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Bild: Screenshot TV Now

Corona-Open bei "Let's Dance" – und die Zuschauer lachen über Laura Müllers Songwahl

Geistertanz vor leeren Rängen – oder die Frage: Wie hält man beim Tanzen 1,50 Meter Mindestabstand? Ein surrealer Abend bei "Let's Dance".

marie von den benken

Tanzen lebt von Emotionen. In den vergangenen Jahren war ich oft persönlich vor Ort, direkt am Tanzparkett in Köln. Ich kenne jeden Warm-Up-Spruch von Daniel Hartwich auswendig. Das Raunen des Publikums, die überbordenden Emotionen, die Standing-Ovations – man kann die Faszination dieses TV-Formates nirgendwo besser spüren, als direkt in der Halle. Für diese Momente trainieren die prominenten Kandidaten so hart und dafür schalten die Menschen am Freitagabend ihre Fernseher ein.

Eine leere Halle, akustisch erfüllt nur durch Musik vom Band und das Klatschen der maximal 20 Menschen vor der Kamera, wirkt dagegen nahezu gespenstisch. Wie das Geisterspiel von Borussia Dortmund in Paris. Man weiß, es ist irgendwie echt – aber es ist eben nicht dasselbe.

Es ist gut, dass "Let's Dance" trotz Corona stattfindet

Natürlich haben sich Teilnehmer, Sender, Fans, Beobachter und auch ich die Frage gestellt: Kurz bevor die erste Ausgangssperre in Deutschland in Kraft tritt, muss man da eine Live-Tanz-Show zeigen? Wir alle haben große Sorgen. Sorgen um unsere Gesundheit. Um die Gesundheit unserer Eltern, Großeltern, Freunde oder Kinder. Sorgen um den Job, die Wohnung, die Zukunft. Aber für mich steht auch fest: Vermehrt es diese Sorgen, wenn man versucht, wenigstens ein bisschen Ablenkung, einen Moment der Zerstreuung, ein wenig Spaß zu bieten? Und wenn es vier Stunden Tanzen auf RTL sind?

Ich finde, es war die richtige Entscheidung von RTL, "Let's Dance" auszutragen. Jede machbare Form der Vorkehrung wurde getroffen. Alle, bis auf die Tanzpaare natürlich, halten stets den Mindestabstand von 1,5 Metern ein. Das sieht surreal aus, aber es erlaubt uns, "Let's Dance" zu sehen. Vielleicht sogar zum letzten Mal für eine sehr lange Zeit. Nach der wir uns dann hoffentlich alle gesund wieder an der Tanzfläche abklatschen können.

Genau aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, nach dieser Einleitung ebenfalls wieder dazu überzugehen, was in diesem Fall mein Job ist: Das Kommentieren dieses Tanztees in Köln-Ossendorf.

Bye, bye, Loiza!

Der Abend beginnt direkt mit einem kurzen Macho-Anfall von Tijan Njie. Er nutzt seine Trainingswoche mit Kathrin Menzinger für die subtile Andeutung, wie immens große sein Geschlechtsorgan ist. So entspannt sich zwischen den beiden Tanzpartnern folgender Dialog: "Bitte deinen Oberschenkel nicht so zwischen meine Beine!" - "Mein Oberschenkel muss zwischen deine Beine!" - "Dann sanfter!" Okay, Tijan, danke. Wir haben jetzt ausreichend Infos aus dieser Körperregion.

Die wichtigste Erkenntnis beim Tanz von Loiza Lamers ist dann: Sie ist nicht die Frau von Lorenzo Lamas. Das ist dann aber auch schon alles, was es über ihren uninspirierten Auftritt zu erzählen gibt. Das sehen Jury und Zuschauer übrigens genauso, denn (Vorsicht! Spoiler!) Loiza fliegt am Ende dieser Show raus.

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Tschüss, Loiza!

