Unterhaltung
Titel: Queen of Drags; 
Staffel: 1; 
Folge: 1; 
Person: v.l.n.r.; Heidi Klum;Bill Kaulitz;Conchita Wurst; 
Copyright: ProSieben/Martin Ehleben; 
Fotograf: Martin Ehleben; 
Bildredakteur: Susi Lindlbauer; 
Dateiname: 1814658.TIF; 
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Die "Queen of Drags"-Jury: Heidi Klum, Conchita wurst und bill kaulitz. Bild: ProSieben/Martin Ehleben

"Queen of Drags" mit Heidi Klum: 3 Dragqueens, 3 Meinungen

Schrill, gewagt, kontrovers: Am Donnerstagabend zeigte ProSieben die erste Folge von "Queen of Drags" mit Model-Mama Heidi Klum als Jurorin. 1,5 Millionen Zuschauer verfolgten das TV-Experiment, mit dem der Sender ein Zeichen für mehr Toleranz und gegenseitigen Respekt setzen will. Zum Vergleich: Bei "Germany's next Topmodel" schalteten im Schnitt zuletzt 1,67 Millionen ein.

Bereits vor Ausstrahlung der ersten Folge wurde vor allem Klum kritisiert. Unter anderem hatte es geheißen, sie würde der Drag-Szene nicht nah genug stehen. Aber stimmt das?

Watson sprach mit Menschen, die es wissen müssen: Drei Drag-Künstlerinnen teilen hier ihre ganz persönlichen "Queen of Drags"-Ansichten.

Sheila Wolf, Drag- und Burlesque-Künstlerin, Produzentin und Moderatorin

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Bild: Sheila Wolf PR

Watson: Sheila, wie gefällt dir das Konzept der Show, aus zehn Dragqueens DIE Queen zu wählen? Was sollte die Siegerin deiner Meinung nach mitbringen?

Sheila Wolf: Mir hängen diese ewigen Castingformate im deutschen Fernsehen zum Halse raus. Hier geht es ausschließlich darum, auf dem Rücken der Akteure Kasse zu machen und mit billigen Statisten Sendezeit zu füllen. Ich sehe auch einen deutlichen Trend in der jungen Generation, das ewige "Gegeneinander" lieber in ein "Miteinander" zu verwandeln. Außerdem bin ich der Meinung, wenn man was macht, dann richtig. Ich weiß nicht, warum man RuPaul als lebende Legende nicht involviert hat! Außerdem ist Drag viel mehr als das, was im Cast vorkommt.

Ich versteh’ einfach nicht, warum immer nur die Schublade "Schwuler Mann im Fummel" bedient wird. Wir leben in 2019 und da gibt es über 60 Geschlechtsidentitäten!

Abgesehen davon ist die Inszenierung des Formats aber gut gemacht, die Girls haben einen Unterhaltungswert und es nähert sich dem Original von RuPaul an. Aber um die Frage abzuschließen – ich wünsche mir, dass die kreativste Queen das Rennen macht. Mein Favorit steht übrigens schon fest.

Vorab gab es Kritik an Heidi Klum. Es heißt, sie hätte mit der Drag-Szene nichts zu tun, wäre nicht im Thema drin. Kannst du das nachvollziehen?

Ich stehe häufig auf den Bühnen Europas als Moderatorin und weiß, was es benötigt, ein Publikum zu unterhalten... Heidi hat leider absolut kein Talent dafür. Sie war und ist offenbar ein sehr gutes Model und ich nehme ihr ab, die "Mädchen" aus "GNTM "bewerten zu können. Für ein Drag-Format ist sie allerdings komplett fehlbesetzt. Und das hat nichts mit ihrer Heterosexualität zu tun. Ich verstehe natürlich, dass sie als Quoten-Queen gegebenenfalls das nötige Zünglein an der Waage war, das ProSieben endlich so ein Format ins deutsche Fernsehen bringt. Aber authentisch ist das nicht.

Ich liebe allerdings Conchita und Olivia Jones in der Jury und finde beide sensationell in ihren Rollen. Was ein Bill Kaulitz da zu suchen hat, erschließt sich mir auch nicht, nachdem ich die erste Folge gesehen habe!

Mit welchen Vorurteilen haben Dragqueen-Darsteller zu kämpfen? Was sollten sich Außenstehende bewusst machen?

Vorurteile gibt es viele. Ich selbst kann nur von denen sprechen, die ich erlebe und die kommen nicht unbedingt nur von Heteros. Ich durfte mir auch schon anhören, dass eine Hete wie ich niemals das Wort Queer innehaben darf – als wenn da jemand ein Gesetz für geschrieben hätte (lacht). Von der breiten Masse bekomme ich aufgrund meiner Qualität oft großen Zuspruch. Aber das liegt auch daran, dass ich mich in einer kulturellen Blase bewege und selten Lust verspüre, sie zu verlassen.

