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HANDOUT - 05.01.2020, Hamburg: Yalcin G

Wo isn deine Wumme, Nick? Yalcin Gümer (l., Fahri Yardim) und Nick Tschiller (Til Schweiger) in "Tatort: Tschill Out". Bild: dpa

"Tschill Out": ARD geht mit Til-Schweiger-"Tatort" radikalen Schritt

Der härteste "Tatort"-Kommissar ist zurück: Nick Tschiller, der sich sonst durch Hamburg ballerte und 2014 einen neuen Leichen-Rekord aufstellte, hat den Reset-Knopf gedrückt. Der Episodentitel "Tschill Out" mag erstmal nach einem Bud-Spencer-Film von 1976 klingen, macht aber durchaus Sinn. Denn eben diese Neuausrichtung gilt nicht nur für die Figur des Ermittlers, sondern für die gesamte Til-Schweiger-"Tatort"-Reihe.

Zuletzt waren die Tschiller-Fälle in die Kritik geraten: Zu brutal. Zu Schweiger. Zu wenig klassischer "Tatort". Gemeckert wurde irgendwann an jeder Ecke, statt auf taube Ohren stieß man bei den Programmverantwortlichen der ARD aber auf Gehör.

"Ich glaube, dass es nach anfanglicher Neugierde auf und Begeisterung für den Schweiger-'Tatort: Willkommen in Hamburg' vom März 2013 zu einem Missverständnis gekommen ist zwischen den Machern der Hamburger Reihe und den Zuschauern", so NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber. "Einmal bitte 'Reset' bei der Figur Nick Tschiller – das ist unser Ziel."

Til Schweigers Nick Tschiller ist geläutert – die neue Tiefe steht der "Tatort"-Figur gut

Vorbei also Explosionen, Feuerwalzen, Patronenhülsenklimpern. Stattdessen zieht es den Last Action Hero Tschiller in der neuen Folge, die das Erste am 5. Januar zeigte, auf die Insel Neuwerk am Rande der Außenelbe. Dort will er seine Seele wieder ins Gleichgewicht bringen und bei der Betreuung von verhaltensauffälligen Jugendlichen helfen. Dass der Ermittler die Gespräche nebenbei für seine eigene Therapie nutzen kann, passt da ganz gut ins Bild.

Natürlich ist trotz Auszeit der nächste Mord nicht weit und Tschiller-Kumpel Yalcin Gümer (yeah, Fahri Yardim) schaut auch kurz vorbei.

Kann das also gut gehen, wenn der "Tatort" den Knallhart-Cop zum geläuterten Deichjogger degradiert? Kurz: Ja! Schweiger selbst sagte der ARD, dass ihn ein "Tatort" mit einem "herkömmlichen Whodunit-Plot mit einem Mord am Anfang […]" nicht interessiere.

Nick Tschiller

So kannte man Nick Tschiller im ARD-"Tatort": stets mit der Knarre im Anschlag. Bild: NDR

ARD gelingt mit neuem Tschiller umgekehrtes "Tatort"-Experiment

Jetzt kann man von Til Schweiger und seinen Filmen halten, was man will, seine Darstellung des innerlich zerrissenen Kommissars ist im neuen Fall aber so nahbar und intensiv, dass der Zuschauer seinen Schmerz teilt.

Besonders eindrücklich wird die neue Vielschichtigkeit der Figur, als der sonst Nicht-Kostverschmäher Tschiller das Bettvergnügen mit der sexy Sozialpädagogin in letzter Sekunde abbricht. Zu sehr schmerzt der kürzliche Tod seiner Frau, zu sehr graut es ihm vor belanglosem Sex.

Mit "Tschill Out" ist der ARD ein umgekehrtes Experiment geglückt: keine Effekthascherei, keine absurd improvisierten Dialoge, keine überteuerten Gaststars, dessen Schauspieltalent knapp oberhalb einer Avocado liegt.

Sondern gut gemachte 90 Minuten figurenorientiertes Fernsehen, wie es es öfter geben sollte.

Das Erste zeigte "Tatort: Tschill Out" am 5. Januar um 20.15 Uhr. Die Folge ist nach Ausstrahlung in der Mediathek abrufbar.

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