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Der Moderator und Arzt Eckart von Hirschhausen. Bild: screenshot/zdf

Von Hirschhausen appelliert emotional an die Bevölkerung – und übt Kritik an Sparpolitik

Maik Mosheim

"Gewinnen wir den Kampf gegen das Coronavirus?", fragt Maybrit Illner eingangs der Donnerstagabend-Talkrunde im ZDF. Abschließend beantworten können die Gäste in der Runde diese Frage nicht, schließlich sind wir erstens an diesem Punkt noch lange nicht und zweitens hängt es vom Beitrag jedes einzelnen Menschen ab.

Das ZDF hat bereits reagiert – die Gäste bei Illner sitzen weiter auseinander als sonst, um den empfohlenen Abstand einzuhalten. Teile der Bevölkerung haben den Ernst der Lage allerdings scheinbar nicht begriffen, feiern Corona-Partys und treffen sich in Eisdielen.

Absolut unverantwortlich ist das, da ist sich die Runde schnell einig. An diesem Abend zu Gast sind neben Stammgast Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, auch Sozialminister Hubertus Heil, Oberärztin Susanne Johna, China-Expertin Kristin Shi-Kupfer und Autor und Moderator Eckart von Hirschhausen.

Der nutzt die Zeit in der Runde, um an die Bevölkerung zu appellieren, wie es viele Promis und Politiker vor ihm auch schon getan haben:

"Das größte Zeichen von Liebe ist derzeit Abstand."

Eckart von Hirschhausen

Von Hirschhausen: "Systemrelevant sind die Menschen, die für andere da sind"

Und auch wenn derzeit vor allem Solidarität und Zusammenhalt gefragt sei: Von Hirschhausen spart nicht mit Kritik an der deutschen Sparpolitik. "Wir haben definitiv an den falschen Stellen gespart", betont er. Mit "falschen Stellen" meint er in diesem Fall die Pflegeberufe, die nun gefragter sind, denn je.

"Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen will, dann das entdeckt wurde, welche Berufe systemrelevant sind. Sind es Banker? Sind es Flugzeugbauer? Nein, es sind Menschen, die für andere da sind", lautet Hirschhausens persönliches Fazit.

Virologe Drosten kritisiert die WHO

Das persönliche Fazit von Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité, der seit Wochen immer wieder auf- und erklärt, mahnt und einschätzt, ist vielmehr eine nüchterne Einschätzung: "Wer jetzt Symptome bei sich entdeckt, kann davon ausgehen, dass er infiziert sein könnte."

Er spricht von vereinfachenden Definitionen ("Wenn ein Mitglied eines vierköpfigen Haushalts positiv getestet wird, warum deklarieren wir nicht den ganzen Haushalt als positiv?"). Und er erwartet, dass das Verhalten der WHO in der Corona-Krise in Zukunft noch stärker kritisiert werden wird. Die WHO hatte relativ lange damit gewartet, den Coronavirus als internationale Notlage zu deklarieren, das könnte ihr noch um die Ohren fliegen.

Sozialminister Heil kündigt weitreichende wirtschaftliche Maßnahmen für Arbeitnehmer an

Auch Hubertus Heil, Deutschlands Sozial- und Arbeitsminister ist Teil der Runde – und muss sich an diesem Abend als Regierungsvertreter viel anhören.

Haben wir falsch gespart? Ist es nicht utopisch, jeden Arbeitnehmer und jedes Unternehmen in dieser Krise finanziell so zu unterstützen, dass niemand die Existenz verliert? Was und vor allem wann wird endlich etwas ganz Konkretes getan?

Doch Heil ist vorbereitet, kündigt für die kommende Woche gleich mehrere ganz konkrete gesetzliche Anpassungen an, die der deutschen Bevölkerung, vor allem Solo-Selbstständigen, sofort helfen sollen. Erzählt, dass die Lufthansa ihre Kapazitäten zur Verfügung stellt, um den Fortbestand des Imports wichtiger Güter zu unterstützen. Spricht immer wieder davon, jetzt alles so "unbürokratisch" wie möglich zu regeln. Erntet Zustimmung.

Talkshows in dieser Zeit sind nicht mehr so wie noch vor einigen Wochen. Kaum emotionale Diskussionen, sondern vielmehr nüchterne Analyse, kein Kopfschütteln bei Aussagen anderer Gäste, sondern Kopfnicken. Einig sind sich auch hier alle – der Coronavirus muss mit allen Mitteln bekämpft werden und jeder muss dazu seinen Beitrag leisten.

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