kritik

Da zuckt Ex-Gesundheitsminster Jens Spahn (CDU) fast so nervös, wie als er erzählt, dass es in Deutschland "vom Kleinkind bis zum Greis 4000 Euro Wohlstandsverlust" für jeden gegeben habe in der Krise. Grundsätzlich geht er mit der Politik der Ampel vergleichsweise gutmütig ins Gericht. Aber einen fiesen Haken kann er sich doch nicht verkneifen. Die Deutschen hätten weniger Vertrauen zur Regierung: "Aber wenn Finanz- und Wirtschaftsminister jeden einzelnen Tag streiten – wie soll da Vertrauen entstehen."

Spiegel-Journalistin Melanie Amann kritisiert hingegen, dass viele Hilfsmaßnahmen zu theoretisch sind und deshalb vielleicht auch psychologisch nicht so entlastend wirken wie beispielsweise in Frankreich, wo Schecks verschickt werden. "Da sind viele Dinge, da hakt es bei der Umsetzung in der Realität. Es muss im Kopf und auch im Bauch ankommen." Das bestätigt später auch Familienvater Kelik. Er hat erst bei der Vorbereitung auf die Sendung bemerkt, dass er schon 300 Euro staatliche Hilfe aufs Konto überwiesen bekommen hat. "Da ist was gekommen – das war nicht spürbar."

Das Geld zerrinnt Kelik und vielen anderen einfach so zwischen den Händen. Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer glaubt, dass nicht alle Preissteigerungen Folgen von höheren Kosten sind, sondern zum Teil auch Profitmaximierung.

"Ich denke, da hat der eine oder andere schon was mitgenommen."
Monika Schnitzer

Wirtschaftswissenschaftlerin will Soli verdoppeln

Sie setzt auf die Wettbewerbsaufsicht und sparsame Bürger, die sich nicht alle Preise bieten lassen. "Ich rechne damit, dass die Preise über kurz oder lang deutlich nach unten gehen werden.“

Ihr Vorschlag, wie die Krise (teil)finanziert werden kann: den Soli, den nur noch wenige sehr gut verdienende zahlen, für ein oder anderthalb Jahre zu verdoppeln. Das bringe einen zweistelligen Milliardenbetrag. "Das ist viel Geld."

Insgesamt ist es eine unaufgeregte Diskussion. Klamroth führt souverän durch die Runde, einmal verlässt er seinen Platz und stellt sich zwischen die "Spiegel"-Journalistin Amann und Jens Spahn, um eine Diskussion über die Versäumnisse in 16 Jahren CDU abzubrechen.

"Caren, was macht Ihr heute in den 'Tagesthemen'", fragt Klamroth am Ende die "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga, bevor er an sie übergibt. Sie gratuliert ihm zur "gelungenen Premiere". Und ja, er hat seine Sache ordentlich gemacht. Raum zur Entwicklung bleibt aber noch. Das sehen auch die Zuschauer so. Es gibt neben den indiskutablen, weil ausschließlich derbe beleidigenden Tweets, die Klamroth begleiten, seitdem er seine Beziehung zu Klima-Aktivistin Luisa Neubauer öffentlich gemacht hat, fast nur vorsichtig nette Worte.

Klamroth verärgert mit Wortwahl

Nur mit einem Punkt hat Klamroth einige Zuschauer verärgert: Der Moderator nannte die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer konsequent "Wirtschaftsweisin" und nicht wie üblich "Wirtschaftsweise".

Aber Monika Schnitzer fand das offenbar völlig in Ordnung. Sie posierte mit Klamroth nach der Sendung für ein Selfie. Er hatte sich inzwischen einen weißen Hoodie übergezogen.

(Ark)

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