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Die Jury in 70er-Jahre Outfits. Sogar Joachim Llambi hat sich dementsprechend gekleidet. Bild: screenshot/rtl

Meinung

70er-Jahre-Special "Let's Dance": Viel Glitzer, wenig Publikum – und ein Sinató-Eigentor

Bei den Laura-Müller-Festspielen vor Geisterkulisse hagelt es statt Punkten diese Woche vor allem schlüpfrige Jury-Kommentare. Und Massimo Sinató glänzt mit einem klassischen Eigentor, als er seine aktuelle Tanzpartnerin als "fleißigste, die ich je hatte" bezeichnet – während Ex-Tanzpartnerin und Ehefrau Rebecca Mir im Publikum sitzt und die Augen aufreißt.

MARIE VON DEN BENKEN

Als die 70er Jahre begannen, war Juror Joachim Llambi etwa so alt wie Laura Müller heute. Das im Juli 2000 geborene "Playboy"-Model wuchs daher mit Songs wie "Bye, Bye, Hollywood Hills" oder "Geboren um zu leben" auf. Um dieses Trauma zu überwinden, entscheidet sich RTL diese Woche für das Seventies-Special. Endlich gute Musik für Laura Müller. Dafür ist sie ja eigentlich zu spät geboren und, naja, hat sich irgendwie auch in die falsche Familie eingegroupiet.

Die 70er stehen aber nicht nur für gute Musik, sondern auch für exaltierte Kleidung und miese Frisuren. Die Jury ist entsprechend vorbereitet. Jorge González erscheint mit der originalen Paul-Breitner-Frisur aus 1972, Motsi Mabuse im offiziellen "Flashdance"-Glam-Outfit und sogar Joachim Llambi hat aus einigen seiner Wohnzimmer-Vorhängen aus den frühen Siebzigern ein lustiges Sakko geschneidert.

Evacuate The Dancefloor

In diese Vorfreude mischt sich natürlich auch hier das aktuell alles überstrahlende Thema Corona. Die Halle, die sonst mit euphorisierten Zuschauer gefüllt ist, ist heute für Live-Publikum gesperrt.

Kurz vorher hatte RTL entschieden, beide großen Live-Show-Events des Wochenendes als Geisterspiele stattfinden zu lassen. Anders als bei "DSDS" darf bei "Let's Dance" jedoch zumindest die komplette Jury teilnehmen. Da profitiert das Fachpersonal mit Bewertungshintergrund davon, dass die meisten Zuschauer sie ohnehin nicht eindeutig verstehen würden, selbst wenn sie in einem Xavier-Naidoo-Moment kurz mal einen Reichsbürger-Anfall erlitten.

Bei genauerem Hinsehen wird dann übrigens schnell klar: Ganz leer sind die Ränge gar nicht. Der Ottonormal-Fan, der in komplizierten Vergabeverfahren mühsam Tickets ergattern konnte, muss zwar draußen bleiben. Freunde und Familie der Beteiligten allerdings sind willkommen. Bei zwölf verbliebenen Promis, zwölf Profitänzern, drei Jurymitgliedern und zwei Moderatoren kommt da so einiges an Anhang zusammen. Lediglich die Familie von John Kelly ist nicht komplett zugelassen, denn die Halle verfügt nur über knapp 900 Plätze.

Kaum Zuschauer bei "Let's Dance"

Einen davon nimmt der Wendler ein. Vor allem, um lautstark seine Laura zu supporten. Andererseits: Wo sollte er auch hin? Seit Donald Trump mit dem Einreiseverbot für Europäer erneut seinen Hang zu politischen Geisterfahrten demonstriert hat, gibt es für den Wendler ohnehin kein zurück in die Wahlheimat Florida – denn ohne Freundin fährt der Wendler nicht zurück in die Staaten. Und die darf nicht einreisen. Zum Glück zahlt RTL Suiten im Savoy Hotel. So landet der obdachlose Wendler nicht auf der Straße. Gleichzeitig unterstützen Hotelbuchungen den lokalen Tourismusmarkt, denn Reisen nach NRW erfahren aktuell weniger Nachfrage als Autogramme von Andi Scheuer.

