Mario Czaja verteidigte bei "Maischberger" die kontroverse Aussage von Friedrich Merz.
Mario Czaja verteidigte bei "Maischberger" die kontroverse Aussage von Friedrich Merz.Bild: WDR/Oliver Ziebe
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"Maischberger": Forderung von Mario Czaja empört die Zuschauer

18.01.2023, 06:21

Bei "Maischberger" flammte am Dienstagabend noch einmal eine Debatte auf, die Friedrich Merz in einer ZDF-Talkshow losgetreten hatte: Mit einem Kommentar über Kinder beziehungsweise Jugendliche, die Merz bei "Markus Lanz" "kleine Paschas" nannte, sorgte der CDU-Chef öffentlich für Diskussionen.

In einem Streitgespräch diskutierten die Generalsekretär Kevin Kühnert (SPD) und Mario Czaja (CDU) jetzt bei "Maischberger" erneut über das Thema.

Mario Czaja betonte, Deutschland habe ein Integrationsproblem und forderte eine Deutsch-Pflicht für Schulhöfe. Kevin Kühnert hielt dagegen. Er plädierte für eine "multilinguale Gesellschaft".

Das waren die Gäste bei "Maischberger" am 17. Januar:

  • Kevin Kühnert (SPD), Generalsekretär
  • Mario Czaja (CDU), Generalsekretär
  • Claudia Major, Sicherheits- und Militärexpertin
  • Jürgen Becker, Kabarettist
  • Jagoda Marinić, Autorin und Kolumnistin
  • Michael Bröcker, Chefredakteur "The Pioneer"

Wirbt Friedrich Merz Wähler bei der AfD ab?

Mit seinem Kommentar über "die kleinen Paschas" sorgte Friedrich Merz für heftige Debatten. Ihm wurde im Anschluss an den Kommentar Rassismus vorgeworfen.

Autorin und Kolumnistin Jagoda Marinić hielt nicht die öffentliche Aufregung, sondern den Auftritt des Union-Chefs für ein "Theater der 80er Jahre". Merz bediene sich einer absolut veralteten Rhetorik, die der pluralistischen Gesellschaft der Gegenwart nicht mehr gerecht werde.

Kabarettist Jürgen Becker vermutete in der Sendung, Merz wolle damit Wähler bei der AfD abwerben. Michael Bröcker, Chefredakteur "The Pioneer", zweifelte an so viel Berechnung und warf Friedrich Merz stattdessen "fehlende Impulskontrolle" vor.

Mario Czaja (CDU) hingegen sprach von "gescheiterter Integration".

In einem Streitgespräch diskutierten auch die Generalsekretäre der SPD und CDU, Kevin Kühnert und Mario Czaja, über die Causa Merz.

Für Mario Czaja war die Sache klar: Die Taten der Silvesternacht würden "ein klares Täterprofil" zeigen, was auf eine "gescheiterte Integration" in Deutschland hinweise. Friedrich Merz habe sich nicht in der Wortwahl vergriffen, sondern laut Czaja lediglich auf "ein Thema hingewiesen, das jeder aus der Schule kennt".

Der CDU-Generalsekretär ging noch weiter und forderte eine verpflichtende Vorschule auf Deutsch. Da Integration bei der Sprache beginne, meinte er außerdem:

"Es muss auf deutschen Schulhöfen vorwiegend Deutsch gesprochen werden."

Kevin Kühnert will "multilinguale Gesellschaft"

Kevin Kühnert lehnte den Begriff "kleine Paschas" als "indiskutabel" ab. Die Aussage von Friedrich Merz würde ein Dilemma der Unionsparteien beschreiben: Ein Großteil der Parteien sei noch nicht im Jahr 2023 und damit in einer pluralistischen Gesellschaft angekommen.

Statt wie Mario Czaja einen "starken Staat" im Kampf gegen Integrationsgescheiterte zu fordern, bekannte sich Kevin Kühnert bei "Maischberger" zu mehr Diversität und erklärte:

"Wir wollen eine multilinguale Gesellschaft sein."

Außerdem bezeichnete Kühnert die Argumentation des CDU-Politikers als "eindimensional". Er wehrte sich gegen die Kausalkette, wonach fehlende Deutschkenntnisse automatisch eine gescheiterten Integration bedeuten würden.

Auf Twitter war es im Anschluss Czaja, der wie zuvor auch Merz heftige Kritik erntete.

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