Helene Bubrowski ist "FAZ"-Redakteurin und Juristin.
Helene Bubrowski ist "FAZ"-Redakteurin und Juristin. Bild: screenshot zdf

"Das ist nicht, was uns weiterbringt": Journalistin hält bei Lanz gegen Ferdinand von Schirach

15.04.2021, 12:28

Ginge es nach Ferdinand von Schirach, bräuchte die Grundrechtscharta der Europäischen Union dringend mal ein Update. In seinem neuesten Buch fordert der erfolgreiche Autor und Jurist deshalb die Einführung von sechs neuen Grundrechten in Europa. Das Manifest mit dem Titel "Jeder Mensch" stand am Dienstagabend auch bei "Markus Lanz" zur Diskussion.

Während der Moderator der ZDF-Talkshow wie gewohnt von der Kraft des Buches schwärmte, kritisierte Journalistin Helene Bubrowski die Vorschläge des erfolgreichen deutschen Autors. Sie hielt den Vorstoß Schirachs für überflüssig.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 14. April 2021:

  • Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin (SPD)
  • Helene Bubrowski, Journalistin
  • Ferdinand von Schirach, Autor
  • Dr. Gerhard Scheuch, Bio-Chemiker

Ferdinand von Schirach: "Es wird immer Lügen geben"

Ferdinand von Schirach gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern.
Ferdinand von Schirach gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern.Bild: screenshot zdf

Zugegeben, die meisten unserer Grundrechte basieren auf Ideen, die aus längst vergangenen Zeiten stammen. Als das Grundgesetz Deutschlands verabschiedet wurde war an das Internet, wie wir es täglich nutzen, noch nicht einmal zu denken und auch den Klimawandel hatten wir damals längst nicht auf dem Radar. Ein Grund für Ferdinand von Schirach dafür zu plädieren, unsere Grundrechte stärker an unsere heutige Zeit anzupassen.

"Die Grundrechtecharta der Europäischen Union hat nichts von den Problemen unserer Zeit gewusst", erklärte der Autor und Jurist bei "Markus Lanz". In der Grundrechtecharta der EU fehlten laut Schirach wichtige Grundrechte wie das auf digitale Selbstbestimmung oder eine geschützte Umwelt.

Oder dieses, das offensichtlich von Donald Trump beeinflusst ist:

"Jeder Mensch hat das Recht, dass Äußerungen von Amtsträgern der Wahrheit entsprechen."

Schirach sagte in der Talksendung: "Es gab immer Lügen in der Politik und es wird immer Lügen geben. Das ist auch nicht so schlimm." Problematisch sei es jedoch, wenn die Lüge systematisch für politisches Handeln verwendet werde.

"Markus Lanz": Helene Bubrowski hält Vorschläge für überflüssig

Moderator Markus Lanz war von den Ausführungen seines Gastes Ferdinand von Schirach begeistert.
Moderator Markus Lanz war von den Ausführungen seines Gastes Ferdinand von Schirach begeistert.Bild: screenshot zdf

Journalistin Helene Bubrowski zeigte sich nicht einverstanden mit Forderungen des Schriftstellers. Auch die systematische Lüge und Verführung habe es immer gegeben. "Dieses Phänomen ist nicht neu, das gibt es seit es die Menschheit gibt", erklärte sie. Bubrowski erinnerte in diesem Zusammenhang an den Nationalsozialismus.

Außerdem gebe es unter anderem mit dem Grundgesetz und der Grundrechtecharta eine Vielzahl an Verfassungen, die längst ausreichen würden. "Kennt aber alles kaum einer", bemerkte Markus Lanz daraufhin spöttisch. Doch Helene Bubrowski hielt an ihrem Punkt fest und teilte derweil eine Spitze gegen Ferdinand von Schirach aus:

"Es fehlt uns nicht an rechtlichen Grundlagen oder an Formulierungen, die gut klingen."

Die Gerichte auf allen Ebenen würden diese Rechte und Gesetze modern auslegen. Kritisch wandte sich Bubrowski noch einmal direkt an Schirach: "Bei allem Respekt für Ihre Ideen. Darüber kann man diskutieren und philosophieren. Aber das ist nicht, was uns weiterbringt."

Stattdessen müsse man vielmehr daran arbeiten, dass Menschen sich trauen ihre Rechte auch wirklich wahrzunehmen und dass diese auch durchsetzbar seien.

Ferdinand von Schirach: "Lassen Sie mich ausreden"

Ferdinand von Schirach (links) und Helene Bubrowski (rechts) waren sich bei "Markus Lanz" nicht einig.
Ferdinand von Schirach (links) und Helene Bubrowski (rechts) waren sich bei "Markus Lanz" nicht einig.Bild: screenshot zdf

Als Ferdinand von Schirach erklärte, dass die Grundrechtecharta ebenso wie das Klimaschutzgesetz zwar Staatsziele formulieren würden, jedoch nicht von jedermann einklagbar seien, unterbrach ihn die Journalistin mehrmals. "Es ist wahnsinnig schwer zu antworten, wenn Sie mich alle zwei Sätze unterbrechen", bemängelte der 56-jährige.

Eine Antwort auf die Frage, wie die Grundrechte denn tatsächlich einklagbar seien, bekam Helene Bubrowski später dennoch eine Antwort: Stellt man eine systematische Verletzung gegen diese Rechte fest, so könne man schlicht vor ein europäisches Gericht ziehen und Klage erheben.

Dies klingt theoretisch sehr einfach und – wie Markus Lanz begeistert feststellte – ist besonders in seiner Einfachheit auch so faszinierend. Journalistin und Juristin Helene Bubrowski allerdings hat Schirachs Manifest auch am Ende nicht recht überzeugt.

Auf der Website der Initiative zu "Jeder Mensch" haben die Bürger die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie für oder gegen mehr Grundrechte einstehen.

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