Den Rest der Staffel ohne Zuschauer zu tanzen ist schon der dritte schwer zu verkraftende Rückschlag für Deutschlands erfolgreichste Tanzdoku. Erst wird bekannt, dass Star-Tänzerin Ekaterina Leonova nicht dabei ist und dann muss "Let's Dance" diese Saison ja schon erstmals vollkommen ohne Promis auskommen. Als es dann endlich ums Tanzen geht, identifiziert Joachim Llambi zunächst eine anatomische Ungereimtheit bei Model Loiza Lamers und rät ihr: "Nicht zweimal mit dem gleichen Fuß gehen". Vom Bewegungsablauf klingt das interessant, sieht aber wohl recht eigentümlich aus. Lamers tanzt, als wäre sie ziemlich blau, ihr Profitänzer Andrzej Cibis trägt dazu eine schwarze Hose und ein gelbes Hemd. Wohl eine Hommage an das für den Folgetag abgesagte Derby.

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Loiza Lamers und ihr Partner Andrzej Cibi. Bild: screenshot/rtl

Pünktlich zu den Gerüchten, er hätte seine Freundin für Profi-Partnerin Christina Luft verlassen, tanzt Luca Hänni eine Samba, die Luft mit den Worten: "Das muss schon sexy werden – 18 plus!" ankündigt. Sogar die Vokabel "Erektion" fällt im Training. Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, erscheint Christina in einem Hauch von Nichts, das selbst Rebecca Mir als "zu freizügig" abgelehnt hätte. Und die hat ihre "Let's Dance"-Saison 2012 weitestgehend damit verbracht, sich im Laufe ihrer jeweiligen Tanzperformances stets irgendwann Großteile ihrer Kleidung vom Leib zu reißen. Luca Hänni scheint es zu gefallen. Wenn man so will, hat sich (Achtung!) seine Freundin in Luft aufgelöst.

Do Ya Think I'm Sexy?

Noch mehr begeistert als Hänni von Lufts Körper ist die Jury von seiner Tanzleistung. Jorge hyperventiliert noch so gerade ein "Das iss eine Draum in Rodd" heraus. Ich glaube, er meint damit die farblich aufeinander abgestimmten roten Outfits von Hänni und Luft. Sicher bin ich mir allerdings nicht. Er könnte auch "Ein Traum in Rod" gesagt haben. Welcher Rod das ist, in dem er gerne wäre, verrät er nicht. Rod Steward vielleicht. Das würde zumindest zum 70er-Special passen, denn Steward gelang 1971 mit "Maggie May" der Durchbruch.

Einmal in Fahrt bleibt Zotenonkel Jorge auf Kurs und attestiert Sükrü Pehlivan: "Es muss mehr lebendig da unten sein!" In dieser vollkommen durchsexualisierten Stimmung muss ihm sogar Joachim Llambi zustimmen und bestätigt: "Da stimmt untenrum nicht viel". Die Profis wollen nicht nachstehen und schicken Isabel Edvardsson vor, die offensichtlich gerne aus Ratgebern für alternative Verhütungsmethoden zitiert. Promi Ailton jedenfalls erklärt sie: "Die Beine dürfen nicht auseinander sein."

So keusch geht es bei Victoria Swarovski nicht zu. Die Co-Moderatorin hat versehentlich die Hälfte ihres Kleides vergessen und daher 50 Prozent ihres Oberkörpers provisorisch mit einem schwarzen Tuch bedeckt. Das könnte der Grund sein, warum sie heute bei der obligatorischen Anmoderation des Gewinnspiels vor jeder Werbepause etwas unkonzentriert wirkt. Wie immer kann man als Zuschauer 10.000 Euro gewinnen. Swarovski empfiehlt, den Gewinn für eine Weltreise zu nutzen. Das wird in Zeiten von Corona allerdings schwierig. Alternativ könnte man sich für die 10.000 Euro aber auch drei bis vier Liter Desinfektionsmittel gönnen.