Eine neue Herausforderung ist die App TikTok. Wenn meine Videos dort viral gehen, bekommt man gezeigt, wie viel Unverständnis noch in der Gesellschaft herrscht. Außenstehende sollten sich mal vor Augen führen, welcher Aufwand und welche Leidenschaft dahinter stecken. Um es in einem Wort zu beschreiben – es ist Kunst!

Glaubst du, "Queen of Drags" wird die Szene in Deutschland populärer machen und für mehr Anerkennung sorgen?

Ja – tatsächlich glaube ich, dass das Format Türen öffnen kann. Das Fernsehen ist unglaublich berechenbar. Wenn ein Sender anfängt, springen alle anderen auf den Zug auf, sofern es erfolgreich ist.

Im Grunde reicht es schon, wenn man eine Handvoll Menschen zum Umdenken bewegt und dem Mainstream etwas mehr Toleranz und Respekt vermittelt.

Ich würde mir wünschen, dass die Queens in Zukunft von ihrer Arbeit als Entertainerinnen gut leben können und dass ihnen die aufflammende Aufmerksamkeit nicht über den Kopf wächst.

Denn leider wurde auch schon in der ersten Sendung mit TV-typischen Superlativen hantiert, die ich gruselig finde. Und wenn dann auf der Bühne (Conchita und Bill Kaulitz stellten in Berlin die erste Folge Presse und Fachpublikum vor, Anm. d. Redaktion) ein Bill Kaulitz behauptet, man hätte persönlich die zehn besten Dragqueens aus dem deutschsprachigen Raum herausgepickt, dann wird mir leider ganz mulmig. Weil ich weiß, dass viele Kolleginnen aus Österreich und Deutschland gar nicht gefragt wurden. Zum Glück hat Conchita das dann korrigiert!

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Ikenna Amaechi, Whitney-Houston-Tribute-Artist, Drag-Künstlerin und Moderatorin

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Bild: Ikenna/PR

Watson: Ikenna, wie gefällt dir das Konzept der Show, aus zehn Dragqueens DIE Queen zu wählen? Was sollte die Siegerin deiner Meinung nach mitbringen?

Ikenna Amaechi: Ich finde es großartig! Ich finde so eine Sendung längst überfällig für Deutschland! Die Queen muss etwas Besonderes haben, etwas Einzigartiges, das einen vom Hocker reißt.

Vorab gab es Kritik an Heidi Klum. Es heißt, sie hätte mit der Drag-Szene nichts zu tun, wäre nicht im Thema drin. Kannst du das nachvollziehen?

Das kann man so und so sehen. Aber kaum ein Zuschauer weiß, wie Fernsehen gemacht wird. Und ob Mann/Frau Heidi nun mag oder nicht – sie weiß, wie es geht. Und noch wichtiger: Sie hat die Erfahrung und das Netzwerk, die Sendung erfolgreich zu machen. Und es macht die Sendung durch ihren Namen "normaler".

Mit welchen Vorurteilen haben Dragqueen-Darsteller zu kämpfen? Was sollten sich Außenstehende bewusst machen?

Awareness ist alles! Die Menschen haben immer Angst vor dem, was sie nicht kennen, und so eine Sendung bringt mindestens einen richtigen Dialog zustande. Ich bin ja auch nicht wirklich eine Dragqueen, sondern versuche, so perfekt wie möglich eine echte Frau abzugeben. Viele kennen den Unterschied gar nicht.

Und ich mache diesen Job schon seeeehr lange und kenne jede Form der Ablehnung und sämtliche Vorurteile.

Wenn die Leute aber am Fernseher mitfiebern und einen Einblick in die Szene bekommen, ändert sich auch das Bewusstsein.

Glaubst du, "Queen of Drags" wird die Szene in Deutschland populärer machen und für mehr Anerkennung sorgen?

Die Leute werden darüber sprechen und streiten und das ist sehr gut, besonders auf den Schulhöfen. Für mich am wichtigsten: Mein 16-jähriges Ich hätte es etwas einfacher im Leben gehabt, wenn es "sowas" schon im Fernsehen gegeben hätte...

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Jurassica Parka, Drag-Künstlerin, Moderatorin, Kolumnistin und DJane

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Bild: facebook.com/jurassicaparka

Watson: Jurassica, wie gefällt dir das Konzept der Show, aus zehn Dragqueens DIE Queen zu wählen? Was sollte die Siegerin deiner Meinung nach mitbringen?