Zuschauer lachen über Song, zu dem Laura Müller tanzen muss

Spektakulärer geht es da bei Laura Müller und Christian Polanc zu. Nicht nur, weil Lauras Kleid kaum mehr verbirgt als ihre "Playboy"-Fotos, sondern vor allem, weil RTL die beiden zu dem Song "I Hate Your Boyfriend" tanzen lässt. Haha, sagt man da in den Facebook-Kommentarspalten und auf Twitter.

Vermutlich, weil Deutschland Lauras Boyfriend tatsächlich noch mehr hasst, als die AfD die Demokratie. Wer war noch mal gleich der Boyfriend von Laura? Man hört da in den letzten Monaten so wenig drüber. Oliver Pocher glaube ich, oder?

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"Ich hör wohl nicht richtig?!", muss sich Laura Müller gedacht haben, als dieser Song im Hintergrund ertönte. Bild: Screenshot TV Now

Motsi Mabuse aber ist Lauras Boyfriend (Achtung!) egaaaal. Sie jubiliert lieber: "Ich bin so happy mit deiner Entwicklung!" Ich weiß nicht ganz genau, was sie da exakt meint, aber vielleicht kann Laura jetzt schon alleine eine Schleife binden oder so. Außerdem rät die Jury Laura, noch etwas mutiger zu werden. Das ist natürlich Blödsinn. Als wenn ausgerechnet Laura Müller Mut fehlen würde. Sie hat sich mehrfach öffentlich zu ihrer Liebe zum Wendler bekannt. Was könnte in der Hatespeech-Atmosphäre der heutigen Social Media Umfelder mutiger sein?

Mach dich nackig, Christian!

Als besondere Überraschung sind dann Lauras Eltern via Skype zugeschaltet. Dabei fallen zwei Dinge auf: Lauras Vater ist offensichtlich jünger als ihr Boyfriend und Victoria Swarovski will auf Nummer sicher gehen. Also fragt sie bei Lauras Eltern nach: "Ich hoffe, Sie gucken gerade 'Let's Dance'?" Wäre zwar cool, wenn die antworten würden: "Nee, da tanzt zwar unsere Tochter live im Fernsehen, aber parallel lief halt 'Der Alte' auf ZDF!" – Passiert aber nicht. Alle sind happy, sogar Christian Polanc, obwohl er den ganzen Abend einen unfassbar hässlichen, silbernen Anzug tragen muss und immer latent genervt wirkt, nicht mit freiem Oberkörper tanzen zu dürfen.

Anschließend geht es offensichtlich an die Wursttheke, jedenfalls gibt es nach der Werbung "Ein bisschen von der Groeben". Etwa 2.400 TV-Spots später wird jedoch klar: Es handelt sich nicht um Leberwurst, sondern um Ulrike von der Groeben. Jorge würde statt ihres Tanzes lieber den Öffentlichen Nahverkehr loben, muss aber feststellen: "Ich kann nicht etwas Busse sagen". Joachim Llambi aber schon, also bitte alle einsteigen: "Das war nix!"

Wenn sogar Llambi zehn Punkte verteilt

Schnappatmig wird es dann bei Luca Hänni und Christina Luft, denen auf dem Boulevard seit einigen Tagen eine wilde Affäre nachgesagt wird. Um diese Gerüchte zu entkräften, haben sich die beiden entschieden, in ihrem Contemporary das Kamasutra nachzutanzen. Abgerundet wird der Auftritt dadurch, dass Massimo Sinató Hänni das Outfit rausgelegt hat: Hänni tanzt konsequent mit komplett offenem Hemd. Nicht nur deswegen gibt es die ersten 30 Punkte der Staffel. 30 Punkte, das bedeutet ja: Sogar Llambi hat die 10er-Kelle ausgepackt. Das kommt, wie jeder seriöse „Let´s Dance“-Chronist weiß, etwa so häufig vor, wie Meistertitel bei Schalke 04.