Wendler kann nicht mit Laura mithalten

Dann ist endlich Laura Müller dran und legt einen Tanz auf das Parkett, der selbst Joachim Llambi beindruckt. Ihr Auftritt mit Profi Christian Polanc enthält eine Reihe von Figuren und Bewegungen, bei denen sich der Wendler mehrere Dutzend Knochen brechen würde. Wäre aber lustig, denn so müsste er einige Monate im Rollstuhl verbringen und dann könnte die gemeinsam mit Laura Müller geplante Single "Sie schiebt den DJ" heißen.

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Laura Müller (r.) bei ihrem Tanz. Bild: screenshot/rtl

Tanzen kann er wirklich nicht, der Wendler. Als er 2016 selbst Kandidat bei "Let's Dance" war, gelangen ihm so spektakuläre Tänze, dass Joachim Llambi ihm abseits der bestehenden Regeln sogar mehrfach Null Punkte geben wollte. Das familieninterne Duell geht also klar an Laura Müller. Nicht nur auf der Tanzfläche übrigens. Im Vergleich zum Insolwendler hat sie nämlich außerdem: mehr Follower auf Instagram, war schon mal im "Playboy" und kann, das gilt als ziemlich sicher, besser singen.

Bei ihren Urteilen bleibt die Jury Müllers Alter entsprechend zurückhaltend, was die heute dominierende Schlüpfrigkeit der Redebeiträge angeht. Nach dem Auftritt von Ninja Warrior Moritz Hans ist das Bewertungspersonal aber auf der Zotenskala von 1 bis 10 schon wieder mühelos bei einer 12 angekommen. Motsi Mabuse zumindest jubiliert: "Ich freue mich jede Woche, wenn ihr kommt!"

Massimo Sinató watscht Ehefrau Rebecca Mir mit einer Aussage ab

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Die Kandidatin Lili Paul-Roncalli (m.) mit ihrem Tanzpartner Massimo Sinató (r.) und Moderator Daniel Hartwig (l.). Bild: screenshot/rtl

Den absoluten Höhepunkt hat sich RTL dann aber in dramaturgischer Perfektion für die Schlussphase der vierstündigen Live-Show aufgehoben. Massimo Sinató tanzt mit Lili Paul-Roncalli und zeigt im Anschluss Mitleid mit allen aktuell eher mäßig gelaunten Fußballfans. Als kleine Aufheiterung gegen den Frust, den die Absage der kommenden Bundesliga-Spieltage hervorgerufen hat, läuft er zum Eigentor an und versenkt souverän.

Live zur Primetime schwärmt Sinató in den höchsten Tönen von Lili:

"Ich bin seit 30 Jahren Tänzer, seit 11 Jahren bei Let's Dance. Lili Paul-Roncalli ist die fleißigste, bescheidenste und cleverste Tanzpartnerin, die ich je hatte."

Womöglich nicht sein schlauester Move, wenn man die nächsten Wochen nicht auf der Couch nächtigen möchte. Im Publikum sitzt nämlich Rebecca Mir, die 2012 mit Massimo tanzte und seither nebenbei seine Ehefrau ist.

Die Kamera schwenkt dann auch prompt um auf Rebecca Mir, die erst verdutzt guckt und dann demonstrativ in einen Lachflash verfällt.

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Bild: Screenshot TV Now

Übrigens: Als Sinató und Mir sich bei "Let's Dance" kennenlernten, war Mir 22 und Sinatós damalige Frau 30. Sinató entschied sich, seine Ehe zu beenden und der acht Jahre jüngeren Mir zuzuwenden. Heute ist Mir 29 und Lili Paul-Roncalli 21, aber das nur am Rande.

Zum Schluss schmeißen die Zuschauer dann Ailton raus, womit nach Steffi Jones auch der letzte Promi mit Fußball-Hintergrund die Tanzoase verlassen musste. Kommende Woche gibt es dann das Boys-&-Girls-Special.

Bis dahin: See you on the Dancefloor!

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