TV- und Sternekoch Alexander Herrmann betreibt mehrere Gastronomiebetriebe in Deutschland.
TV- und Sternekoch Alexander Herrmann betreibt mehrere Gastronomiebetriebe in Deutschland.Bild: imago images7Stefan M Prager / imago stock&people

Nach Corona-Schließungen – TV-Koch Alexander Herrmann: "Kein relevanter Umsatz mehr"

30.03.2020, 06:0830.03.2020, 12:43

Die Corona-Krise stellt Deutschland nicht nur vor medizinische, sondern auch vor wirtschaftliche Herausforderungen. Die Bundesregierung erwartet, dass rund 2,35 Millionen Menschen Kurzarbeit beantragen werden. Für die Betroffenen bedeutet das ohne Zuschüsse Lohneinbußen von 40 Prozent.

Herbe Einschnitte für die Angestellten, aber für die Unternehmen bietet Kurzarbeit die Chance, zu überleben – ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen. Neben Eventveranstaltern und Hoteliers gehören Gastronomen besonders zur Gruppe der betroffenen Unternehmer, die unter den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie zu leiden haben. Restaurants, Cafés und Bars mussten schließen, dürfen maximal To-Go-Gerichte anbieten.

Auch Sternekoch Alexander Herrmann ist von den Auswirkungen der unabsehbaren Corona-Krise betroffen. Der 48-Jährige, der durch zahlreiche TV-Shows wie die ZDF-"Küchenschlacht" oder "The Taste" bekannt wurde, betreibt im bayerischen Wirsberg sein "Posthotel Alexander Herrmann". Ein Familienbetrieb, in dem sich Paare gerne im Spa entspannen. Doch der ist nun bis auf Weiteres für den touristischen Betrieb geschlossen. Auch die beiden angeschlossenen Restaurants – eine Zwei-Sterne-Küche und ein Bistro – dürfen keine Gäste mehr bewirten. Und die Lage schmerzt.

Alternative zu Restaurantbesuchen

"Alle Restaurantaktivitäten müssen ruhen. Das Bistro darf mit To-Go und Auslieferungen noch ein bisschen weiteratmen", sagt Herrmann gegenüber watson. Für die Stammgäste haben er und sein Team sich eine Alternative zum regulären Restaurantbetrieb überlegt: "Wir bieten zum Beispiel 'Feinschmeckerboxen' an, die wir auch postalisch ausliefern. Ein paar Tage die Woche können Gäste mit eigenen Gefäßen vorbeikommen und Rouladen und Kraut oder ein moderneres Gericht mitnehmen." Den Regelbetrieb kann diese Maßnahme aber nicht ersetzen. Denn, so Herrmann:

"Das ist nur eine interne Art und Weise, die Moral bei mir und den Mitarbeitern hochzuhalten. Denn es ist nicht ansatzweise etwas, das man unternehmerisch in Form von Umsatz als relevant ansehen kann."
Beliebter TV-Juror und Gastgeber: Alexander Herrmann am ZDF-Set von "Topfgeldjäger".
Beliebter TV-Juror und Gastgeber: Alexander Herrmann am ZDF-Set von "Topfgeldjäger".Bild: imago images/ APress / imago stock&people

Der TV-Koch und Gastronom wünscht sich eine schnelle Besserung der Lage für alle Betroffenen und hofft auf Unterstützung aus Finanzkreisen:

"Es wäre meiner Meinung nach wichtig, dass die Banken eine Auflage bekommen, dass Tilgungen für die nächsten zwölf Wochen – und zwar rückläufig ab dem 15. März – zu stunden sind [...]. Wir müssen den Druck, was Mieten angeht, unterbinden."

Eine Maßnahme in Herrmanns Augen

Auch an die Bundesregierung richtet Herrmann einen Wunsch: "Es wäre wünschenswert, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Und dafür müssen wir schützen." Seine Idee: Alle Risikogruppen sollten noch bis nach Ostern die Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben. Dies solle auch für Kinder gelten und sollten diese asthmatische Grunderkrankungen haben, sollten auch die Eltern zu Hause bleiben dürfen – bei 100 Prozent Lohn. Einen entsprechenden Ausgleich könnte die Bundesagentur für Arbeit leisten.

Bei allem, was die Menschen angesichts der Krise gerade umtreibt, dürfte man vor allem die ältere Generation nicht vergessen, mahnt Alexander Herrmann an. Denn:

"Laut RKI liegt das Durchschnittsalter der an Corona Verstorbenen bei 81 Jahren – da ist ein klares Muster zu erkennen. Die Rettung liegt also darin, dass wir alle diese Personen mehr schützen. Und mehr schützen können wir sie vor allem dadurch, dass wir das Schlachtschiff Deutschland als Wirtschaftsunternehmen so schnell wie möglich stabilisieren und voranbringen. Damit wir auch in Zukunft noch die fürs Gesundheitssystem benötigten Mittel haben."

(ab)

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