Stichwort Profifußball. Schrottwichteler Sükrü Pehlivan erleidet vor laufender Kamera einen Andi-Möller-Anfall und beichtet: "Vom Gefühl her hatte ich ein gutes Gefühl". Trotzdem liefert er eine eher mittelmäßige Trainingsleistung und holt sich von Profitänzerin Alona Uehlin ein "Wenn es zu langsam ist, sieht es nicht nach Jive aus" ab. Dem kann Pehlivan nur zustimmen: "Dann sieht es nach Scheiße aus". Das ist natürlich blöd, vor allem jetzt, wo überall das Klopapier knapp wird. Apropos Scheiße (bitte entschuldigt diese Ausdrucksweise, aber ich zitiere ja nur) – Joachim Llambi möchte ihm gerne null Punkte geben und verortet den Tanzstil in der Kategorie "Dosenwerfen auf der Kirmes".

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Das war nix: Sükrü Pehlivan erntete harte Jury-Kritik. Bild: Screenshot TV Now

Mathematik mit Victoria Swarovski

Danach kommt Martin Klempnow. Der trägt ein Outfit, das nahelegt, er komme gerade direkt von seinem Nebenjob als Page im Hotel Adlon. Immerhin holt er so 18 Punkte. Victoria Swarovski darf die Kandidaten ja nicht mehr umarmen (Danke, Merkel! Danke Corona!) – überbrückt die Zeit daher heute mit Nachrechnen: "Ihr geht mit den Punkten immer weiter nach oben, diese Woche 18 Punkte, letzte Woche 20". Wenn dieser klare Aufwärtstrend anhält, holen sie kommende Woche also gigantische 16 Punkte. Eine Erfolgsstory, wie sie nur "Let's Dance" schreiben kann.

Gemütlich wird es dann bei Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató. Beide haben sich anscheinend zum Kochen verabredet. Sinató klärt uns zumindest: "Ich bin Chili, Lili ist Basilikum". Aha. Und Joachim Llambi ist dann Corega Tabs, oder was? Motsi Mabuse stellt fest, Lili habe "sBeine" und diese auch "schön benutzt". Was ja schon mal gut ist, beim Tanzen seine Beine zu benutzen. Ohne Beinbenutzung, da muss man kein Joachim Llambi sein, um das zu erahnen, wird es schwierig. Wobei Llambi dafür aber zum Ausgleich eine anatomische Fehlstellung bei Lili entdeckt. Er diagnostiziert: "Du stehst über dem Fuß". Aua. Jorge ist das egal, er findet Lili "eroddisch".

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Massimo ist begeistert von seiner Tanzpartnerin und scheint dabei ganz seine ehemalige Tanzpartnerin und heutige Ehefrau Rebecca Mir zu vergessen. Bild: Screenshot TV Now

Rebecca Mir doch egal

Das findet übrigens auch Massimo. Er säuselt: "Lili ist so sexy". Massimo, ich habe schlechte Nachrichten für dich: Markus Söder hin oder her – Rebecca Mir verhängt ab heute 00:00 Uhr definitiv eine Ausgangssperre für Dich.

Wie die Definition von "sexy" aussieht, ist dabei ja sowieso Ansichtssache. Die Kostümbildner von "Let's Dance" zum Beispiel finden es sexy, der 21-jährigen Lili ein Kleid zu verpassen, bei dem man bei Hebefiguren mehr von ihren intimsten Körperteilen zu sehen bekommt als ihr Frauenarzt. Ach guck mal da, der Eileiter.

Am Ende kommt dann noch das "Boys gegen Girls"-Battle, das die Jungs für sich entscheiden. Die durften allerdings auch "Smooth Criminal" von Michael Jackson in einer coolen Bar tanzen, während die Girls in einer Halle von der Größe eines handelsüblichen Öltankers Schwanensee aufführen mussten. Nächste Woche tanzen die Jungs dann wahrscheinlich "Alle meine Entchen" in einem Whirlpool, während die Mädchen in 40 Meter Höhe auf einem Hochseil zu Mozarts "Zauberflöte" tanzen müssen – mit je dreihundert Taranteln auf jedem Arm und in Raumanzügen. Ob es wirklich so kommt, sehen wir dann in einer Woche.

Bis dahin: See you on the Dancefloor!

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