Jurassica Parka: Drag ist für mich eine sehr diverse Kunst, es gibt nicht DIE beste oder DIE vollkommenste Drag. Ob Drag oder Tunte oder Transe, alles kann seinen eigenen Zauber haben. Natürlich muss ein Konzept wie "Queen of Drags" irgendwo eine Linie ziehen, das ganze ist eine TV-Show für das Mainstream-Publikum auf ProSieben. Ich finde, dass ein perfektes Aussehen weniger wert ist als die Personality einer Drag.

Das wichtigste sind Humor und Selbstironie. Die große Kunst einer Drag ist das Rotzigsein, ohne das Publikum damit vor den Kopf zu stoßen. Und bei Drag geht es auch immer darum, der heteronormativen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und gelernte Geschlechterrollen aufzusprengen. Ob man das nun mit einer Lipsync- oder Live-Nummer oder mit Standup-Comedy macht, egal. Hauptsache lustig und dabei intelligent.

Ich verfolge "GNTM" seit vielen Jahren. Queerness und Drag waren nie Themen, die Heidi thematisiert hat.

Vorab gab es Kritik an Heidi Klum. Es heißt, sie hätte mit der Drag-Szene nichts zu tun, wäre nicht im Thema drin. Kannst du das nachvollziehen?

Ich finde die Kritik gerechtfertigt. Das Format ist inspiriert von der sehr erfolgreichen amerikanischen Show "RuPaul‘s Drag Race". In der geht es in erster Linie um queeres Empowerment – moderiert von einer der berühmtesten schwulen Drags der USA. Dass Heidi Klum das gleich leisten kann, muss ich erstmal bezweifeln. Ihre neuerdings so offen zur Schau gestellte Begeisterung für die Drag-Szene empfinde ich als überraschend.

Ich verfolge "GNTM" seit vielen Jahren. Queerness und Drag waren nie Themen, die Heidi thematisiert hat. Ich hätte mich gefreut, wenn eine queere Person (wie zum Beispiel Conchita Wurst) das Format gehostet hätte. Nun ist sie "nur auch" in der Jury. Ich denke, ProSieben wollte durch das Zugpferd Heidi Klum die Werbezeiten sichern und das Mainstream-Publikum abholen. Vielleicht ist es auch der richtige Weg. In erster Linie ist es schon mal viel wert, queere Sichtbarkeit herzustellen. Wenn das ohne Klischees daherkommt, habe ich nicht viel dagegen einzuwenden.

Mit welchen Vorurteilen haben Dragqueen-Darsteller zu kämpfen? Was sollten sich Außenstehende bewusst machen?

Der schwule Mann trägt in der Öffentlichkeit die Maske einer Frau. Dies geschieht meistens in einer sehr überspitzten Form, darum geht es bei Drag. Natürlich erntet man Blicke und Unverständnis. In einigen Augen sehe ich auch die nackte Angst, von wegen "das ist doch nicht normal". Ein Mann soll ein Mann sein.

Genau deshalb erntete der Beitrag von Barbara Schöneberger gerade so viel Kritik in der Queerszene. Mittlerweile fangen wir in Deutschland endlich mal an, zu akzeptieren, dass es zwischen DEM Mann und DER Frau eine große Grauzone gibt. Und das ist wunderbar. Die gab es schon immer. Leider scheint das aber viele Menschen zu verunsichern.

Wir Drags tun niemandem was, wir bereichern und regen zum Nachdenken an.

Im besten Falle unterhalten wir und erwärmen die Seele des Publikums. Ich gehe oft bei Tageslicht für Jobs in "Full Drag" auf die Straße, um zum Job zu kommen. Natürlich setze ich mich da einer Aufmerksamkeit aus, die ich ertragen muss. Von Anspucken bis begeisterten Selfies ist alles mit dabei. Das gehört dazu. Die Welt ist nun mal in männlich und weiblich aufgeteilt. Auf die Feindseligkeiten kann ich aber verzichten. Ich würde mir wünschen, dass "Leben und leben lassen" mehr praktiziert würde. Aber es wird besser.

Glaubst du, "Queen of Drags" wird die Szene in Deutschland populärer machen und für mehr Anerkennung sorgen?

Ich denke, dass die Show sehr viel für die Drag-Szene und die queeren Menschen machen kann, sofern das Format keine Klischees bedient oder Protagonistinnen vorführt. Leider hatte ich bislang beim Privatfernsehen damit eine negative Erfahrung. Generell bemerke ich in der letzten Zeit eine höhere Sensibilität für Drags und auch ein stärkeres Interesse an dieser Kunst. Natürlich springt ProSieben auf diesen Zug auf. Aber vielleicht macht es "Queen of Drags" anders. Schließlich sind viele der Kandidatinnen Kolleginnen von mir, die ich gut kenne. Ich wünsche ihnen nur das Beste und drücke die Daumen.

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